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Plötzlicher Gewichtsverlust im Alter: Eventuell ein Demenzanzeichen

Wenn Sie im Alter rapide an Gewicht verlieren, sollten Sie dies immer als Warnzeichen deuten. Es kann sich nämlich um eine beginnende Demenz handeln, so Forscher der University of Pittsburgh.

Senior im Porträt - Nahaufnahme des Gesichts© bilderstoeckchen - Fotolia

Gewichtsverlust kann auf ernste Krankheiten hindeuten

Die Wissenschaftler leiten dies aus einer Studie ab, bei der sie fast 2.000 Amerikaner mit japanischen Wurzeln untersucht haben. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmer lag bei 72 Jahren. Bei fast 130 von ihnen wurde während der Studiendauer Demenz festgestellt. Demenz ist keine Erkrankung, die sich von heute auf morgen manifestiert, vielmehr entwickelt sie sich über Jahre hinweg.

Rapides Abnehmen kann ein Symptom dieser Erkrankung sein, wenn die Ernährung nicht verändert wurde oder die Betroffenen plötzlich enorm viel Sport treiben. Darüber hinaus kann ein rapider Gewichtsverlust ohne ersichtlichen Grund immer auch ein Anzeichen für eine bösartige Krebserkrankung sein. Sie sollten daher in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, um den Gewichtsverlust abklären zu lassen.

Diese Symptome können Sie rechtzeitig vorwarnen

Leichte Störungen des Gedächtnisses oder des Denkvermögens kennt jeder von uns: Vergesslichkeit, Unkonzentriertheit, Orientierungsprobleme. Wie können Sie diese von einer demenziellen Entwicklung abgrenzen? Es stimmt nämlich nicht, dass Altern zwangsläufig mit Gedächtnisstörungen und geistigen Problemen einhergeht.

Der Begriff „Demenz“ bezeichnet ein Krankheitsbild, das sich aus verschiedenen charakteristischen Symptomen zusammensetzt. Über die möglichen Ursachen der Demenz sagt dieser Begriff noch nichts aus. Eine Demenz wird dann von einem Arzt diagnostiziert, wenn intellektuelle Störungen in mehreren Bereichen nachweisbar sind und diese zu einer länger als sechs Monate andauernden Beeinträchtigung in der Bewältigung von Alltagsaufgaben führen. Dazu gehören:

  • Gedächtnisstörungen mit Einschränkungen beim Lernen von neuen Sachverhalten oder auch das Vergessen von früher Erlerntem
  • Störungen des Denkens, wie die eingeschränkte Urteilsfähigkeit oder ein reduziertes Umsetzungsvermögen
  • Störungen der emotionalen Kontrolle wie des Sozialverhaltens und der Motivation

Häufig treten noch weitere Symptome wie Schlafstörungen, Unruhe und Aggression, Depression, Apathie oder Halluzinationen auf

Erste Verdachtsmomente? So geht es dann weiter

Sind Ihnen Veränderungen der Gedächtnisleistung, der Urteilskraft, der Bewältigung alltäglicher Aufgaben, Veränderungen des Verhaltens oder der Stimmung aufgefallen, sollten Sie frühzeitig Ihren Arzt aufsuchen. Dieser wird eine genaue Anamnese bei Ihnen erheben. Dazu gehört, dass eine körperliche Untersuchung sowie Laboruntersuchungen durchgeführt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Um die einzelnen Gehirnteile und die Arbeitsweise des Gehirns zu beurteilen, wird Ihr Arzt verschiedene Bilder beim radiologischen Kollegen veranlassen: CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie = Kernspin) zeigen das Gehirn in Schichten und helfen, die unterschiedlichen Krankheitsursachen zu unterscheiden. Bei konkreten Verdachtsmomenten wird Ihr Arzt dann einen Spezialisten hinzuziehen.

Unterstützung durch Beratungsstellen

Außerdem werden Ihre Angehörigen ausführlich von Ihrem Arzt befragt. Für diese ist es in unklaren Situationen zusätzlich immer möglich, fachliche Beratung bei einer der Alzheimer-Beratungsstellen zu finden, die es inzwischen in allen größeren Städten gibt. Hier erhalten Sie auch Adressen von Spezialisten sowie Informationen über rechtlichfinanzielle Hilfen. Im Internet finden Sie unter www. deutsche-alzheimer.de Hinweise und Kontaktadressen der Deutschen Alzheimergesellschaft zur Demenz Erkrankung.

Diagnose ist wichtig!

Falsch ist die Einstellung: „Eine genaue Untersuchung lohnt nicht, da man ja eh nichts machen kann!“ Auch bei der Demenz ist die exakte Diagnosestellung wichtig, denn je nach Ursache gibt es unterschiedliche Therapieansätze.

Richtig ist: Bei anderen Grunderkrankungen als der vaskulären und der Alzheimer Demenz kann eine gezielte Therapie begonnen werden. Bei der vaskulären Demenz können die Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen behandelt werden. Schließlich können Antidementiva verschrieben werden. Das sind spezielle Medikamente gegen den geistigen Abbauprozess.

Weist Einsamkeit auf beginnende Demenz hin?

Menschen, die sehr einsam sind, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Alzheimer. Diese Erkenntnis haben Forscher schon vor einigen Jahren erlangt. Den Grund dafür konnten sie schnell mitliefern: Einsamkeit bedeutet, dass das Gehirn weniger angesprochen und angeregt wird. Diese fehlende geistige Abwechslung führt dann zur Demenzerkrankung. Doch neue Forschungen legen eher den Schluss nahe, dass es umgekehrt sein könnte: Einsamkeit lässt sich als Anzeichen für eine beginnende Demenzerkrankung deuten.

Sozialer Umgang hält Ihr Gehirn fit

Amerikanische Forscher hatten dies herausgefunden, als sie fast 80 ältere Menschen auf ihren geistigen Zustand hin untersuchten und befragten, wie groß ihre Einsamkeit war. Die Studienteilnehmer waren im Schnitt 76 Jahre alt und bekamen jeder drei Fragen gestellt:

  • Wie oft fühlen Sie sich von anderen Menschen isoliert?
  • Wie oft fühlen Sie sich ausgeschlossen?
  • Wie oft vermissen Sie Gemeinschaft?

Auf jede Frage mussten die Teilnehmer anhand einer Punkteskala antworten, diese reichte von 1 für nie bis 4 für sehr oft.

Zusätzlich wurden die Gehirne der Teilnehmer mit einem Positronenemissionstomografen (PET) durchleuchtet. Durch dieses Gerät konnten die Forscher bestimmen, wie viele Amyloid-ß-Ablagerungen im Gehirn zu finden sind. Hierbei handelt es sich um Eiweißablagerungen, die sich vor allem bei Menschen bilden, die unter Alzheimer leiden. Es zeigte sich: Menschen, bei denen viele dieser Ablagerungen zu finden waren, wiesen ein besonders großes Risiko auf, sich einsam zu fühlen verglichen mit denjenigen, bei denen wenige Ablagerungen im Gehirn zu finden waren. Bei ihnen war die Wahrscheinlichkeit, sich einsam zu fühlen, siebenmal so hoch. Hinzu kommt: Es gibt Menschen, die verfügen über ein bestimmtes Gen, das Gen APOEε4. Bei den Studienteilnehmern, die dieses Gen aufwiesen, ließen sich nicht nur mehr Ablagerungen nachweisen, sie fühlten sich zudem besonders einsam.

Gruppe von Senioren© yuri arcurs - Fotolia

Gefühle geben frühen Hinweis auf Demenzerkrankungen

Die Forscher weisen darauf hin, dass große Einsamkeit im Alter tatsächlich mit krankhafter Gehirnveränderung verbunden ist. Einsamkeit kann daher tatsächlich ein Anzeichen für ein frühes Stadium der Demenzerkrankung sein. Ging man bisher davon aus, dass Einsamkeit Alzheimer begünstigt, muss man heute in Betracht ziehen, dass die Ablagerungen im Gehirn die Wahrnehmung von Einsamkeit verändern. Hinzu kommt, so die Wissenschaftler, dass beide Prozesse sich auch gegenseitig verstärken bzw. begünstigen können.

Auch wissen wir schon länger, das Depressionen, verstärkte Angst oder Reizbarkeit im Alter ein Anzeichen für Alzheimer sein können. Allerdings ist noch nicht erforscht, wie stark sich solche emotionalen Verhaltensänderungen wirklich auf die Entstehung der Demenzerkrankung auswirken. Daher weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass es wichtig ist, emotionale Veränderungen, aber auch emotionale Faktoren wie Einsamkeit mit abzufragen bzw. im Auge zu behalten. So kann man in Zukunft das persönliche Alzheimerrisiko besser erkennen bzw. eine Alzheimererkrankung deutlich früher erkennen. Denn bisher werden Demenzerkrankungen in der Regel viel zu spät entdeckt und damit sind sie viel schlechter zu behandeln bzw. aufzuhalten als in einem frühen Stadium.

Spazieren Sie dem Gehirnabbau davon

Es muss nicht gleich ein ausgefeiltes Jogging-Programm sein: Schon wer täglich mindestens 3,2 km in normaler Geschwindigkeit zu Fuß geht, kann sein Demenzrisiko nahezu halbieren. Das hat eine neunjährige Studie an über 2.200 männlichen Bewohnern Hawaiis im Alter von 71 bis 93 Jahren ergeben. Der Leiter des Projekts, Professor Robert D. Abbott von der Abteilung für Herz- und Gefäßvorsorge der Universität in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia, stellte die Ergebnisse im September 2004 im British Medical Journal vor.

Die Studienteilnehmer mussten keine besonderen Sportarten ausführen. Die Wissenschaftler protokollierten lediglich ihr tägliches Gehpensum. Dabei schnitten die Probanden am besten ab, die täglich mindestens 3,2 km zu Fuß zurücklegten, beispielsweise beim Einkaufen oder Spazierengehen. Diese Ergebnisse gelten auch für Frauen. Das ergab die vergleichende Auswertung des Bewegungsverhaltens von 18.000 Krankenschwestern durch die Harvard-Universität in Boston, die ebenfalls im September 2004 im Journal of the American Medical Association erschien.

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Dr. Martina Hahn-Hübner
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