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Möglichkeiten bei Migräne: So stoppen das Gewitter im Kopf

Während einer Migräneattacke fühlen sich die Betroffenen wie von einer Eisenstange durchbohrt. Trotz dieser unerträglichen Schmerzen gehen viele Patienten nicht zum Arzt – vielleicht auch, weil er ihnen bisher nicht helfen konnte.

Denn Experten schätzen, dass nur jeder zweite Migränepatient auch tatsächlich richtig behandelt wird.

Dabei gibt es gut wirksame Mittel sowohl aus der Schulmedizin als auch sanfte Heilpflanzen oder Vitalstoffe.

Kopfschmerzspezialisten sind entsetzt darüber, wie schlecht die Versorgung von Migränekranken in Europa ist. Nur jeder dritte Patient ist derzeit in ärztlicher Behandlung und von denen, die einen Arzt aufsuchen, wird auch nur die Hälfte richtig behandelt.

Junger Mann mit Migräneanfall© Fotowerk - Fotolia

Typische Anzeichen kündigen eine Migräne an

In Deutschland leiden 14 Prozent aller Frauen und etwa 7 Prozent aller Männer zumindest gelegentlich an Migräne. Ein Anfall kann Stunden oder auch ganze Tage dauern.

Wenn die Schmerzen kürzer oder länger anhalten, leiden Sie wahrscheinlich unter einer anderen Art des Kopfschmerzes.

Mögliche Vorboten einer Migräneattacke:

  • depressive Verstimmungen (schon am Tag vor dem Anfall)
  • Heißhunger
  • häufiges Gähnen
  • Flimmern und Lichtblitze in den Augen („Aura“)
  • Kribbeln, Taubheitsgefühl, vorübergehende Lähmungen (z. B. an Händen und Armen)
  • Sprachstörungen

Viele Patienten müssen sich während des Anfalls erbrechen. Hinterher fühlen sie sich dann müde, abgeschlagen und empfindlich; manchmal tritt auch ein Muskelkater auf.

Versuchen Sie, den Auslöser zu identifizieren

Bei der Migräne gibt es typische auslösende Faktoren, aber kein Auslöser führt mit Sicherheit zu einem Migräneanfall.

So kann ein schnell getrunkenes Glas Rotwein nach einem stressreichen Tag eine Migräneattacke auslösen, während es an einem entspannten Urlaubstag keine nachteilige Wirkung hat.

Die häufigsten Migräneauslöser:

  • Nahrungsmittel (Käse, Schokolade, Zitrusfrüchte)
  • Rotwein
  • zu- oder abnehmende Anspannung
  • Ermüdung, Stress
  • Wetterwechsel
  • Hormonschwankungen während des weiblichen Zyklus

Sie sollten versuchen, die Auslöser Ihrer Migräneanfälle zu identifizieren. Dazu führen Sie am besten ein Kopfschmerztagebuch, in das Sie Datum und die möglichen Auslöser eintragen.

So lassen sich beispielsweise bestimmte Speisen oder Getränke mit den Attacken in Verbindung bringen.

Akute Schmerzen: Kaffee mit Zitrone hilft

In leichteren Fällen können Sie bei Migräne auf bewährte Hausmittel zurückgreifen. Ein Geheimtipp ist beispielsweise Kaffee mit Zitrone.

Das Koffein erhöht die Durchblutung des Gehirns und Vitamin C aus der Zitrone begünstigt die Bildung von Noradrenalin, das den Kopfschmerz dämpft. Wichtig ist, dass der Kaffee wirklich stark ist und dass Sie den Saft von mindestens einer halben Zitrone verwenden.

Linderung kann Ihnen auch Pfefferminzöl oder Tigerbalsam bringen, das Sie auf Schläfen oder Nacken verreiben.

Aber Vorsicht: Reiben Sie sich diese reizenden Essenzen nicht versehentlich in die Augen. Ebenfalls eine schnelle Hilfe erreichen Sie mit einer sanften Akupressur der Punkte Taiyang (an den Schläfen) und Yingtang (genau zwischen den Augenbrauen).

In schweren Fällen sollten Sie sich jedoch auf jeden Fall in ärztliche Behandlung begeben.

Gegen die akuten Attacken stehen heute sehr effektive und in der Regel auch verträgliche Wirkstoffe zur Verfügung: die Triptane (z. B. Naratriptan, Zolmitriptan). Diese Mittel können jedoch die Blutgefäße verengen.

Patienten mit hohem Blutdruck, Schlaganfall oder Herzkrankheiten dürfen sie daher nicht einnehmen. Sie wirken nur gegen die akuten Schmerzen; eine Dauereinnahme zur Vorbeugung ist daher absolut nutzlos.

Langfristige Migränetherapie

Wenn Sie unter sehr starken und regelmäßig wiederkehrenden Attacken leiden, sollten Sie mit Ihrem Arzt auch über eine langfristige Therapie sprechen.

Hier geht es nicht darum, die Symptome der Migräne zu lindern, sondern insgesamt die Bereitschaft des Körpers für die Migräneattacken zu senken.

Das ist beispielsweise mit Beta-Blockern und Kalziumantagonisten möglich. Doch diese schulmedizinischen Mittel sind mit zahlreichen Nebenwirkungen behaftet. Sie sollten sie nur dann einsetzen, wenn wirklich nichts anderes mehr hilft.

An welcher Kopfschmerz-Art leiden Sie?
SpannungskopfschmerzMigräneMedikamentenkopf-schmerzClusterkopf-schmerz
Wie oft Kopfschmerzen?1x – 2x pro Woche bis zu täglich1x – 2x pro Monat, manchmal häufigerkaum noch schmerzfreie Tagetäglich, manchmal bis zu 5x
Wie lange Schmerzen?stunden- bis tagelang4 Stunden bis 3 Tage15 Minuten bis 3 Stunden
Wo treten die Schmerzen auf?im gesamten Kopfbereichoft einseitig, Bereich Schläfe, Augen, Nackenein- oder beidseitig am Kopfimmer einseitig
Wie ist die Art der Schmerzen?wie ein Band, das sich um den Kopf schnürtpulsierend, pochenddumpf und hämmerndpulsierend, stechend
Wie stark sind die Schmezen?leicht bis mit-telgradigsehr schmerzhaftleicht bis mittelgradigfast unerträglich

Natürliche Möglichkeiten zur Langzeitvorbeugung:

  • Ausdauersportarten (z. B. Joggen, Walken, Schwimmen, Radfahren; mindestens zwei bis drei Stunden pro Woche)
  • Entspannungsverfahren (z. B. Yoga, progressive Muskelentspannung, Meditation, Biofeedback)
  • Akupunktur
  • Vitalstoffe (z. B. Magnesium und B-Vitamine)

Selbsthilfe: So lindern Sie Migräne durch Akupressur

  • Legen Sie Zeige- und Mittelfinger in die kleinen Vertiefungen der Schläfen („Taiyang“-Punkte).
  • Üben Sie etwas Druck aus (kleine Kreisbewegungen).
  • Nach einigen Sekunden beenden Sie die Bewegungen und drücken nur noch die Finger sanft in die Vertiefungen. Zählen Sie dabei bis sechs.
  • Dann lassen Sie die Finger einfach leicht aufliegen. Zählen Sie bis sechs.
  • Anschließend drücken Sie wieder fester und zählen bis sechs. Das Ganze wiederholen Sie dreimal.
  • Einen ähnlich guten Effekt gegen Migräne hat die Behandlung des Punktes „Yingtang“, den Sie in der kleinen Vertiefung genau zwischen den Augenbrauen finden.

Magnesium hilft gegen das Gewitter im Kopf

Wissenschaftler vermuten, dass Ihre Magnesiumversorgung mit dem Auftreten von Migräneattacken im Zusammenhang steht. Wissenschaftliche Studien zeigen: Migränepatienten haben einen erniedrigten Magnesiumgehalt in Serum, Speichel und Blutzellen.

Je niedriger die Magnesiumblutspiegel bei Migränepatienten sind, desto häufiger ist mit Attacken zu rechnen.

Wissenschaftler bringen Magnesiummangel unter anderem mit einer Gefäßverengung im Gehirn und einer erhöhten Empfindlichkeit der Nervenzellen auf Botenstoffe wie Serotonin in Verbindung.

Magnesium hemmt die Übererregung von Nerven. Mediziner des Klinikums München-Harlaching haben im Jahr 1996 81 Migräne-Patienten mit 600 mg Magnesium täglich oder einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt.

Nach zwölf Wochen war die Anfallshäufigkeit mit Magnesium um fast 42 Prozent gesunken. In der Placebogruppe ging sie nur um 16 Prozent zurück.

Wenn Sie unter Migräne leiden, kann es also hilfreich sein, auf eine gute Magnesium-Versorgung zu achten.

Vermeiden Sie Stressbelastungen

Stress raubt Ihnen nicht nur die Nerven, sondern Ihrem Körper auch das wertvolle Magnesium: Ihr Körper verliert unter Stressbelastungen vermehrt Magnesium über den Urin.

Dies spielt für Sie als Migränepatient eine doppelte Rolle. Denn Stress kann einerseits selbst ein Auslöser Ihrer Attacken sein, andererseits erhöht ein schlechter Magnesiumstatus Ihr Anfallsrisiko.

So einfach verbessern Sie Ihre Magnesiumversorgung

Ihr täglicher Magnesiumbedarf liegt bei 300 bis 400 mg. Einfaches Wassertrinken ist eine einfache Möglichkeit, mit der Sie Ihre Magnesiumzufuhr bereits gezielt verbessern können.

Wählen Sie dazu ein Mineralwasser mit mindestens 100 mg Magnesium pro Liter. Auch mit kleinen Veränderungen auf Ihrem Speiseplan können Sie Ihre Magnesiumversorgung bereits verbessern:

  • Ersetzen Sie Weißmehl- durch Vollkornprodukte.
  • Grüne Bohnen, Grünkohl, Spinat, Naturreis und Kartoffeln sind eine gute Magnesiumquelle.
  • Essen Sie täglich fettarme Milchprodukte.
  • Bauen Sie Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Erbsen) in Ihren Speiseplan ein.
  • Gönnen Sie Ihrem Körper öfter mal Kürbiskerne, Leinsamen oder Sesamsamen.
  • Verzichten Sie auf Alkohol, der nicht nur die Magnesiumaufnahme behindert, sondern auch und die Ausscheidung von Magnesium über den Harn fördert.

Weitere hilfreiche Vitalstoffe

Ergänzen sollten Sie als Migränepatient die Therapie mit einem Vitamin-B-Präparat, das alle B-Vitamine in einer Kombination enthält (z. B. aus dem Supermarkt). Auch Fischölkapseln (2 g täglich) senken langfristig die Neigung zu Migräneattacken.

Diese Vitalstoffe sind keine Medikamente. Erwarten Sie also keine Wirkung gegen akute Schmerzen.

Aber wenn Sie sie konsequent über einen längeren Zeitraum einnehmen, werden Sie zukünftig deutlich weniger unter dem „Gewitter im Kopf“ zu leiden haben.

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