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Migräne: Woher kommt der ständige quälende Kopfschmerz?

Erbrechen, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und extrem starke Kopfschmerzen quälen Menschen mit Migräne: Mehrmals pro Monat erleben viele Menschen einen solchen Schub. Teilweise werden sie von ihrer Umwelt belächelt und wie Simulanten behandelt. Denn Migräne wird als chronische Erkrankung vielfach nicht ernst genommen und die Betroffenen erfahren keine sachgerechte, zielgerichtete Therapie.

Typische Symptome eines Migräneanfalls

Migräneanfällige Personen merken meist schon Stunden vorher, dass sich eine Attacke anbahnt. Die Vorboten reichen von erhöhter Aktivität bis hin zu Müdigkeit oder Heißhunger auf Süßes. Dann werden sie von anfallsartigen, starken, pochend-pulsierenden oder bohrenden, oft halbseitigen Kopfschmerzen gequält. Häufig treten sie in Begleitung von Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit (Aura) auf. Dabei handelt es sich um neurologische Reiz- und Ausfallerscheinungen, die in ihrer Heftigkeit und Fremdartigkeit die folgenden Kopfschmerzen und vegetativen Begleiterscheinungen der Migräne oftmals übertreffen.

Viele Migränepatienten, die zum ersten Mal eine Aura erleben, wissen nicht, was mit ihnen geschieht. Sie bekommen Angst, etwas ungeheuer Befremdliches ginge in ihnen vor. Solche Beschwerden können übrigens auch die einzigen Symptome eines Migräneanfalls sein. Ein solcher Kopfschmerzanfall kann vier bis 72 Stunden andauern. Die Anfallshäufigkeit variiert von wenigen pro Jahr bis zu fast täglichen Anfällen. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind von Migräne betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer.

Nahrungsmittel als Auslöser?

Die Geburt eines Kindes ist oft der Auslöser dieser Kopfschmerzen. Viele Frauen bekommen erst nach einer Schwangerschaft ihre ersten, heftigen Migräneanfälle, obwohl sie vorher noch nie darunter gelitten haben. Als Auslöser für einen Migräneanfall kommen neben hormonellen Einflüssen, psychischem und physischem Stress auch Ernährungsfaktoren in Frage.

Patientenberichte belegen, dass durch den Verzehr beispielsweise tyraminhaltiger Lebensmittel (z. B. Schokolade, Käse, Rotwein, Bananen, Zitrusfrüchte, Avocados, Tomaten, eingelegte Heringe) Migräneattacken ausgelöst werden können. Auch Natriumglutamat, Koffein und Nikotin sowie Kältereize können als Auslöser für einen Migräneanfall in Frage kommen. Lässt man diese Nahrungsmittel weg, kann man sicher den einen oder anderen Migräneanfall einsparen. Allerdings kann sich die Migräne bei vorhandener Anfallsbereitschaft tückischerweise an den nächstbesten Auslöser hängen. Trotzdem ist es einen Versuch wert, auf solche migränefördernden Lebensmittel zumindest eine Zeit lang zu verzichten. Auch Schwankungen des Hormonspiegels (während der Menstruation), Medikamente oder Alkohol können einen Migräneanfall auslösen. Zu den Risikofaktoren gehören außerdem veränderte Schlafgewohnheiten, Auslassen von Mahlzeiten oder grelles Licht.

So beugen Sie effektiv vor

Auf jeden Fall gilt es beim geringsten Vorboten eines Anfalls, rasch zu handeln und die Attacke möglichst im Keim zu ersticken. Sie sollten wissen, dass Migräne nicht heilbar ist, allerdings gibt es bei den verschiedenen Therapiemethoden eine Anzahl von Treffern bis hin zum völligen Stillstand. Ebenso kann es bei Frauen zum Beispiel in den Wechseljahren vorkommen, dass die Anfälle von heute auf morgen aufhören.

Versuchen Sie herauszufinden, ob es bei Ihnen bestimmte Auslöser für die Migräneanfälle gibt. Dabei kann unter Umständen das Führen eines Tagebuches sinnvoll sein. Gehen Sie solchen Auslösern möglichst aus dem Weg. Vermeiden Sie die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln. Auch durch zu viele Medikamente können Schmerzen ausgelöst werden. Versuchen Sie, Stress und Anspannung zu vermeiden. Sorgen Sie für Entspannung und regelmäßige körperliche Aktivitäten.

Wenn es Sie doch erwischt hat

Ruhen Sie sich in einem ruhigen abgedunkelten Raum aus. Bei leichten Migräneanfällen hilft das Auflegen einer kalten oder heißen Kompresse (je nachdem, was dem Einzelnen Erleichterung bringt) auf die Stirn. Das Einreiben der Stirn mit einem ätherischen Öl wie etwa Pfefferminzöl kann die Beschwerden lindern. In leichten Fällen helfen auch Arzneimittel gegen Übelkeit.

Wenn Sie unter schweren Migräneattacken leiden, sollten Sie stets die vom Arzt verordneten Medikamente bei sich tragen. Hüten Sie sich vor übermäßigem Lärm und starker Licht- oder Sonneneinwirkung.

Was ärztliche Hilfe bewirken kann

Der Arzt kann feststellen, ob es sich bei Ihnen um Migräne oder eine andere Form von Kopfschmerzen handelt. Durch geeignete Medikamente können die Beschwerden bei einem Migräneanfall gelindert werden. Wegen der Übelkeit sollten Sie Medikamente in Form von Zäpfchen einnehmen oder zunächst ein Mittel gegen die Übelkeit nehmen und dann etwa 20 Minuten später die Migränetablette(n). Schmerztherapeuten können mit Ihnen zusätzliche Maßnahmen wie Entspannungsübungen, Diäten, Psychotherapie oder Massage ausprobieren. Bei zu starken und langanhaltenden Schmerzen ist ein Klinikaufenthalt sinnvoll.

Auch bei einem akuten Anfall ist wichtig, dass Sie bewährte Mittel früh genug und in ausreichender Dosierung einnehmen. Seit einiger Zeit ist übrigens Aspirin von Bayer in einer speziellen Zubereitungsform gegen migränebedingte Kopfschmerzen in den Apotheken erhältlich. Es handelt sich um eine Brausetablette mit 500 Milligramm Acetylsalicylsäure und einem neuartigen Puffersystem, das günstig auf die Magenbeweglichkeit wirkt. Das neue Mittel ist das einzige Acetylsalicylsäurepräparat, das zur Therapie migränebedingter Kopfschmerzen zugelassen ist und eigens zur Migränetherapie entwickelt wurde.

„Impfung“ gegen Migräne

Bis heute wissen wir immer noch nicht, wie die Migränebeschwerden genau entstehen. Die Wissenschaftler sind sich jedoch sicher, dass Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn) daran beteiligt sind. Sie übertragen Signale von einer Nervenzelle zur anderen. Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) heißt einer dieser Botenstoffe. Forscher des Teva-Forschungszentrums in Frazer entwickelten gegen diesen Botenstoff Antikörper. Wie bei einer Impfung soll er so blockiert werden. Doch wie wirken die Antikörper? Das testeten die Forscher an fast 300 Menschen mit anfallsartiger Migräne sowie 265 Menschen mit chronischer Migräne. Drei Monate lang erhielt jeweils ein Drittel der Teilnehmer einmal im Monat ausreichend Antikörper gespritzt, um CGRP zu hemmen. Ein zweites Drittel erhielt eine etwas höhere Dosis und die anderen bekamen einen Placebo.

Es zeigte sich, dass bei den Personen mit episodischer Migräne bei 53 Prozent die Schmerzen mit niedriger und bei 59 Prozent mit hoher Dosis um rund die Hälfte reduziert wurden. In der Placebo-Gruppe gelang dies nur bei 28 Prozent. Bei denen mit chronischer Migräne wurden die Anfälle bei 53 bzw. 55 Prozent der Teilnehmer reduziert. Das gelang bei 31 Prozent aus der Placebogruppe. Nebenwirkungen gab es kaum, es klagten lediglich einige Patienten über Jucken an der Einstichstelle. Die Forscher vermuten, dass nur knapp über die Hälfte der Teilnehmer auf die Antikörper ansprechen, weil nicht bei jedem CGRP in gleicher Weise an der Migräneentstehung beteiligt ist. Hier muss noch weitere Forschungsarbeit geleistet werden.

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