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Acetylsalicylsäure

Kopfschmerzen, Fieber und schmerzende Gelenke gehören zu den Problemen, bei denen Mediziner Acetylsalicylsäure zur Behandlung einsetzen. Schmerzen weisen auf körperliche Störungen, Verletzungen, Fehlhaltungen, Verspannungen oder seelische Belastungen hin. Daher ist es nicht sinnvoll, Schmerzen auf eigene Faust medikamentös zu unterdrücken. Es gilt, die Ursache ärztlich abklären zu lassen und zu beseitigen.

Schmerzmittel helfen, den Teufelskreis von Verspannungen, Schmerzen und neuen Verspannungen zu durchbrechen. Sie erleichtern die Durchführung wichtiger Bewegungsübungen und verhindern eine unerträgliche Belastung durch Dauerschmerzen. Für den altbewährten Wirkstoff Acetylsalicylsäure (abgekürzt ASS, z. B. Aspirin® und zahlreiche Generika wie ASS Ratiopharm®) entdeckten Forscher zahlreiche weitere Anwendungsmöglichkeiten.

Neue Anwendungen für alt bekanntes Medikament

ASS trägt dazu bei, einem Herzanfall oder Schlaganfall vorzubeugen. Es soll darüber hinaus das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen reduzieren. Wissenschaftler fanden heraus, dass ASS ebenso wirksam im Vorbeugen einiger Krankheiten ist wie in der Schmerzbekämpfung und Fiebersenkung. Sollten Sie deshalb täglich ASS einnehmen? Die Antwort darauf ist nicht einfach.

ASS hat eine so genannte thrombozytenaggregationshemmende Wirkung. Thrombozyten (auch Blutplättchen genannt) sind im Knochmark gebildete Zellen, die sich nach einer Verletzung an der Gefäßwand zusammenballen, die Blutgerinnung einleiten und so die Blutung stoppen.

Die Blutgerinnung wird reduziert

Durch die hemmende Wirkung auf die Aneinanderlagerung von Thrombozyten kann ASS verhindern, dass sich gefährliche Blutgerinnsel (Thromben) bilden. Dies reduziert das Risiko für einen akuten Herzinfarkt oder Schlaganfall. Solche Ereignisse treten auf, wenn der Blutfluss zum Gehirn oder zum Herz in den Arterien durch Thromben an einer Stelle blockiert ist. Die Physicians’ Health Study ist eine amerikanische Studie aus dem Jahr 1989, an der über 22.000 Ärzte teilgenommen hatten. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von ASS alle zwei Tage das Risiko von Herzinfarkten um 44% reduziert.

Andere Studien fanden heraus, dass die regelmäßige Einnahme von ASS bei Patienten mit Herzgefäßerkrankungen Herzinfarkten wirksam vorbeugt. Dies gilt ebenso für Patienten mit instabiler Angina pectoris (bei leichter körperlicher Belastung oder auch in Ruhe auftretende Schmerzen) und für Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten. Darüber hinaus wiesen Forscher nach, dass ASS zu einer Reduktion des Schlaganfall-Riskos beiträgt. Dies trifft bei Menschen zu, die eine transitorisch-ischämische Attacke (TIA; Schwäche, Taubheitsgefühl, Verlust des Koordinationsvermögens) erlitten haben sowie bei Menschen, die bereits einen Schlaganfall hatten.

Schutz vor Krebs

Eine Studie aus dem Jahr 1995 kam zu dem Ergebnis, dass Menschen, die regelmäßig ASS einnehmen, mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit Darmkrebs entwickeln. Seitdem erfuhr man von anderen Studien, in denen ASS auch gegenüber anderen Krebserkrankungen eine vorbeugende Wirkung hat.

Wissenschaftler finden ständig neue Seiten der Wirkung dieser bekanten Tablette heraus. Aber bevor Sie regelmäßig ASS einnehmen, sollten Sie Ihren Arzt fragen. Obwohl viele denken, dass ASS als harmloses Mittel in jedem Haushalt bereitsteht, ist es ein sehr wirksames Medikament mit Nebenwirkungen. Nicht jeder Mensch kann ASS ohne Gefahr einnehmen. Je nach speziellem Gesundheitsproblem wird der Arzt entscheiden, ob der Nutzen von ASS seine Risiken aufwiegt.

Die Wirkungen der ASS

Der Inhaltsstoff von Aspirin und seinen zahlreichen Generika ist die Acetylsalicylsäure (ASS), deren natürliche Vorstufe Salicylsäure in der Rinde des Weidenbaumes vorkommt. Sowohl die Weidenrinde als auch die chemische ASS wirken schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. In den letzten Jahren wiesen Wissenschaftler eine zusätzliche günstige Wirkung von ASS nachweisen: es hemmt die Blutgerinnung.

Wenn man wegen einer Verletzung blutet, reichern sich an der verletzten Stelle Blutplättchen an. Diese Zellen bilden einen gut haftenden Pfropf, der das eröffnete Blutgefäß verschließt. ASS verringert nun die Blutgerinnung durch eine Hemmung der Blutplättchenaktivität. Hierdurch hemmt oder verringert ASS die Bildung von Blutgerinnseln in durch Atherosklerose verengten Arterien.

Neue Aspekte für den Einsatz von ASS

Aufgrund ihrer gerinnungshemmenden Eigenschaft verschreiben Ärzte ASS, um das wiederholte Auftreten von Blutgerinnseln (z.B. bei Atherosklerose) zu verhindern. Eine Studie zeigte, dass ASS die Gefahr, nach einem ersten Herzinfarkt einen zweiten zu erleiden, um mehr als 30% senkt.

ASS vermindert die Komplikationsraten nach einem durchgemachtem Schlaganfall, nach vorübergehender Hirndurchblutungsstörung (Warnsignal eines Schlaganfalls), bei Patienten mit instabiler Angina pectoris sowie nach einem Herzinfarkt. Nach einer Bypass-Operation oder Ballon-Erweiterung der Koronargefäße sowie nach der Endarteriektomie vermindert ASS das Risiko eines Herzinfarktes und eines erneuten Gefäßverschlusses.

Die Geschichte der Acetylsalicylsäure

In der Antike nutzten die Ärzte Weidenrinde zur Schmerzlinderung. Die Ägypter legten Blätter und Rinde des Weidenstrauches auf schmerzende Körperstellen. Die Römer und Griechen verwendeten einen Sud aus Blättern und Rinde der Silberweide (Salix alba). Im Mittelalter geriet das Wissen um die schmerzlindernde Wirkung der Weidenrinde in Vergessenheit. Stattdessen importierte man Chinarinde, die Fieber senkt. Doch als Napoleon 1806 mit der Kontinentalsperre die Einfuhr der exotischen Chinarinde blockierte, kam es zur Rückbesinnung auf das einheimische Mittel.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts bemühten sich viele Forscher, die wirksame Substanz der Weidenrinde im Labor nachzubauen. In München extrahierte Professor Johann Andreas Buchner eine gelbliche Masse aus Weidenrinde und nannte sie Salizin. Der Italiener Raffaele Piria veredelte die Substanz zur Salizylsäure. Als es dem Marburger Professor Kolbe gelang, Salizylsäure künstlich herzustellen, war der Grundstein zur industriellen Produktion gelegt. Sie begann 1874.

Aspirin®

Salizylsäure schmeckt bitter, verursacht Übelkeit und Brechreiz, reizt die Schleimhäute von Mund, Rachen und Magen und führt sogar zu Blutungen. Deswegen experimentierte der Chemiker Felix Hoffmann, dessen Vater an rheumatischem Fieber litt, bis er eine verträglichere Variante fand. 1899 ließ sich die deutsche Firma Bayer die Substanz unter dem Warenzeichen Aspirin® patentieren. Das neue Mittel half bei allgemeinen und rheumatischen Schmerzen, Abszessen und fieberhaften, infektiösen Erkrankungen.

ASS schützt Frauenhirne und Männerherzen

Die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure schützt Frauen unter 65 Jahren vor Schlaganfällen, jedoch kaum vor Herzinfarkten. Zu diesen Ergebnissen kam die Women’s Health Study der Harvard-Universität in Boston, die das New England Journal of Medicine 2005 veröffentlichte. Dr. Julie Burning wertete die Daten von 40.000 gesunden Frauen im Alter zwischen 45 und 55 Jahren aus. Von ihnen hatte die Hälfte zehn Jahre lang täglich 100 mg ASS, die andere Hälfte ein Placebo eingenommen. Im Gegensatz zur Kontrollgruppe sank in der ASS-Gruppe das Risiko für einen Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel um 24%.

In vergleichbaren Studien senkte die Dosis vom 325 mg ASS bei Männern ab 40 Jahren das Risiko für Herzkrankheiten (inklusive Herzinfarkt) um 44%. Das Schlaganfallrisiko verringerte sich nicht. Dennoch sei die Einnahme von ASS wegen seiner gerinnungshemmenden Wirkung ein zweischneidiges Schwert, warnte Dr. Burning. Sie empfiehlt die tägliche Dosis von 100 mg ASS Frauen und Männern, die aufgrund von Bluthochdruck, familiärer Vorbelastung, Diabetes, Übergewicht oder Rauchen ein erhöhtes Schlaganfall- bzw. Herzinfarktrisiko besitzen.

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