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So bekämpfen Sie Migräne und beugen Anfällen gezielt vor

von Monika Murphy-Witt, Chefredakteurin von „Ganzheitlich leben“, dem Dienst für Gesundheit, Harmonie und Wohlbefinden für Körper, Geist und Seele

Migräne ist heimtückisch. Meist kommen die Anfälle ganz plötzlich – wenn Sie Pech haben gerade jetzt an den freien Tagen zum Jahreswechsel. Da heißt es: rechtzeitig vorbeugen. Hier die wichtigsten Tipps, um die Schmerzen im Notfall möglichst schnell und wirksam zu bekämpfen.

Migräne ist weit verbreitet

Rund 10 Prozent aller Bundesbürger leiden an Migräne; Frauen dreimal häufiger als Männer. Meist taucht das Gewitter im Kopf“ wie aus heiterem Himmel auf: heftige halbseitige, pochende und pulsierende Schmerzen, die sich bei Bewegung verschlimmern und oft mit Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit einhergehen. Bei 10 bis 15 Prozent aller Migräne-Patienten kündigt sich die Schmerzattacke durch eine Aura“ an, bei der Sehstörungen, Lichtblitze, vorübergehende Lähmungen und Sprachstörungen auftreten. Ist die Aura nach 30 bis 60 Minuten vorbei, beginnen die Kopfschmerzen. Schuld an Migräne sind zu rund 70 Prozent Erbfaktoren. Hervorgerufen werden die immer wiederkehrenden Anfälle durch eine vorübergehende Verengung der Gehirnarterien, die sich dann abrupt wieder weiten. Hinzu kommt eine angeborene Fehlregulation im Stoffwechsel des Gehirns: Dort schütten Nervenzellen zu viele Botenstoffe aus, die dann die Blutgefäße entzündlich verändern. Dadurch schwellen sie an, drücken auf Nerven und verursachen so Schmerzen.

Migräne: Handeln Sie im Ernstfall sofort, wenn die Schmerzen beginnen

Gefährlich wird es, wenn Sie total abgehetzt in Ruhephasen starten. Sobald der Stress nachlässt, verändern sich die Gefäße im Gehirn und es kann sich prompt eine „Wochenend-Migräne“ einstellen. Aber auch andere Auslöser („Trigger“) wie Alkohol oder bestimmte Nahrungsmittel führen häufig zu Migräneattacken. Wenn Sie merken, dass sich Schmerzen anbahnen oder Seh- oder andere Wahrnehmungsstörungen einen Anfall ankündigen, handeln Sie sofort.

5 wertvolle Tipps zur schnellen Schmerzbekämpfung bei Migräne

  1. Ergreifen Sie schnell Erste-Hilfe-Maßnahmen. Schnelle Hilfe bringen z. B. eine Tasse starker Kaffee mit dem Saft einer halben Zitrone, wenn Ihr Magen das verträgt, oder alternativ das homöopathische MittelCoffeaC200; ein Migränetee, den Sie zu gleichen Teilen aus Kümmel, Lavendel, Schafgarbe, Brennnessel und Weidenrinde (aus der Apotheke) mischen; übergießen Sie 1 TL dieser Mischung mit einer Tasse kochendem Wasser, lassen Sie den Tee 10 Minuten ziehen und trinken Sie ihn dann schluckweise; das Atmen in eine Tüte: Halten Sie sich dafür eine kleine Plastiktüte vor den Mund und atmen Sie mehrmals dort hinein ein und aus; diese „Rückatmung“ hilft vor allem bei stressbedingten Migräneattacken. Achtung: Hören Sie sofort auf, falls Ihnen schwindelig wird; Pfefferminzöl, das Sie auf die Schläfen reiben und mit den Fingerspitzen leicht einmassieren; Kopfmassagen mit Eiswürfeln oder ein warmes Körnerkissen im Nacken – je nachdem, was Ihnen angenehmer ist; Ruhe und Dunkelheit: Legen Sie sich in einem abgedunkelten Zimmer still hin.
  2. Akupressur: Drücken Sie die Schmerzen einfach weg. Versuchen Sie, Ihre Schmerzen per Fingerdruck zu lindern. Zur Akupressur bei akuten Beschwerden im Kopfbereich können Sie den „He Gu“-Punkt (Dickdarm 4) auf Ihrer Hand benutzen. Diese „Verbindung mit dem Tal“ oder „Talsenke“ liegt auf dem weichen Verbindungsstück zwischen Daumen und Zeigefinger genau in der Mitte. Drücken Sie diesen Akupressurpunkt an einer Hand 5 Minuten lang kräftig. Danach können Sie die Hand wechseln. Weitere Kopfschmerzpunkte, die Sie auch 5 Minuten drücken sollten, sind „Yin Tang“ genau in der Mitte zwischen den Augenbrauen auf dem „Dritten Auge“; darunter „Jingming“ (Blase 1) direkt an der Nasenwurzel und „Fengchi“ (Gallenblase 20), der am Haaransatz Ihres unteren Hinterkopfes liegt, wo der Hals in den Schädel übergeht.
  3. Arbeiten Sie mental gegen den Schmerz an. Versuchen Sie einmal, Ihre mentale Stärke zu nutzen, um die Beschwerden während einer Attacke zu lindern. Machen Sie sich dazu zuerst ein Bild von Ihrem Schmerz. Hat er eine bestimmte Farbe? Fällt Ihnen spontan ein Symbol dazu ein? Oder sogar ein ganzes Bild? Projizieren Sie Ihr Schmerzensbild so auf einen Bildschirm, den Sie vor Ihrem inneren Auge haben, dass es ihn ganz ausfüllt. Dann lassen Sie es wandern, immer weiter zum Rand des Bildschirms. Das Schmerzensbild wird kleiner und kleiner. Und auf dem frei werdenden Platz Ihres inneren Bildschirms blenden Sie ein Bild ein, das für Sie Schmerzensfreiheit, Gesundheit, Wohlbefinden symbolisiert, z. B. Sie beim Tanzen oder eine schöne Blume. Es wird immer größer und größer, bis es den ganzen inneren Bildschirm ausfüllt. Nehmen Sie es gut in sich auf, versuchen Sie körperlich zu spüren, wie angenehm sich dieses andere Bild anfühlt. Beeinträchtigt der Schmerz dieses neue Bild noch, oder ist er schon schwächer geworden? Zur Selbstkontrolle können Sie die Intensität Ihres Schmerzes vorher und nachher auf einer 10er-Skala einschätzen. Setzen Sie sich z. B. als Ziel Ich will nur noch Schmerzen mit einer Stärke von 2 und weniger spüren“.
  4. Haben Sie keine Scheu, Medikamente einzunehmen. Wenn Sie merken, dass Ihnen bei einem Anfall nichts anderes hilft, greifen Sie lieber gleich zu Tabletten, wenn die Schmerzen kommen. So können Sie die Schmerzentwicklung frühzeitig stoppen und brauchen letztendlich weniger Schmerzmittel, als wenn Sie mit der Einnahme zu lange warten. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt aufgrund neuer wissenschaftlicher Studien zur Selbstmedikation bei akuten Migräneattacken als wirksame Medikamente: Einzeldosis mit 1.000 mg Acetylsalicylsäure; Einzeldosis mit 400 mg Ibuprofen; Einzeldosis mit 1.000 mg Paracetamol; Einzeldosis der fixen Kombination aus 500 mg Acetylsalicylsäure + 500 mg Paracetamol + 130 mg Coffein (oder eine ähnliche Dosierung). Wichtig bei allen Kopfschmerz- und Migränepräparaten: Nehmen Sie sie nicht länger als 3 Tage hintereinander und nicht häufiger als 10 Tage pro Monat. Bei Übergebrauch besteht sonst die Gefahr, dass die Medikamente selbst chronische Kopfschmerzen (Analgetikakopfschmerz) verursachen!
  5. Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie Ihre Beschwerden nicht selbst in den Griff bekommen. Fast die Hälfte aller Migränepatienten sucht keine medizinische Hilfe, wie die größte internationale Untersuchung zum Thema Migräne, die MAZE Studie, gerade gezeigt hat. Leider. Denn so ist in schwereren Fällen kaum eine adäquate Therapie möglich. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) rät, unbedingt einen Arzt zu konsultieren, wenn die Beschwerden täglich oder fast täglich auftreten; mit anderen Symptomen wie Seh-, Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen oder starkem Schwindel, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses oder der Orientierung einhergehen; in ihrer Intensität und/oder Dauer anders sind, als Sie es bisher kennen; nicht mehr auf die bisher verwendeten Medikamente ansprechen und trotz Behandlung an Häufigkeit, Stärke und Dauer zunehmen.

Ein Arzt kann Ihnen dann stärkere Medikamente verordnen als die zur Selbstmedikation erhältlichen. Eine Wirkstoffgruppe, die speziell für die Migränetherapie entwickelt wurde, sind Triptane. Präparate aus dieser Gruppe werden bei akuten mittelschweren und schweren Attacken sehr erfolgreich eingesetzt, werden aber laut DMKG leider oft noch zu selten verschrieben. Fragen Sie Ihren Arzt danach.

So beugen Sie Migräneanfällen gezielt vor

Komplett heilen lässt sich Migräne allerdings nicht. Deshalb ist es umso entscheidender, Anfällen gezielt vorzubeugen. Wer bereits genau weiß, was bei ihm persönlich eine Schmerzattacke auslöst, kann diesem „Trigger“ (Auslöser) aus dem Weg gehen und sein Leben danach ausrichten. Es gibt aber auch einige allgemeine Prophylaxe-Regeln, die alle Migränepatienten beherzigen sollten:

  • Ändern Sie Ihren Schlafrhythmus nicht. Auch wenn die freien Tage zum Ausschlafen verleiten – behalten Sie Ihren gewohnten Schlaf-Wach-Rhythmus bei. Jede Abweichung davon kann unter Umständen einen Migräne-Anfall auslösen.
  • Schützen Sie Ihren Kopf vor starken Temperaturschwankungen. Ein Spaziergang zum Beispiel im Winter bei klirrender Kälte ist etwas Wunderbares. Doch ziehen Sie sich dabei unbedingt warm an. Vor allem Ihr Kopf sollte gut geschützt sein. Extreme Temperaturen und kalter Wind können sonst Migräne auslösen. Denn durch den Kältereiz ziehen sich die dünnen Muskeln auf der Schädeldecke krampfartig zusammen.
  • Vorsicht bei Natriumglutamat und Tyramin. Zu schnell können der fette Braten, Speisen mit dem Geschmacksverstärker Natriumglutamat oder tyraminhaltige Lebensmittel wie Schokolade, Käse, Avocados, Orangen, Bananen, Spinat oder Tomaten Schmerzen auslösen. Auch ein Glas Rotwein kann schon zu viel sein! Denn der trägt zur Freisetzung der Botenstoffe, die die Blutgefäße verändern, bei. Generell gilt natürlich: Vermeiden Sie beim Essen konsequent alles, von dem Sie bereits wissen, das es bei Ihnen einen Anfall verursacht.
  • Gönnen Sie sich Ruhe und Entspannung. Ganz wichtig ist ein gesunder Ausgleich zwischen Aktivität und Entspannung. Versuchen Sie deshalb, durch die gezielte Anwendung von Entspannungstechniken Ihren Stresspegel herunterzufahren. Bewährt zur Migräne-Prophylaxe hat sich vor allem die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Kurse dazu bieten viele Krankenkassen und Volkshochschulen an. Für Zuhause gibt es auch Kassetten und CDs. Mit etwas Übung gelingt Ihnen eine Schnellentspannung, mit der Sie sofort auf stressige Situationen reagieren können. Wenn Sie unter Migräne leiden, vermeiden Sie am besten alles, was Sie zu sehr aufregt, auch anstrengende Familientreffen, hitzige Diskussionen und aufreizende Fernsehsendungen. Eine Studie an der Universität Heidelberg hat gezeigt, dass Migräne, obwohl sie genetisch bedingt ist, oft als Schutzreaktion des Körpers vor Reizüberflutung und Überanstrengung auftritt. Lassen Sie sich also nicht erst durch einen Anfall zur nötigen Ruhe zwingen, sorgen Sie selbst dafür.
  • Setzen Sie sich regelmäßig in Bewegung. Ausdauersport wie Radfahren, Laufen, Schwimmen, Walken, Rudern oder Skilanglauf verringert die Häufigkeit von Migräneattacken und die Intensität der dabei auftretenden Schmerzen nachweislich. Außerdem erhöht er den Betaendorphin-Spiegel im Blut, einem körpereigenen „Schmerzmittel“. Am besten trainieren Sie dreimal wöchentlich 30 Minuten. Belasten Sie Ihren Körper dabei, aber überfordern Sie ihn nicht, sonst riskieren Sie dadurch einen Anfall.

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Alte Kommentare
  • Angelo schrieb am 07.09.2012, 22:50 Uhr

    Guten Abend, Dieser Beitrag ist nur für leichte Beschwerden richtig. Wer richtige Migräne hat, dem helfen solche gut gemeinten Tipps nicht. Ich selbst leide unter Migraine accompagnée, also an Migräne mit Aura. Manches mal habe ich eineinhalb Wochen einen Anfall nach dem anderen. Ich versuche diese netten Vorschläge in alle Richtungen zu beherzigen...aber es hilft gar nichts!!! Ich kenne genug Leute die noch viel viel mehr leiden als ich! Es ist komplett Lächerlich mit ein bisschen hier und da bekommt man das in den Griff! Alles was Sie hier empfehlen ist komplett lächerlich für jemanden der richtige Migräne hat! MFG