MenüMenü

Erfahren sie alles zum Karpaltunnelsyndrom

In den letzten Monaten mussten Sie morgens beim Aufwachen buchstäblich Ihre Hand aufwecken. Erst nach kräftigem Schütteln verlor sich das Kribbeln und das Gefühl der Taubheit.

Mittlerweile schlafen Ihnen die Hände tagsüber ein: Beispielsweise wenn Sie morgens die Zeitung halten oder beim Autofahren.

Können die Beschwerden durch ein Karpaltunnelsyndrom verursacht sein? Ein Karpaltunnelsyndrom tritt auf, wenn der große Nerv (Nervus medianus, Mittelnerv) gequetscht wird, der durch das Handgelenk in die Hand verläuft.

In der Regel schafft Ihr Arzt durch eine geeignete Behandlung Erleichterung. Die meisten Patienten setzen später das betroffene Handgelenk oder die Hand wieder voll ein.

Ein verengter Tunnel als Ursache

Das Handgelenk besteht aus acht Knochen, den Handwurzelknochen. Sie bilden zusammen den Boden und die Seiten eines engen Kanals. Durch diesen Kanal verlaufen die neun Sehnen der Fingerbeuger, die die Bewegungen der Finger kontrollieren.

Sie umgibt die Gelenkinnenhaut. Diese produziert eine Flüssigkeit, die die Sehnen gleiten lässt. Der Mittelnerv, einer der Hauptnerven zur Versorgung der Hand, verläuft ebenfalls durch diesen Kanal.

Quer über den Kanal zieht sich dachförmig ein dickes Bindegewebsband, das den Namen Retinaculum flexorum trägt.

Durch Belastungen schwillt die Gelenkinnenhaut an

Im Lauf der Zeit verdickt durch eine zu starke Belastung des Handgelenks oder bestimmte Erkrankungen die Sehnen umgebende Gelenkinnenhaut oder sie schwillt an. Der Druck im Karpaltunnel steigt an und führt dazu, dass der Mittelnerv komprimiert wird.

Dies führt unter Umständen zu Schmerzen, Gefühlsstörung und Kraftverminderung. Die daraus resultierende Erkrankung ist das Karpaltunnelsyndrom.

Direkte Symptome des Karpaltunnelsyndroms

Ein Karpaltunnelsyndrom beginnt in der Regel allmählich. Folgende Symptome können auftreten:

  • aufkommendes Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Brennen in der Hand oder in den Fingern, allerdings nicht im kleinen Finger, während des Schlafens oder bei alltäglichen Aktivitäten wie Autofahren, Zeitunglesen oder Telefonieren
  • Taubheitsgefühl, Brennen oder Kribbeln, welches vom Handgelenk bis in die Schultern zieht

Wenn kein Kribbeln auftritt, sind die Symptome im fortgeschrittenen Stadium:

  • Schwächegefühl in der Hand
  • kein Gefühl im Daumen, Zeige- und Mittelfinger und in der Hälfte des Ringfingers
  • Muskelschmälerung oder -schwund an der Daumenbasis

Bleibt ein Karpaltunnelsyndrom unbehandelt, führt es zu einer möglicherweise irreversiblen Nerven- und Muskelschädigung.

KTS-Diagnose

Zuverlässig feststellen kann der Neurologe das KTS durch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Ist der Nerv gequetscht, ist die Geschwindigkeit verständlicherweise langsamer.

Diese Untersuchung führt der Neurologe durch, sie ist nicht ganz angenehm: Ähnlich wie bei der Akupunktur werden kleine dünne Nadeln an verschiedenen Punkten des Nervenverlaufes durch die Haut gestochen und die Leitgeschwindigkeit für einen elektrischen Strom gemessen.

Das klingt gefährlich, ist es aber nicht! Für die Entscheidung, was weiter zu geschehen hat, ist diese Messung unentbehrlich.

Klinische Tests sind hilfreich, aber zu ungenau. Hier gibt es verschiedene „Haltetests“ der Arme und Hände, an denen das Kribbeln ausgelöst wird. Oder auch Tests, bei denen der Nerv gedrückt wird, um den typischen Schmerz zu erzeugen.

Als Grundlage für eine OP-Entscheidung sind diese Verfahren nicht zu gebrauchen!

Die Therapieentscheidung hängt von der Nervenleitgeschwindigkeit, der Dauer der Beschwerden und der subjektiven Beeinträchtigung ab. Der Neurologe wird Sie zum Handchirurgen schicken. Gemeinsam sollten Sie das weitere Vorgehen besprechen.

Karpaltunnelsyndrom: Behandlung

Bei anhaltenden Symptomen müssen Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Aber auch wenn die Symptome kommen und gehen und selbst nach Wochen nicht verschwinden, sollten Sie ärztlichen Rat suchen.

Das gilt auch, wenn Ihre Handmuskeln schwächer werden oder wenn die Symptome stärker werden oder Sie beunruhigen.

Im Rahmen einer eingehenden Untersuchung wird Ihr Arzt wahrscheinlich das Gefühl in Ihren Fingern ebenso testen wie die Kraft Ihrer Handmuskeln. Mithilfe einer Leitfähigkeitsmessung kann er feststellen, ob der Mittelnerv die elektrischen Impulse an die Hand weiterleiten kann.

Mit einem Elektromyogramm kann er das Ausmaß der Muskelschädigung messen.

Behandelt Ihr Arzt Sie konservativ, so wird er rezeptpflichtige nichtsteroidale, entzündungshemmende Schmerzmittel verordnen. Eventuell wird er Ihnen vorschlagen, das Handgelenk nachts zu schienen, um es ruhig zu stellen.

Sind die Symptome schwach, kann eine Kortikosteroidinjektion helfen, die Entzündung zu verringern.

Das kann man bei geringer Einklemmung versuchen

  • Tragen Sie eine gepolsterte Schiene, die nachts die Hand in Mittelstellung fixiert.
  • Benutzen Sie spezielle im Handrücken verstärkte Lederhandschuhe oder Spezialmanschetten bei Arbeiten am PC.
  • Lassen Sie sich entzündungshemmende Medikamente verschreiben.
  • Wenden Sie Kälte- oder Wärmetherapie an.
  • Lassen Sie sich Laser- und Ultraschallbehandlungen verschreiben, die wie eine „innere“ Massage wirken sollen.

Vorsicht: Kortisonspritzen ins Handgelenk sind Verzweiflungstaten, bringen nur kurzfristig Linderung, bergen aber die Gefahr der Nerven- und Sehnenverletzung!

Auch Vitamin-B6-Gaben sind nicht ratsam, sondern kosten nur Ihr gutes Geld!

Durch eine Operation wird der Druck vom Mittelnerv genommen

Eine Operation wird notwendig, wenn die Schmerzen anhalten, eine Muskelschwäche auftritt, das Taubheitsgefühl anhält oder, Sie bei Ihren normalen Tätigkeiten stört oder, wenn das Elektromyogramm eine starke Nervenkompression anzeigt.

Die Operation, eine Spaltung des Bandes kann ambulant durchgeführt werden. Dabei werden Lokalanästhetika eingesetzt.

Bei dem Eingriff wird das quer verlaufende durchtrennt, um den Druck vom Mittelnerv zu nehmen. Dabei können zwei verschiedene Techniken angewandt werden: Entweder es wird nur ein Schnitt auf der Handinnenfläche gesetzt.

Oder der Operateur arbeitet endoskopisch und setzt mehrere kleine Schnitte. Mit einer winzigen Kamera (Endoskop) kann er sich dabei den Karpaltunnel von innen ansehen, während er das Band durchtrennt.

Sechs Wochen nach der Operation können Sie Ihre gewohnten Aktivitäten wieder aufnehmen. Die Gefühlsstörung kann zwischen 3 bis 4 Monaten und einem Jahr andauern.

Mindestens 75% der operierten Patienten, die durch eine Überbeanspruchung der Hand erkrankten und alle Patienten, bei denen eine medizinische Ursache für die Krankheit vorlag, werden durch den Eingriff komplett von ihren Symptomen befreit.

Yoga als Therapie

In einer Studie wurden Patienten mit Karpaltunnelsyndrom untersucht, die zum Teil zusätzlich zum Tragen einer Handgelenkschiene noch Yoga oder Entspannungsübungen machten.

Die Patienten mit den zusätzlichen Übungen erfuhren eine stärkere Linderung der Symptome.

In einer anderen Untersuchung wurde gezeigt, dass Patienten mit Arthrose in den Händen durch Yoga weniger Schmerzen in den Fingern hatten und weniger empfindlich waren als die Kontrollgruppe ohne Yoga-Kurs.

Außerdem gibt es Hinweise darauf, das Yoga, da es zur Stressbewältigung beiträgt, die Symptome von einigen Erkrankungen verringert. Dazu gehören Herzerkrankungen, Asthma, Krebs, Medikamentenabhängigkeit, Angststörungen und Depressionen.

In jedem Fall sind für genauere Aussagen weitere Untersuchungen notwendig. Auch ist klar, dass Yoga keine spezielle Behandlungsmöglichkeit für eine der genannten Erkrankungen ist.

Karpaltunnelsyndrom Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Karpaltunnelsyndrom: So einfach können Sie vorbeugen

Um dem Karpaltunnelsyndrom vorzubeugen oder einen relativ harmlosen Fall zu behandeln, haben Sie mehrere simple Methoden zur Auswahl:

Karpaltunnelsyndrom Redaktionsteam FID Gesundheitswissen Schmerzende Hände: Ursachen und Entspannungstipps

Da unsere Hände täglich beansprucht werden, benötigen sie immer wieder mal zwischendurch eine Entspannungspause. Hier finden Sie die Übungen dazu.