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Demenzkrank: Diese 7 Schritte sollten Sie gehen

Bereits heute leben etwa 1 Million Menschen in der Bundesrepublik, die an einer Demenz erkrankt sind. Nach Schätzungen wird sich diese Zahl aufgrund der demografischen Entwicklung bis zum Jahr 2050 verdoppelt haben.

Das ist nicht nur ein gesundheitliches Problem: Die Demenz gehört bei sorgfältiger Therapie und Betreuung zu den kostenintensivsten Erkrankungen überhaupt.

Aber auch rechtlich tauchen bei Demenzkranken Fragen auf: Die Betroffenen sind zum einen nicht mehr in der Lage ihre Angelegenheiten selbst zu erledigen. Zum anderen verschwindet zunehmend auch die Fähigkeit, die eigenen Leistungsgrenzen zu erkennen.

Was ist eine Demenz?

Zunehmende Vergesslichkeit im Alter kann vorkommen und hat dann aber meist mit einer Demenz nichts zu tun. Wenn Sie also mal gelegentlich die Hausnummer eines Bekannten vergessen, ist das kein Grund zur Besorgnis.

Bei einer Demenz gehen in bestimmten Bereichen des Gehirns Nervenzellen zugrunde. Ursache dafür können z. B. Durchblutungsstörungen des Gehirns sein.

Am bekanntesten ist die Alzheimersche Demenz, etwa 70 Prozent der Erkrankten leiden an dieser Demenzform. Eine Demenz betrifft das Denken des Menschen und seine Persönlichkeit.

Für alle Demenzformen typisch ist eine Verschlechterung des Gedächtnisses, das Urteilsvermögen leidet, das Denken geht verlangsamt vonstatten, das Sprechen ist gestört und das praktische Geschick eingeschränkt.

Die rechtliche Problematik bei einem Demenzkranken

Die eigenen Angelegenheiten können nicht mehr geregelt werden, Rechtsgeschäfte können nicht mehr abgeschlossen werden, Willenserklärungen nur noch unzureichend abgegeben werden.

Das ist oft das Resultat einer Demenzerkrankung. Wichtig ist die erste Phase einer Demenzkrankheit, wenn der Betroffene seinen Willen noch äußern kann: Hier muss er aktiv in Entscheidungsprozesse mit eingebunden werden.

Rechtliche Dokumente müssen verfasst werden, in denen z. B. gesundheitliche und finanzielle Angelegenheiten geregelt werden.

Diese 7 Schritte sollten Sie als Angehöriger gehen

  1. Lassen Sie die Geschäftsfähigkeit feststellen. Jemand, der an einer Demenz leidet, kann durchaus anfänglich weiter geschäftsfähig sein. Dies kann ein Psychiater feststellen und dann die sogenannte Testierfähigkeit attestieren. Die Geschäftsfähigkeit hängt davon ab, ob der Kranke noch die Tragweite seiner  Entscheidung in Bezug auf das Rechtsgeschäft abschätzen kann. Wichtig ist das für den Fall, dass ein Testament abgeschlossen werden soll. Ist keine Geschäftsfähigkeit festgestellt, aber schon die Diagnose Demenz gestellt, kann das Testament angefochten werden.
  2. Lassen Sie die Willensfähigkeit des Betroffenen prüfen. Je nach Ausprägung der Demenz kann auch weiter Willensfähigkeit bestehen. Hier ist es wesentlich, ob vor einer Entscheidung die Vorteile und Nachteile gegeneinander abgewogen werden können, z. B. in Bezug auf die Durchführung einer Therapie. Auch die Willensfähigkeit kann ein Psychiater attestieren.
  3. Überprüfen Sie die Haftpflichtversicherung des Betroffenen. Demenzerkrankungen gehen einher mit vermehrten Unfällen im häuslichen Bereich: Stürze und alle Arten von Missgeschicken kommen durch Selbstüberschätzung und Fehlhandlungen vor. Schon bestehende Haftpflicht- und Hausratversicherungen verändern sich nicht durch das Auftreten einer solchen Krankheit. Dennoch sollten Sie den Versicherungsschutz überprüfen. Sollte er nicht ausreichend sein, muss eine geeignete Versicherung abgeschlossen werden.
  4. Informieren Sie gegebenenfalls das Straßenverkehrsamt. Demenzkranke sollten kein Auto mehr fahren. Das gilt bereits für die Anfangsstadien der Krankheit. Denn sehr schnell lassen Reaktionsvermögen sowie das Einschätzen von Entfernungen und Geschwindigkeiten nach. Oft sind die Betroffenen aber sehr uneinsichtig, gerade wenn es um dieses Thema geht. Im Notfall kann auch Ihr Arzt – anonym aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht – eine Anzeige beim Straßenverkehrsamt erstatten. Sinnvollerweise geschieht dies jedoch durch die Angehörigen. Der Gemeldete muss sich dort dann einem psychologischen Test unterziehen, der über die Fahrerlaubnis entscheidet.
  5. Nutzen Sie alle Möglichkeiten der Patientenvertretung. Im Frühstadium einer solchen Erkrankung sollten Sie mit dem Betroffenen die folgenden Vertretungsmöglichkeiten durchsprechen und entsprechende Formulare ausfüllen bzw. beim Notar beglaubigen lassen und hinterlegen: 1. Vorsorgevollmacht. Im Rahmen dieser Vollmacht können wirtschaftliche und persönliche Dinge geregelt werden. Der Bevollmächtigte hat im Notfall das Recht, alle Regelungen zu treffen. Diese Vollmacht ist nur dann sinnvoll, wenn der Kranke eine Person auswählt, zu der er vollstes Vertrauen hat. 2. Betreuungsverfügung. In dieser Verfügung kann der Betroffene im frühen Stadium der Krankheit dem Vormundschaftsgericht einen Betreuer vorschlagen. An diesen Vorschlag ist das Gericht grundsätzlich gebunden. Der vorgeschlagene Betreuer steht dann unter der Aufsicht des Vormundschaftsgerichtes. 3. Patientenverfügung. Diese richtet sich an den behandelnden Arzt und enthält Festlegungen des Kranken im Hinblick auf seine medizinische Versorgung, insbesondere für den Fall eines Notfalls. Die Verfügung wird geschrieben nach dem Willen des Kranken. Da sein Wille sich jedoch im Verlauf einer Erkrankung ändern kann, sollten Sie Angelegenheiten wie Wiederbelebungsmaßnahmen etc. im Detail mit ihm besprechen. Denn zu einem Zeitpunkt, wo der Kranke dann „willenlos“ ist, ist Ihre Einschätzung seines mutmaßlichen aktuellen Willens ausschlaggebend – und diesen sollten Sie vorab mit dem Kranken besprechen.
  6. Regen Sie die Einrichtung einer Betreuung an. Wenn die Betroffenen persönliche Angelegenheiten wie die Vermögensverwaltung nicht mehr eigenständig regeln können und keine anderen frühzeitig getroffenen Verfügungen etc. vorliegen, sollte eine Betreuung eingerichtet werden. Betreuer kann ein Angehöriger oder eine fremde Person sein. Letzteres kostet Geld – je nach Vermögen des Betroffenen. Folgende Schritte müssen Sie für die Einrichtung einer Betreuung einleiten: 1. Ein ärztliches Gutachten muss erstellt werden mit der Angabe des Grundes, des Umfangs und der voraussichtlichen Dauer der Betreuung. 2. Dann wird beim Vormundschaftsgericht ein Antrag auf Betreuung gestellt. 3. Das Gericht entscheidet auf der Grundlage dieses Gutachtens und nach einer persönlichen Anhörung des Betroffenen, ob eine Betreuung notwendig ist.
  7. Denken Sie an den Schwerbehindertenausweis. Demenzkranke haben, ebenso wie körperlich Kranke, einen Anspruch auf Anerkennung als Schwerbehinderte. Diesen Ausweis müssen Sie beim Versorgungsamt beantragen. Er bringt u. a. steuerliche Vorteile und Ermäßigungen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Beruhigungstabletten erhöhen Ihr Demenzrisiko

Gut 2 Millionen Deutsche werfen regelmäßig Schlaf- und Beruhigungsmittel ein. Was den meisten nicht bewusst sein dürfte: Die Pillen machen nicht nur süchtig, sondern erhöhen beunruhigender weise auch das Demenzrisiko.

Unter besonderem Verdacht steht hier der Wirkstoff Benzodiazepin, auch unter den Handelsnamen Valium, Adumbran oder Tavor bekannt.

In einer Studie der Universität Bordeaux Segalen mit 3.777 Teilnehmern über 65 erkrankten innerhalb von 15 Jahren 23 Prozent der Teilnehmer, die keine Benzodiazepin-Präparate einnahmen, an Demenz, bei denen, die die Pillen regelmäßig schluckten jedoch 32 Prozent.

Die Ärzte warnen eindringlich: Benzodiazepine machen innerhalb weniger Wochen abhängig! Sie sollten am besten gar nicht und wenn, dann nur niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingenommen werden, maximal zwei Wochen lang.

Wer bereits süchtig ist und die Medikamente wieder absetzen will, muss mit schweren Entzugserscheinungen rechnen und sollte dies nur unter ärztlicher Aufsicht tun.

Bewegung verbessert das Gehirn von Demenz-Patienten

Sport und Bewegung bauen Nervenzellen auf, und zwar genau in der Region des Gehirns, die für Gedächtnisleistungen zuständig ist. Ganz besonders gut gelingt dies, wenn die Bewegung mit Spaß verbunden ist.

Darauf wies dieser Tage auch die Techniker Krankenkasse (TK) hin. Allerdings ist das bei einer 96-Jährigen kein leichtes Unterfangen.

Die TK empfiehlt Angehörigen von demenzkranken Menschen, die betroffenen Familienmitglieder zur Aktivität zu ermuntern. Allerdings, so zeigt eine FAZ-Studie im Auftrag der TK, bewegt sich nur jeder Siebte der über 60-Jährigen regelmäßig.

Wie der Zellaufbau im Gehirn funktioniert, erklärt der bekannte Hirnforscher Professor Manfred Spitzer von der Universität Ulm:

„Es ist tierexperimentell eindeutig nachgewiesen, dass durch Bewegung dafür gesorgt wird, dass Nervenzellen vermehrt nachwachsen. Dies hat positive Auswirkungen auf Merkfähigkeit und Gedächtnis. Für diesen Effekt ist es aber wichtig, dass die motorische Tätigkeit gerne und freiwillig erfolgt“, sagt Spitzer.

Denn die Freude an der Aktivität garantiere auch eine entsprechende Hormonausschüttung und damit die nötigen chemischen Prozesse.

Bewegung und Hormone kombiniert, ergeben dann das Zellwachstum. Von der Art und dem Stadium der Erkrankung hänge es ab, so Spitzer, wie sich die Symptomatik durch positive Emotionen und Bewegung bessere.

Außerdem trainiert die regelmäßige Bewegung die Mobilität im Alltag und schützt vor Stürzen, die mit ihren Folgeverletzungen im Alter bekanntermaßen ein zusätzliches Gesundheitsrisiko darstellten.

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Alte Kommentare
  • Berger schrieb am 28.06.2011, 23:56 Uhr

    Meine behinderte Tochter wohnt seit 2006 in einen Heim . Sie hat wiederholt zu Anhörungen gesagt; _-Ich will zu Mama. Es wurde dann ein Gutachten angeregt ,mit der Frage ob dies zum Wohle sei .Nachdem zum 1.9.2009 der mutmaßliche Wille vor medizinischen und therapeutischen Eingriffen festgestellt werden muß, was bisher nicht geschehen ist , hat der Gutachter nun geschrieben Die Entlassung aus dem Heim ist nicht zum Wohle . Ein freier Wille konnte nicht festgestellt werden. Da bereits früher Behinderung vorlag , gehe ich davon aus , daß auch früher kein Wille vorhanden war . Das kommt Entmündigung gleich , denn die Kriterien zur Feststellung des mutmaßlichen Wille wurden nicht eingehalten und es wird weiter ohne Ermittlung des Wille insbesondere frühere mündliche und schriftliche Äußerungen gehandelt . NUN schrieb der Verfahrenspfleger: Ich rege eine weitere Ergänzung des Gutachtens an , mit der Frage , ob ein ununterbrochener Wille nach Hause zu wollen vorhanden ist . Damit wurde weiter die Behandlung ohne Ermittlung des mutmaßlichen Wille nicht als Pflichtverletzung angesehen und so fortgefahren , obwohl sich meine Tochter wehrt. Das Dritte Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts verlangt keinen UNUNTERBROCHENEN WILLE , sondern einen aktuelle mutmaßlichen Wille . Ich würde mich freuen , wenn mir jemand noch einen Tipp geben kann . Denn diese unfaire Verhandlung ist nicht mehr zumutbar.