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Dystonie: Wenn Ihre Muskeln und Nerven Aussetzer haben

Wenn Sie an der Bewegungsstörung Dystonie leiden, dann haben Sie das Gefühl, dass Sie ständig mit Ihrem eigenen Körper kämpfen. Bei dieser Erkrankung kommt es zu ungewollten Kontraktionen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen.

Sind zum Beispiel die Kiefermuskeln betroffen, treten schon bei so einfachen Tätigkeiten wie dem Zähneputzen Schwierigkeiten auf, denn Muskelkrämpfe verhindern ein Öffnen des Mundes.

Eine Behandlung der Störung bei Erwachsenen bedarf immer einer individuellen Abstimmung. Häufig kommen jedoch lokale Injektionen mit Botulinumtoxin (Botox) zum Einsatz.

Manchmal versucht man auch mittels operativer Eingriffe Abhilfe zu schaffen.

Wenn Ihre Bewegungsabläufe aus dem Ruder laufen

Man nimmt an, dass Dystonien auf Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Nervenzellen zurück zu führen sind, die sich im Zentralhirn befinden und als Basalganglien bezeichnet werden.

Diese Gehirnregion ist für die Steuerung der Muskelkontraktionen verantwortlich.

Es gibt eine Form der Dystonie, die bereits im Kindesalter auftritt und vermutlich vererbt wird. In häufigen Fällen beginnt die Krankheit mit ungewollten  Muskelkontraktionen, die zum Beispiel den Bewegungsablauf beim Gehen beinträchtigen.

Meist befällt die im Kindesalter beginnende Dystonie im Laufe der Jahre den ganzen Körper der Betroffenen.

Doch auch bei Erwachsenen können Dystonien auftreten. Die Erkrankung bei Erwachsenen unterscheidet sich insofern, dass meist nur der Oberkörper betroffen ist.

Dazu einige Beispiele:

  • Zervikale Dystonie (Schiefhals) – Der Schiefhals ist durch unwillkürliche, abnorme und schmerzhafte Kopfstellungen und -bewegungen gekennzeichnet.
  • Lidkrampf (Blepharospasmus) – Durch exzessives Blinzeln oder Schielen sind die Betroffenen praktisch blind.
  • Mund-, Zungen- und Schlundkrampf (oromandibuläre Dystonie) – Diese Form äußert sich durch undeutliche Aussprache oder Schwierigkeiten beim Schlucken und Essen.

Manche Dystonien können auch nur bei der Ausführung bestimmter Handlungen auftreten. So kann es bei einer einzigen, sich wiederholenden Tätigkeit wie dem Schreiben zu Krämpfen und Muskelschmerzen kommen.

Bei Golfspielern kann es beim Schlag zum Einlochen aufgrund von Zittern, Zuckungen und Bewegungshemmungen zu unwillkürlichen Armbewegungen kommen, die auch Yips genannt werden.

Die im Erwachsenenalter auftretenden Dystonien beginnen häufig unbemerkt und entwickeln sich im Laufe von 3 Jahren, manchmal auch schneller. Danach verläuft die Krankheit relativ gleich bleibend. In einigen wenigen Fällen lassen die unwillkürlichen Muskelzuckungen von alleine wieder nach.

Bei einigen Betroffenen hilft der Trick, die entsprechende Körperstelle anzutippen, um den Krampf zu lösen. In manchen Fällen liegt eine neurologische Störung zugrunde.

Das kann ein Schlaganfall, Gehirntumor, Gehirntrauma, eine Infektion, Sauerstoffmangel, eine Reaktion auf Medikamente, eine Schwermetall- oder CO2-Vergiftung sein.

Ab und zu kommt es vor, dass Dystonien durch Medikamente ausgelöst werden, die den Botenstoff Dopamin hemmen.

Hier sind besonders die Mittel gegen Übelkeit namens Metoclopramid und Prochlorperazin zu nennen bzw. Medikamente, die zur Behandlung von Psychosen und Schizophrenie eingesetzt werden.

Wie können Sie Krämpfe lösen?

Ist nur eine Körperregion betroffen, nennt man dies fokale Dystonie. Sind mehrere Körperregionen betroffen, spricht man von segmentaler Dystonie. Die Therapie erfolgt oft durch lokale Injektionen von Botulinumtoxin in den betreffenden Muskel.

Damit soll der Muskel zeitweise lahm gelegt und die Ausschüttung des Botenstoffes verhindert werden, der für die Muskelkontraktionen verantwortlich ist. Injektionen müssen jeweils im Abstand von drei bis sechs Monaten wiederholt werden.

Bei schweren Fällen der Dystonie oder Behandlungsresistenz kommt die Tiefenhirnstimulation zum Einsatz.

Bei dieser Behandlungsmethode werden dünne Drähte im Gehirn implantiert, die an ihrer Spitze mit Elektroden versehen sind.

Angeschlossen an einen unter dem Schlüsselbein eingesetzten Stimulator, geben sie elektrische Impulse an die entsprechende Gehirnregion ab, um abnorme Muskelzuckungen zu reduzieren. Medikamente bringen bei Dystonien im Erwachsenenalter kaum Linderung.

Eine Ausnahme ergibt sich jedoch bei Dystonien, die aufgrund von Vorerkrankungen auftreten, wie zum Beispiel Parkinson.

Bestimmte Formen der Dystonie werden chirurgisch behandelt. Die zervikale Dystonie (Schiefhals) lässt sich mit der Injektion von Botulinumtoxin (Botox) gut in den Griff bekommen.

Auch chirurgische Eingriffe, bei denen Nervenfasern durchtrennt werden, die sonst für schmerzhafte Muskelzuckungen sorgen, sind denkbar.

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