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Hintergrundwissen rund ums Thema Demenz

Demenz ist keine spezifische Krankheit, sondern der Oberbegriff für Störungen des abstrakten Denkens, des Gedächtnisses und des Urteilsvermögens. Sie ist der Verlust der intellektuellen und sozialen Fähigkeiten, was Ihre Alltagsfunktionen auf Dauer beeinträchtigt. Demenz betrifft folgende Fähigkeiten: Denken, Sprechen, Argumentieren, Erinnern und Bewegen.

Als häufigste Ursache der Demenz gilt die Alzheimer-Krankheit. Dabei degeneriert ein Teil des Hirngewebes, sodass Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit mit der Zeit verloren gehen. Neben der Alzheimer-Krankheit gibt es noch andere Demenzformen. Mit dem Fortschreiten der Demenz kommt es häufig zu einer Behinderung. Glücklicherweise entwickelte die Forschung in den vergangenen Jahren Therapien, die das Fortschreiten bremsen.

Menschliches Gehirn - Modell vor weißem Hintergrund© marksykes – Fotolia

Alzheimer: Mehr Frauen als Männer betroffen

Mehr als 1,3 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Demenz, ein Großteil von ihnen an Alzheimer. Und da wir Menschen immer älter werden, gehen Forscher davon aus, dass auch die Krankheitszahlen steigen. Bis zum Jahr 2050 sollen sie sich verdoppeln. Dabei haben Frauen eine fast doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, zu erkranken, verglichen mit Männern. Mit zunehmendem Alter nimmt in der Bevölkerung die Häufigkeit der Demenzkranken exponentiell zu. Das Risiko einer 65-jährigen Frau, in der ihr verbleibenden Lebenszeit an einer der Formen von Demenz zu erkranken, liegt bei 34,5 Prozent. Das eines gleichaltrigen Mannes liegt bei 16 Prozent.

Ist die längere Lebenserwartung schuld?

Jahrelang haben Wissenschaftler die Meinung vertreten, dass dieses deutlich erhöhte Krankheitsrisiko darin seine Ursache hat, dass Frauen länger leben als Männer. Sie haben also „mehr Zeit“, zu erkranken. Alzheimer ist in der Regel eine Erkrankung, die erst in höherem Alter ausbricht bzw. sich nach außen hin bemerkbar macht.

Aber auf Dauer ließ sich diese Begründung nicht halten. Denn schon jüngere Frauen unter 65 Jahren erkranken doppelt so häufig wie Männer. Der Grund, warum die längere Lebenserwartung als Grund für das höhere Risiko angegeben wurde, lag übrigens daran, dass man früher nur erkrankte Menschen beobachtet hat. Heute aber wissen wir, dass schon viel eher die ersten Krankheitssymptome auftauchen. Auf diese frühen Gehirnveränderungen bzw. Krankheitssymptome achten Forscher aber erst seit einigen Jahren. Bezieht man diese mit ein, erkennt man: Generell sind Frauen häufiger betroffen.

Nach der Menopause verändern sich Hormonstatus und Gehirn

Forscher des Bringham and Women’s Hospital in Boston haben daher Daten der New England Family Study genauer ausgewertet und sich dabei auf Menschen im mittleren Alter konzentriert, auf 200 Männer und Frauen zwischen 47 und 55 Jahren. Durch diese Altersspanne hatten sie die Möglichkeit, die Gedächtnisfunktionen der teilnehmenden Frauen vor, während und nach den Wechseljahren zu vergleichen. Die Ergebnisse sprachen eine eindeutige Sprache. Die Frauen schnitten in Gedächtnistests deutlich besser ab als Männer gleichen Alters. Das galt aber nur bis zur Menopause. Danach lagen sie mit den gleichaltrigen Männern gleich auf, vor allem, was Fähigkeiten wie Organisieren, Strukturieren oder Informationsauswertungen anging. Das Gedächtnis ließ also mit Beginn der Wechseljahre nach.

Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass Gedächtnisleistung und Hormonspiegel zusammenhingen. Höhere Östradiol-Spiegel (Östradiol ist das weibliche Geschlechtshormon) sorgen für bessere Gedächtnisleistungen. Mit Beginn der Menopause kommt es nicht nur zu Veränderungen im Hormonhaushalt, sondern auch zu Veränderungen im Gehirn. Und diese, so die Forscher, können zum Entstehen von Alzheimer führen. Die Forscher hoffen, dass diese Ergebnisse dazu beitragen können, Menschen mit einem sehr hohen Alzheimer-Risiko früher zu identifizieren. Dann könnte eine Therapie eventuell erfolgreicher sein als wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen ist. Denn für den Fall, dass Alzheimer erst mit dem Auftreten der ersten Symptome erkannt wird, gibt es immer noch keine wirksamen Medikamente.

Seniorin hält Hand an die Stirn© Robert Kneschke – Fotolia

Mehr als nur die Alzheimersche Krankheit

Die meisten Fälle von Demenz sind unheilbar. Es kommen dafür folgende Ursachen in Frage:

  • Veränderungen in der Gehirnstruktur – Die Alzheimersche Krankheit gilt als Ursache für mehr als die Hälfte aller Demenzfälle bei älteren Menschen. Andere Patienten leiden unter Demenz infolge von Durchblutungsstörungen im Gehirn, multiplen kleinen Gehirninfarkten infolge der Parkinsonschen Krankheit, Gehirntumoren oder Traumen.
  • Infektionen – Erkrankungen durch den HIV-Virus, Tuberkulose und andere Infektionskrankheiten können zu Demenz führen. In 10 bis 30 Prozent der Fälle ist eine behandelbare medizinische Erkrankung die Ursache für Demenz-Symptome.
  • Stoffwechselstörungen bzw. durch toxische Einflüsse bedingte Veränderungen – Einige Arten von Demenz entstehen durch übermäßige Arzneimitteleinnahme, durch Alkoholmissbrauch, Mangelernährung oder eine Schilddrüsenfunktionsstörung.
  • psychische ErkrankungenDepressionen oder Angstzustände verursachen unter Umständen Beschwerden, die eine Demenz imitieren (oder als Demenz fehlgedeutet werden).

Möglichkeiten der Diagnose

Wir haben es früh genug entdeckt – diesen Satz möchte jeder Patient hören, wenn der Arzt ihn informiert, dass er eine schwere Krankheit diagnostiziert hat. Vor allem dann, wenn diese Krankheit in der Lage ist, den Patienten seiner Erinnerung von Jahren und sogar Jahrzehnten zu berauben. Vor allem bei Alzheimer spielt die frühe Entdeckung eine wichtige Rolle bei der Behandlung. Darum könnte sich ein neues und einfaches Diagnoseverfahren auch als wichtiges Werkzeug bei der frühzeitigen Entdeckung erweisen.

Wissenschaftler von drei Universitäten aus dem Nordosten der Vereinigten Staaten berichteten von einem Versuch mit dem EEG, mit dem Gehirnströme gemessen werden, den sie am 70 Personen durchgeführt hatten. Ein Teil der Patienten hatte Alzheimer, die anderen nicht. Das EEG zeigte deutlich, dass die Gehirne von Alzheimerpatienten anders auf Gerüche reagieren als die von gesunden Menschen. Die Genauigkeit dieses Tests betrug 80 Prozent. Bis sich aber diese Methode durchgesetzt hat, gibt es aber noch einen einfacheren Weg, wie Ärzte und auch Patienten die frühesten Signale einer beginnenden Alzheimererkrankung erkennen können.

Ein gestörter Geruchssinn sagt viel über Ihr Gehirn aus

Wissenschaftler wissen seit einigen Jahren, dass die Fähigkeit, Aromen zu erkennen, bei Alzheimer-Patienten gestört ist. Keiner weiß, warum das so ist. Entscheidend ist aber, dass Forscher der Columbia-University dies als Diagnose-Tool einsetzen. Mehr als 200 Menschen nahmen an ihrem Versuch teil und sollten 400 verschiedene Gerüche identifizieren. Von drei Vierteln der Teilnehmer war bekannt, dass sie unter mildem Gedächtnisverlust litten, die anderen dienten als Kontrollpersonen.

Nach dem Test wurden diejenigen mit den Gedächtnisstörungen durchschnittlich fünf Jahre begleitet, um ihre gesundheitliche Weiterentwicklung zu verfolgen. Als die Wissenschaftler ihre Daten auswerteten, zeigte sich, dass es einige Gerüche gibt, deren Nichterkennen deutlich auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen kann. Dies sind:

  1. Nelken
  2. Leder
  3. Limone
  4. Menthol
  5. Gas
  6. Ananas
  7. Rauch
  8. Seife
  9. Erdbeeren

Erstaunlicherweise zeigte dieser Test eine größere Genauigkeit bei der Vorhersage einer Alzheimer-Erkrankung als andere Testmethoden, zum Beispiel genetische Tests. Es wird noch einiges an Forschung nötig sein, bevor die Wissenschaft dem Geruchstest hundertprozentig vertraut. Aber in der Zwischenzeit kann man diese Ergebnisse zumindest als kleinen Hinweis für eine Alzheimer-Diagnose verwenden.

Kann man mit Medikamenten vorbeugen?

Studien untersuchten, inwieweit Medikamente eine Demenz verzögern. Vor kurzem identifizierten Wissenschaftler eine Substanzgruppe, die einen Zugewinn an wertvoller Zeit für Menschen mit einer gedächtnisrelevanten Vorform, dem Mild Cognitiv Impairment (MCI, leichte kognitive Störung) erbringt. Das MCI gilt als Übergangsform zwischen normaler, altersbedingter Vergesslichkeit und ernsteren, Demenz-assoziierten Problemen. Eine Studie zeigte, dass der Wirkstoff Donepezil (Aricept®), ein Acetylcholinesterase (AChE)-Hemmer, das Risiko des Fortschreitens von MPI zur Alzheimer-Krankheit in bis zu 18 Monaten reduzierte.

Andere Studien untersuchen die AChE-Hemmer Galantamin (Reminyl®) und Rivastigmin (Exelon®), um damit ähnliche Effekte zu erzielen. Unter Umständen hörten Sie über viele andere Möglichkeiten, um den Ausbruch einer Demenz zu verzögern. Zu den untersuchten Therapien gehören die Bewegungstherapie und die Gabe von Vitaminen, welche die Homozystein-Spiegel reduzieren. Die Aminosäure Homozystein gilt nämlich nach neueren Erkenntnissen ebenfalls als Risikofaktor für die Gesundheit der Nervenzellen. Viele der Untersuchungsergebnisse fallen allerdings widersprüchlich aus. Weitere Tests sind nötig, um die verschiedenen Optionen zur Verzögerung einer Demenz zu bewerten.

Mit Hormonersatztherapie erkranken weniger Frauen

Frauen mit einer Hormonersatztherapie erkranken nicht so häufig an einer Alzheimer-Demenz wie Frauen, die sich nicht einer solchen Behandlung unterziehen. Das zeigt eine Studie, die im November 2002 im Journal of the American Medical Association (JAMA) erschien.

Die Untersuchung schloss 1.889 Frauen mit einem mittleren Alter von75 Jahren ein. Zu Beginn war keine der Teilnehmerin an Alzheimer erkrankt. Von jeder Frau erfasste man die Daten vorhergegangener oder bestehender Hormonersatztherapien. Drei Jahre später entwickelten 88 Frauen (5 Prozent) eine Alzheimer-Demenz.

Die wichtigsten Risikofaktoren für Demenz

Trotz fieberhafter Forschung ist es der Wissenschaft noch nicht gelungen, ein Medikament gegen die Alzheimer-Demenz zu entwickeln. Umso wichtiger ist es für Sie zu wissen, wie man der Krankheit vorbeugt. Inzwischen spricht in der Wissenschaft vieles dafür, dass einige wenige Lebensstilfaktoren das Alzheimerrisiko maßgeblich beeinflussen. Nach Schätzungen von Experten sind solche vermeidbaren Risiken die Ursache für jede zweite Demenzerkrankung: Jeder zweite Fall ist also vermeidbar. Forscher der Universität London errechneten anhand der vorliegenden Daten die sieben wichtigsten Risikofaktoren errechnet.

Die Liste wurde im Juli 2014 erstmals in der Fachzeitschrift „The Lancet Neurology“ vorgestellt: Auf dem ersten Platz steht in Europa der Bewegungsmangel. Er ist offenbar für etwa 20 Prozent der Alzheimerfälle verantwortlich. Es folgen das Rauchen und ein niedriger Bildungsgrad mit jeweils 14 Prozent, dann Depressionen (11 Prozent). Im einstelligen Bereich liegen die Risikoanteile von Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht.

Schützende Gehirnnahrung

Forscher der Rush-University in den USA haben nun untersucht, wie man sich auf einfache Weise vor Alzheimer schützen kann: durch die Ernährung. Sie fanden heraus, dass es bestimmte Ernährungsregeln gibt, die Sie effektiv gerade vor Alzheimer schützen können. Die Forscher entdeckten 15 Lebensmittelgruppen, 10 davon wirken sich sehr positiv auf die Gehirngesundheit aus. Dies sind unter anderem:

Darüber hinaus gibt es fünf Lebensmittelgruppen, die sehr ungesund für Ihr Gehirn sind. Diese sollten Sie auf jeden Fall so weit wie möglich meiden:

  • rotes Fleisch
  • Butter bzw. Margarine
  • Käse
  • Süßwaren und Gebäck
  • Fast Food und Gebratenes

Ein Herz aus Gemüse© Gina Sanders – Fotolia

Gesunde Ernährung ist nicht zu unterschätzen

Diese Lebensmittelsortierung ist das Ergebnis einer Befragung von über 900 Studienteilnehmern zwischen 58 und 98 Jahren. Die Teilnehmer wurden viereinhalb Jahre lang in Abständen zu ihrer Ernährung gefragt. 144 Teilnehmer erkrankten währenddessen an Alzheimer. Die Forscher verteilten Punkte, je nach Art der Ernährung.

Anschließend verglichen sie das Alzheimerrisiko derjenigen mit vielen Punkten mit dem derjenigen, die sich eher ungesund ernährt und dadurch weniger Punkte bekommen hatten. Es zeigte sich, dass viele Punkte, also eine gesunde Ernährung, ein um 53 Prozent verringertes Alzheimerrisiko bedeuteten. Und auch diejenigen, die eine mittlere Punktzahl erreichten, also häufiger sündigten, hatten immer noch ein um 35 Prozent verringertes Risiko.

Vergessen Sie das Trinken nicht!

Oft sind ältere Menschen nur verwirrt, weil sie zu wenig getrunken haben. Denn mit steigendem Alter nimmt das Durstgefühl meistens ab. Fehlt Ihrem Körper Flüssigkeit, wird das Gehirn nicht mehr gut durchblutet: Es kommt zu einem Mangel an Sauerstoff. Versuchen Sie, jeden Tag 1,5 bis 2 Liter Wasser zu trinken. Platzieren Sie Ihre tägliche Trinkmenge jeden Morgen an einem zentralen Platz (Schreibtisch oder Essplatz): Abends muss alles ausgetrunken sein, am besten regelmäßig über den Tag verteilt.

Die heutige Bewegungsarmut schädigt also langfristig nicht nur das Herz, die Gelenke und die Muskulatur, sondern offenbar auch das Gehirn. Gönnen Sie Ihrem Körper mindestens zwei Stunden körperliche Bewegung pro Woche und gehen Sie so oft wie möglich zu Fuß.

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