Migräne: So stoppen Sie das Gewitter im Kopf
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Während einer Attacke fühlen sich die Betroffenen wie von einer Eisenstange durchbohrt. Trotz dieser unerträglichen Schmerzen gehen viele Patienten nicht zum Arzt – vielleicht auch, weil er ihnen bisher nicht helfen konnte. Denn Experten schätzen, dass nur jeder zweite Migräne-Patient auch tatsächlich richtig behandelt wird. Dabei gibt es gut wirksame Mittel – sowohl aus der Schulmedizin als auch sanfte Heilpflanzen oder Vitalstoffe.
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Kopfschmerzspezialisten sind entsetzt darüber, wie schlecht die Versorgung von Migränekranken in Europa ist. Nur jeder dritte Patient ist derzeit in ärztlicher Behandlung, und von denen, die einen Arzt aufsuchen, wird auch nur die Hälfte richtig behandelt.
Zwölf Experten haben deshalb im Juni 2005 in Rom eine Deklaration verabschiedet, in der sie die Ärzte unter anderem zu mehr Fortbildung aufrufen. So sollen in 10 Jahren zumindest 70 % der Migränekranken richtig behandelt werden. Hoffentlich wird zumindest dieses – doch relativ bescheidene – Minimalziel erreicht. Den leidenden Patienten ist es jedenfalls von ganzen Herzen zu wünschen.
Typische Anzeichen kündigen eine Migräne an
In Deutschland leiden 14 % aller Frauen und etwa 7 % aller Männer zumindest gelegentlich an Migräne. Ein Anfall kann Stunden oder auch ganze Tage dauern. Wenn die Schmerzen kürzer oder länger anhalten, leiden Sie wahrscheinlich unter einer anderen Art des Kopfschmerzes.
Mögliche Vorboten einer Migräneattacke sind:
- depressive Verstimmungen (schon am Tag vor dem Anfall)
- Heißhunger
- häufiges Gähnen
- Flimmern und Lichtblitze in den Augen („Aura“)
- Kribbeln, Taubheitsgefühl, vorübergehende Lähmungen (z. B. an Händen und Armen)
- Sprachstörungen
Viele Patienten müssen sich während des Anfalls erbrechen. Hinterher fühlen sie sich dann müde, abgeschlagen und empfindlich; manchmal tritt auch ein Muskelkater auf.
Versuchen Sie, den Auslöser zu identifizieren
Bei der Migräne gibt es typische auslösende Faktoren, aber: Kein Auslöser führt mit Sicherheit zu einem Migräneanfall. So kann ein schnell getrunkenes Glas Rotwein nach einem stressreichen Tag eine Migräneattacke auslösen, während es an einem entspannten Urlaubstag keine nachteilige Wirkung hat.
Die häufigsten Migräne-Auslöser sind:
- Nahrungsmittel (Käse, Schoko lade, Zitrusfrüchte)
- Rotwein
- zu- oder abnehmende Anspannung
- Ermüdung, Stress
- Wetterwechsel
- Hormonschwankungen während des weiblichen Zyklus
Sie sollten versuchen, die Auslöser Ihrer Migräneanfälle zu identifizieren. Dazu führen Sie am besten ein Kopfschmerztagebuch, in das Sie Datum und die möglichen Auslöser eintragen. So lassen sich z. B. bestimmte Speisen oder Getränke mit den Attacken in Verbindung bringen.
Akute Schmerzen: Kaffee mit Zitrone hilft
In leichteren Fällen können Sie bei Migräne auf bewährte Hausmittel zurückgreifen. Ein Geheimtipp ist beispielsweise Kaffee mit Zitrone. Das Koffein erhöht die Durchblutung des Gehirns, und Vitamin C aus der Zitrone begünstigt die Bildung von Noradrenalin, das den Kopfschmerz dämpft. Wichtig ist, dass der Kaffee wirklich stark ist und dass Sie den Saft von mindestens einer halben Zitrone verwenden.
Linderung kann Ihnen auch Pfefferminzöl oder Tigerbalsam bringen, das Sie auf Schläfen oder Nacken verreiben. Aber Vorsicht: Reiben Sie sich diese reizenden Essenzen nicht versehentlich in die Augen! Ebenfalls eine schnelle Hilfe erreichen Sie mit einer sanften Akupressur-Massage der Punkte Taiyang (an den Schläfen) und Yingtang (genau zwischen den Augenbrauen).
In schweren Fällen sollten Sie sich jedoch auf jeden Fall in ärztliche Behandlung begeben. Gegen die akuten Attacken stehen heute sehr effektive und in der Regel auch verträgliche Wirkstoffe zur Verfügung: die Triptane (z. B. Naratriptan, Zolmitriptan). Diese Mittel können jedoch die Blutgefäße verengen. Patienten mit hohem Blutdruck, Schlaganfall oder Herzkrankheiten dürfen sie daher nicht einnehmen. Sie wirken nur gegen die akuten Schmerzen – eine Dauereinnahme zur Vorbeugung ist daher absolut nutzlos.
Langfristige Vorbeugung: Weniger Migräne durch Magnesium
Wenn Sie unter sehr starken und regelmäßig wiederkehrenden Attacken leiden, sollten Sie mit Ihrem Arzt auch über eine langfristige Therapie sprechen. Hier geht es nicht darum, die Symptome der Migräne zu lindern, sondern insgesamt die Bereitschaft des Körpers für die Migräne-Attacken zu senken. Das ist z. B. mit Beta-Blockern und Kalziumantagonisten möglich. Doch diese schulmedizinischen Mittel sind mit zahlreichen Nebenwirkungen behaftet. Sie sollten sie nur dann einsetzen, wenn wirklich nichts anderes mehr hilft.
| An welcher Kopfschmerz-Art leiden Sie? | ||||
|---|---|---|---|---|
| Spannungskopfschmerz | Migräne | Medikamentenkopf-schmerz | Clusterkopf-schmerz | |
Wie oft Kopfschmerzen? | 1x - 2x pro Woche bis zu täglich | 1x - 2x pro Monat, manchmal häufiger | kaum noch schmerzfreie Tage | täglich, manchmal bis zu 5x |
| Wie lange Schmerzen? | stunden- bis tagelang | 4 Stunden bis 3 Tage | 15 Minuten bis 3 Stunden | |
| Wo treten die Schmerzen auf? | im gesamten Kopfbereich | oft einseitig, Bereich Schläfe, Augen, Nacken | ein- oder beidseitig am Kopf | immer einseitig |
| Wie ist die Art der Schmerzen? | wie ein Band, das sich um den Kopf schnürt | pulsierend, pochend | dumpf und hämmernd | pulsierend, stechend |
| Wie stark sind die Schmezen? | leicht bis mit-telgradig | sehr schmerzhaft | leicht bis mittelgradig | fast unerträglich |
Diese natürlichen Möglichkeiten zur Langzeit-Vorbeugung gibt es:
- Ausdauersportarten( z. B. Joggen, Walken, Schwimmen, Radfahren; mindestens 2 bis 3 Stunden pro Woche)
- Entspannungsverfahren (z. B. Yoga, progressive Muskelentspannung, Meditation, Biofeedback)
- Akupunktur
- Vitalstoffe (z. B. Magnesium und B-Vitamine)
Zu allen diesen Verfahren finden Sie Hinweise in unserem Jahresindex. Die Wirkung des Pestwurz-Extrakts (Petadolex®, aus der Apotheke, Monatsbedarf ca. 30 €) haben wir Ihnen z. B. in Länger und gesünder leben Nr. 4/01 vorgestellt. Allerdings häufen sich in letzter Zeit Berichte über Leberschäden nach dauerhafter Einnahme. In der Schweiz wurde der Pflanzenextrakt im Jahr 2004 vom Markt genommen. Vorsichtshalber sollten Sie Petadolex® daher nur unter ärztlicher Kontrolle einnehmen.
Selbsthilfe: So lindern Sie Migräne durch Akupressur
- Legen Sie Zeige- und Mittelfinger in die kleinen Vertiefungen der Schläfen („Taiyang“-Punkte).
- Üben Sie etwas Druck aus (kleine Kreisbewegungen).
- Nach einigen Sekunden beenden Sie die Bewegungen und drücken nur noch die Finger sanft in die Vertiefungen. Zählen Sie dabei bis sechs.
- Dann lassen Sie die Finger einfach leicht aufliegen. Zählen Sie bis sechs.
- Anschließend drücken Sie wieder fester und zählen bis sechs. Das Ganze wiederholen Sie dreimal.
- Einen ähnlich guten Effekt gegen Migräne hat die Behandlung des Punktes „Yingtang“, den Sie in der kleinen Vertiefung genau zwischen den Augenbrauen finden.
Auf jeden Fall unproblematisch ist eine Vorbeugung mit Magnesium. Dieser Mineralstoff hemmt die Übererregung von Nerven. Mediziner des Klinikums München-Harlaching haben im Jahr 1996 81 Migräne-Patienten mit 600 mg Magnesium täglich oder einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt. Nach 12 Wochen war die Anfallshäufigkeit mit Magnesium um fast 42 % gesunken. In der Placebo-Gruppe ging sie nur um 16 % zurück.
Ergänzen sollten Sie als Migräne-Patient die Therapie mit einem Vitamin-B-Präparat, das alle B-Vitamine in einer Kombination enthält (z. B. aus dem Supermarkt). Auch Fischölkapseln (2 g täglich) senken langfristig die Neigung zu Migräne-Attacken.
Diese Vitalstoffe sind keine Medikamente. Erwarten Sie also keine Wirkung gegen akute Schmerzen. Aber wenn Sie sie konsequent über einen längeren Zeitraum einnehmen, werden Sie zukünftig deutlich weniger unter dem „Gewitter im Kopf“ zu leiden haben.