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Hintergründe und Neuigkeiten zur Parkinson-Krankheit

Inhaltsverzeichnis:

  1. Die Krankheitszeichen
  2. Parkinson-Entstehung
  3. Behandlungsmöglichkeiten
  4. Hemmung des Dopaminabbaus

Die Parkinson-Krankheit, von den Medizinern Morbus Parkinson genannt, ist eine der häufigsten neurodegenerativen Krankheiten. Die Bezeichnung „neurodegenerativ“ bedeutet: auf den Untergang von Nervenzellen zurückgehend.

Gemeinhin gilt der Morbus Parkinson als eine Krankheit der späteren Lebensjahre, weil er meist erst zwischen dem 50. bis 75. Lebensjahr offenkundig wird.

Aber schon Vierzigjährige können daran erkranken! In Deutschland sind über 250. 000 Menschen von dieser schweren Krankheit betroffen.

Die Dunkelziffer ist hoch: Über 80.000 schätzen Experten, denn es dauert oft lange, bis eine Parkinson-Erkrankung erkannt wird. Frauen leiden daran genauso häufig wie Männer.

Die langsam fortschreitende Krankheit beeinträchtigt das ganze Leben – der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Zunehmende Bewegungsstörungen erschweren den Alltag. In sehr schweren Fällen kommt es schließlich zu geistigem Verfall.

Parkinson ist bis jetzt noch nicht heilbar. Aber es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten, die das Leben mit der Krankheit erträglicher machen können.

Zahlreiche Medikamente vermögen die Symptome in Schach zu halten – lösen allerdings ihrerseits wieder unerwünschte Wirkungen aus.

Begleitende Maßnahmen wie Geh- und Sprechtraining oder Heilgymnastik können sehr viel erreichen, die Beeinträchtigungen durch das Leiden mildern und die Berufsfähigkeit verlängern.

Dafür ist Disziplin nötig, vor allem aber eine Behandlung, die schon früh einsetzen sollte und sich nach der individuellen Ausprägung richtet.

Die Krankheitszeichen

Die Parkinson-Krankheit wird auch als Schüttellähmung bezeichnet, weil eines ihrer auffälligsten Symptome ein unkontrollierbares Zittern (Tremor) vor allem der Hände (meist einer Hand) ist. Es wird auch als „Pillendrehen“ bezeichnet.

Der englische Arzt James Parkinson beschrieb erstmals die Symptome dieser Erkrankung 1817 und bezeichnete sie als „Shaking Palsy“, als Schüttellähmung.

Doch tritt dieser Tremor, das Zittern von Hand, Fuß oder Kopf, nicht bei allen Betroffenen auf.

Andererseits kann ein Händezittern auch andere und harmlose Ursachen haben. So verhält es sich anfangs mit anderen Anzeichen, die den Parkinson begleiten: Jedes Symptom für sich kann eine andere Ursache haben.

Erst die Kombination mehrerer Zeichen läßt Rückschlüsse auf den Morbus Parkinson zu. Nur selten sind sie anfangs zahlreich vorhanden; das Vollbild zeichnet sich, individuell unterschiedlich, erst nach Jahren ab.

Viele Betroffene und Ärzte vermuten deshalb zunächst ganz andere Ursachen.

Symptome

Verlangsamte Bewegungsabläufe (Bradykinesie) – Oft haben die Betroffenen zuerst ein Problem mit schnellen oder geschmeidigen Bewegungen. Es kann für sie schwierig sein, Bewegungen zu planen und zu beginnen. Die Bradykinesie kann alle Bereiche des täglichen Lebens betreffen, angefangen vom ersten Schritt nach dem Aufstehen bis zum Unterschreiben eines Schriftstücks.

Zittern (Tremor)– Das Zittern beginnt häufig an einer Hand und ähnelt dem Drehen einer Pille zwischen Daumen- und Zeigefingerspitze. Parkinson-Patienten nehmen es im Ruhezustand am ehesten wahr. Bei zielgerichteten Bewegungen oder im Schlaf verschwindet es häufig. Das Zittern kann auch auf Beine und Kiefer übergreifen. Jedoch tritt es bei circa einem Drittel der Parkinson-Patienten überhaupt nicht auf.

Rigidität (Steifheit)– In frühen Stadien der Erkrankung nehmen Patienten die Rigidität (die als eine Art Steifheit wahrgenommen wird) am häufigsten dann wahr, wenn die Gliedmaßen sich einer Bewegung widersetzen.Im Krankheitsverlauf können weitere Anzeichen und Symptome hinzukommen, die den Patienten zunehmend einschränken:

Haltungs- und Gleichgewichtsstörungen– Aufrechtes Gehen oder Sitzen fällt den Betroffenen schwer. Ihr charakteristischer Gang ist langsam, schlurfend und vornüber gebeugt. Der Verlust des Gleichgewichtssinns kann das Gefühl auslösen, nach vorne zu fallen. Die Gleichgewichtsstörungen können durch Medikamente gegen die Parkinson-Krankheit nicht gelindert werden.

Sprachschwierigkeiten – Ein frühes Symptom der Parkinson-Krankheit ist oft eine Veränderung der Sprache. Sie wird leiser, langsamer und oft schlechter verständlich.

Schwankende Stimmungslage– Angstzustände und Depressionen sind häufig.

Gedächtnisverlust – Bei fortschreitender Parkinson-Krankheit können sich Gedächtnisverlust und andere Anzeichen einer Demenz entwickeln. Bei schätzungsweise einem Viertel der Parkinson-Kranken ist dies der Fall. Eine Demenz kann häufig nicht durch Medikamente gegen die Parkinson-Krankheit beeinflusst werden. Tatsächlich können manche Medikamente, die bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden, die Demenz verschlimmern.

Parkinson-Entstehung

Im Mittelhirn gehen die melaninhaltigen Nervenzellen der Substantia nigra (dunkelgraue Substanz) unter. Dadurch wird die Weiterleitung des Nervenbotenstoffs (Neurotransmitter) Dopamin gestört, oder es kommt sogar zum Ausbleiben des Dopamins.

Da im Gehirn weitere Neurotransmitter wichtige Funktionen ausüben, entsteht durch den Mangel an Dopamin ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter.

Letztlich verursacht dieses Ungleichgewicht die Symptome der Parkinson-Krankheit.

Wie es zu dem schleichenden Untergang der Zellen kommt, ist noch nicht bekannt. Möglicherweise, so vermuten die Ärzte, ist ein Defekt im Stoffwechsel beteiligt.

Dabei wird angenommen, daß der Stoffwechsel von Parkinsonkranken den Botenstoff Dopamin nicht richtig verarbeiten kann und daß dabei schädliche freie Radikale entstehen, die ihrerseits die Substantia nigra schädigen.

Doch scheinen noch andere, bisher unbekannte Faktoren eine Rolle zu spielen.

Ein Erbgang, also ein gehäuftes Auftreten unter Verwandten, ist nur selten zu beobachten. Die Forschung ist intensiv auf der Suche nach den Ursachen, um in Zukunft die Krankheit vielleicht heilen zu können.

Parkinson-Symptome können auch durch Vergiftungen mit Kohlenmonoxid, einen Gehirntumor, eine Gehirnentzündung oder durch Medikamente (zum Beispiel manche ältere Medikamente gegen Schizophrenie wie Haloperidol) entstanden sein.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit muss Ihr Arzt für Ihr Krankheitsstadium die richtige Kombination von Medikamenten finden. Nicht jeder Patient reagiert auf dasselbe Medikament gleich. Im weiteren Krankheitsverlauf ändert sich die Behandlung wahrscheinlich.

Zu Beginn der medikamentösen Therapie verschreibt Ihnen Ihr Arzt voraussichtlich einen Wirkstoff aus den drei folgenden Medikamentenklassen:

Dopaminersatz

Bei Levodopa (z. B. Dopaflex®) handelt es sich um ein Medikament, das das Gehirn zu Dopamin umwandelt. Es war bislang das am häufigsten eingesetzte Medikament zur Behandlung der Parkinson-Krankheit.

Forscher entwickelten es in den sechziger Jahren. Dies ermöglichte es vielen Menschen, länger unabhängig zu leben als vorher möglich.

Levodopa verschreibt man als Carbidopa-Levodopa-Kombination (Levodopa-Carbi-Azu®). Carbidopa schützt das Levodopa vor dem Abbau im Stoffwechsel, bis das Gehirn es zu Dopamin umwandelt.

Carbidopa vermindert ebenfalls Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, die gelegentlich bei Einnahme von Levodopa auftreten.

Levodopa hilft, Parkinson-Symptome zu reduzieren, insbesondere die Verlangsamung der Bewegung und die Rigidität. Jedoch lässt unter Umständen die Wirkung zwischen den eingenommenen Dosen im Laufe der Zeit nach.

Das führt zu Schwankungen im Bewegungsablauf: Manchmal sind die Bewegungen normal und fließend, ein anderes Mal verlangsamt, verbunden mit Zittern oder überschießend (Dyskinesien).

Diese Effekte verringern sich, indem man die Dosis verändert oder andere Medikamente hinzufügt.

Darüber hinaus bringt eine spezielle Darreichungsform der Carbidopa-Levodopa-Kombination, bei der die Freisetzung kontrolliert verzögert wird (Retard-Form), länger günstige Ergebnisse.

Dopamin-Agonisten

Zu den wichtigsten Medikamenten in der Parkinson-Therapie gehören Dopamin-Agonisten. Sie verstärken die Wirkung des Gehirnbotenstoffs Dopamin, indem sie dessen Wirkung im Gehirn nachahmen.

Man setzt sie allein oder in Kombination mit Levodopa ein. Oft wendet man sie im Krankheitsverlauf früh an oder später, wenn die Wirkung des Levodopa nachlässt.

Sie wirken genauso effektiv wie Levodopa, aber ihre Wirkung hält länger an. Sie kosten im Allgemeinen mehr als Levodopa und verursachen Nebenwirkungen wie Paranoia, Halluzinationen oder Benommenheit.

Einige dieser Mittel schädigen die Herzklappen, wie Wissenschaftler aus Mailand aufgedeckten. Das meldete das New England Journal of Medicine im Januar 2007.

Insgesamt untersuchten die Forscher 155 Parkinson-Kranke. Von den Patienten, die ergoline Agonisten (z. B. Cabaseril®, Parkotil®, Dopergin®) einnahmen, zeigte ein Viertel krankhafte Veränderungen an den Herzklappen.

Bei Patienten, die Agonisten vom „nicht-ergolinen“ Typ einnahmen (z. B. Sifrol® oder Requip®), traten diese Veränderungen nicht auf.

Als Parkinson-Patient fragen Sie Ihren Arzt, ob eine Umstellung auf eines der unbedenklichen Mittel möglich ist. Falls nicht, untersuchen Sie mindestens einmal jährlich ihre Herzklappen auf mögliche Fehler.

Hemmung des Dopaminabbaus

Diese neueren Medikamente helfen, die Wirkung des Dopamins zu steigern. Dies geschieht durch die Blockierung von Enzymen, die Dopamin im Gehirn inaktivieren.

Zu dieser Medikamentenklasse gehören Selegilin (z. B. Deprenyl®), Tolcapon (z. B. Tasmar®) und Entacapon (z. B. Comtess®). Selegilin verzögert den Abbau von Dopamin, indem es das Enzym Monoaminooxidase (MAO) Typ B hemmt.

In manchen Fällen verordnet man es als einziges Medikament, bevor man mit dem Einsatz von Levodopa beginnt. Man kann es aber auch in Kombination mit Levodopa geben.

Bei manchen Patienten, die Selegilin zusammen mit dem starken Schmerzmittel Meperidin (aus der Klasse der Opoid-Analgetika) einnahmen, traten toxische Wirkungen auf.

Entacapon verstärkt die Wirkung des Dopamins durch die Hemmung des Enzyms Catechol-O-Methyltransferase. Man wendet es in Kombination mit Levodopa an. Jedoch führte Tolcapon in seltenen Fällen zu Leberversagen.

Aus diesem Grund ist bei der Einnahme dieses Wirkstoffs eine engmaschige Überwachung der Leberfunktion notwendig. Tolcapon ist in Deutschland nicht mehr zugelassen.

Bei der Einnahme von Entecapon beobachtete man diese Nebenwirkung nicht. Daneben gibt es Medikamente mit anderen Wirkprinzipien, die man in vielen Fällen im weiteren Krankheitsverlauf sowie in Kombination mit den aufgeführten Medikamenten einsetzt.

Fahrradergometer ideal bei Parkinson?

Ich habe Sie ja bereits öfter auf die Wichtigkeit von Bewegung bei dem Parkinson-Leiden hingewiesen. Vor allem Tai Chi soll sich nachgewiesernermaßen positiv auswirken.

Jetzt habe ich eine neue Studie von der US-amerikanischen Parkinson-Klinik in Cleveland gelesen, nach der ein Fahrradergometer hilfreiche Dienste bei Parkinson leisten könnte. Forscher Dr. Alberts entdeckte diese Wirkung zufällig.

Vor einigen Jahren radelte er mit einer am Parkinson-Leiden erkrankten Freundin auf einem Tandem. Sie beide bemerkten eine deutliche Verbesserung der Krankheit durch das Radeln.

Nach zwei Tagen konnte man sogar ihre Schrift wieder lesen, denn die allmählich unleserlich werdende Schrift ist ein Symptom für das Leiden. Auch andere Anzeichen verflüchtigten sich.

Grund genug für den Wissenschaftler, diese private Erkenntnis einem wissenschaftlichen Test zu unterziehen: Wenn die Erkrankten allein radelten, schafften sie 50 bis 60 Umdrehungen in der Minute.

Auf dem Tandem mit einem Partner brachten Sie es auf 80 und 90 Umdrehungen. Alberts fand weiter heraus: Erkrankte, die 3-mal in der Woche 40 Minuten auf diesem Level trainierten, verbesserten ihre motorischen Fähigkeiten nach acht Wochen um 35 Prozent.

Parkinson: Ein Argument für Obst und Rotwein

Der Begriff Flavonoide bezeichnet eine große Gruppe natürlicher Farbstoffe. Diese Pflanzenstoffe besitzen verschiedene Wirkungen, die die Gesundheit fördern.

So soll der Verzehr von Flavonoid-reichen Lebensmitteln das Auftreten von Parkinson reduzieren. Flavonoide finden sich beispielsweise in Obst und Rotwein.

Flavonoide schützten vor Parkinson, melden US-Kollegen in dem Fachblatt „Neurology“. Sie stützen ihre Aussage zum einen auf frühere Studienresultate und zum anderen auf Ergebnisse einer eigenen aktuellen Arbeit.

Für diese haben sie 20-Jahres-Daten von rund 130.000 Männern und Frauen ausgewertet. Während der Verlaufsbeobachtung diagnostizierten die Neurologen bei 805 Personen (438 Männern und 367 Frauen) Morbus Parkinson.

Bei den Männern ergab die statistische Analyse einen signifikanten Zusammenhang zwischen einer sehr Flavonoid-reichen Ernährung (Obst, Rotwein) und einer geringeren Parkinson-Inzidenz.

Warum der Zusammenhang nur bei Männern nachweisbar war, bleibt unklar.

Wie die meisten Studien dieser Art beruhte die Einschätzung der Flavonoid-Aufnahme auf Angaben der Studienteilnehmer zu ihren Ess- und Trinkgewohnheiten.

Das Ergebnis der Arbeit bedarf demzufolge einer vorsichtigen Interpretation.

Zumal ist nicht ausgeschlossen, dass andere Inhaltsstoffe als Flavonoide eine Rolle spielen könnten. Allerdings haben mehrere experimentelle und klinische Studien Hinweise auf protektive Effekte von Flavonoiden bei neurodegenerativen Erkrankungen geliefert, etwa bei der Alzheimer-Erkrankung.

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