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Wie die Sauerstoff- und Überdruck-Therapie Ihre Migräne besiegen kann

Wenn Sie seit weniger als 10 Jahren Migräne-Patient sind oder hin und wieder unter Migräne-Attacken leiden, kann Ihnen eine Sauerstoff-Überdruck-Therapie helfen. Dabei nehmen Sie in einer Druckkammer, in deren Innerem der doppelte Atmosphärendruck von 2 bar herrscht, über eine Atemmaske reinen Sauerstoff zu sich. Dadurch wird die Sauerstoffmenge, die im Blut und im Gewebe gelöst vorkommt, bis auf das 20fache erhöht.

So wirkt die vermehrte Sauerstoff-Zufuhr auf Ihren Organismus

Der Druck bewirkt, dass sich der Sauerstoff im Blut selbst löst, sich also nicht nur – wie unter normalen Bedingungen – an die roten Blutkörperchen bindet. So werden auch solche Körperregionen ausreichend mit Sauerstoff versorgt, die z.B. wegen einer Verletzung oder wegen chronischer Durchblutungsstörungen zeitweise oder dauernd unterversorgt wurden. Das Verfahren wird u.a. auch zur Beschleunigung der Wundheilung (etwa bei „offenen Beinen“) eingesetzt, in einer neueren Studie sogar zur Migräne-Behandlung.

Das Druckkammerzentrum Kassel Hansteinstr. 29, 34121 Kassel, Tel. 0561-9324700, www.hbokassel.de) behandelte unter der ärztlichen Leitung von Ralf Busch 300 Migräne-Patienten mit der Sauerstoff-Überdruck-Therapie. Sie mussten an 10 Tagen innerhalb von zwei Wochen in einer Druckkammer jeweils eine Stunde lang reinen Sauerstoff einatmen. „Bei 80 Patienten wirkte die Therapie“, berichtet Busch, „bei ihnen nahm die Häufigkeit und Intensität der Attacken um mindestens 50 Prozent ab.“ Viele seien drei Monate danach noch beschwerdefrei gewesen, erklärt der Mediziner.

Diese Therapie ist in bis zu 50 Prozent der Fälle erfolgreich

Die Mediziner nehmen an, dass für den positiven Effekt neben dem Sauerstoff selbst auch dessen Wirkung auf den Serotonin-Stoffwechsel (Hirnbotenstoff) verantwortlich verantwortlich ist. Eine genaue Erklärung, speziell zur beobachteten langfristigen Therapiewirkung, steht allerdings noch aus. Wieso die Therapie bei Patienten, die bereits seit mehr als 10 Jahren an Migräne leiden, nicht anschlägt, ist ebenfalls noch ungeklärt.

Mein Tipp: Die Sauerstoff-Überdruck-Therapie gibt Ihnen keine Garantie auf Heilung. In der Studie schlug sie bei rund 27 Prozent der Patienten an, in der Gruppe der Patienten, die weniger als 5 Jahre unter Migräne litten, immerhin bei 50 Prozent Das ist nicht gerade sensationell, aber für Patienten mit hohem Leidensdruck und solche, die wegen Nebenwirkungen die gängige Triptane-Therapie nicht vertragen oder nicht auf sie ansprechen, eine große Chance. Sollten Sie dazu gehören, rate ich Ihnen unbedingt zu dieser Therapie. Allerdings: Das Verfahren, auch HBOTherapie (Hyperbare Oxigenation) genannt, ist keine kassenärztliche Vertragsleistung, sie wird daher von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet. Rechnen Sie für eine 1-stündige Behandlung mit Kosten von ca. 50 €, bei einer 10-Tage-Therapie also mit 500 €. Danach ist eine Auffrischung (eine Behandlung) alle 6 bis 8 Wochen erforderlich.

Viele private Krankenversicherer und Beihilfestellen für Beamte hingegen übernehmen die Kosten in den meisten Fällen. Fragen Sie vorher sicherheitshalber nach. Wenn Sie sich zu einer Sauerstoff-Überdruck-Therapie entschlossen und dies mit Ihrem behandelnden Arzt besprochen haben, wenden Sie sich an eines der Druckkammerzentren in Deutschland. Es gibt sie außer in Kassel in folgenden Städten: Hamburg, Lübeck, Hannover, Berlin, Bielefeld, Dorsten, Duisburg, Hagen, Düsseldorf, Mönchengladbach, Köln, Taunusstein, Wiesbaden, Heidelberg, Mannheim, Stuttgart, Augsburg und Murnau (im Telefonbuch/Gelbe Seiten unter „Druckkammerzentrum“).

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