Wie Sie chronische Schmerzen behandeln können und was Sie bei der Wahl des Therapeuten beachten sollten
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Schmerz ist meistens eine Schutzfunktion des Körpers, er meldet Ihnen eine körperliche Störung. Aber es gibt auch Schmerzen, die sich von ihrer ursprünglichen Funktion abgelöst haben und selbstständig existieren. Dies sind dann die so genannten chronischen Schmerzen.
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In der Bundesrepublik leiden fünf Millionen Menschen unter ständigen, d. h. chronischen Schmerzen. Rund 600.000 Patienten gelten als therapeutisch resistent. Ihnen kann kaum noch geholfen werden. Wenn chronische Schmerzen auftreten, ist in vielen Fällen ein akuter Schmerz vorangegangen, sei es durch Verletzungen nach einem Unfall, nach Operationen oder durch Krankheiten wie Krebs.
Chronische Schmerzen, die nicht durch ein organisches Grundleiden ausgelöst werden, haben häufig ihre Lokalisation im Bereich des Kopfes (z. B. Migräne), des Rückens oder des Bewegungsapparates. Durch den Dauerschmerz entwickeln sich erhebliche Muskelverspannungen. Sie erhöhen die Schmerzsymptomatik und erweitern das Schmerzgebiet mit der Folge, dass der Schmerzzustand ins Unerträgliche gesteigert wird.
Lassen Sie sich schnell behandeln
Nur etwa 60 Prozent der Patienten mit chronischen Schmerzen begeben sich in ärztliche Behandlung. Doch wegen der sehr unterschiedlichen Ursachen und Entstehungszusammenhänge muss der Therapie eine sorgfältige Diagnose vorausgehen.
Der behandelnde Arzt sollte sich bei Ihnen in der Regel viel Zeit für eine gründliche Schmerzanamnese nehmen. Auf dieses Gespräch müssen Sie sich natürlich vorbereiten. Sie sollten in der Lage sein, Ihre Schmerzen genau definieren zu können. Beschreiben sollten Sie die Lage der Schmerzen, die Häufigkeit, wann der Schmerz auftritt und auch, wie Sie sich dabei fühlen. Leiden Sie unter chronischen Schmerzen, ist es sinnvoll, wenn Sie ein Schmerztagebuch führen.
Ihr Arzt wird sich auch nach Ihrem psychosozialen Umfeld erkundigen und folgende weitere Untersuchungen durchführen:
- eingehende körperliche Untersuchung
- neurologische Untersuchung
- orthopädische Untersuchung
eventuell zusätzlich:
- EEG (Elektroenzepholografie)
- EMG (Elektromyografie)
- weitere bildgebende Untersuchungsverfahren
Da chronische Schmerzen Sie wahrscheinlich ein Leben lang begleiten, ist das Ziel der Therapie, die Schmerzen erträglich zu machen. Das bedeutet gleichermaßen, dass Ihre Lebensqualität auf das individuelle Maximum erhöht wird.
Eine ganzheitliche Behandlung ist sinnvoll
Wenn Sie unter chronischen Schmerzen leiden, sollten Sie entsprechend den vielfältigen Ursachen und verstärkenden Faktoren Ihrer Krankheit mit einer Kombination sich ergänzender Verfahren behandelt werden, die sowohl körperliche, seelische als auch soziale Aspekte umfassen. Sinnvolle Medikamente bilden zusätzlich häufig die Basis einer Dauerbehandlung. Nicht selten steht am Anfang der Behandlung ein Entzug von jenen Medikamenten, die für die Chronifizierung der Schmerzkrankheit mitverantwortlich sein können.
Neben der Psychotherapie und der medikamentösen Einstellung stehen Ihnen je nach Schmerzform weitere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:
- Nervenblockade durch die intravenöse Gabe von Guanethidin
- implantierte Schmerzpumpen zur kontinuierlichen Abgabe von Medikamenten zur Schmerzmittelspiegelerhaltung
- Regionalanästhesien z. B. mit Periduralkatheter
- Entlastungs- oder Palliativoperationen z. B. bei Karpaltunnelsyndrom, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS: Reizung der Nervenstrukturen durch das Anlegen von Stromimpulsen auf der Haut. Durch diese Maßnahme wird das körpereigene spinale Schmerzhemmsystem aktiviert)
- Akupunktur
- Krankengymnastik zur Stärkung oder Entlastung von Muskelgruppen
- Bewegungstherapie
- Verhaltenstherapie
- Stressbewältigungstraining
- Biofeedback
Autogenes Training - Progressive Muskelentspannung
Aber auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, wie eine Änderung der Ernährung oder ein Wechsel des Arbeitsplatzes, können Ihren Schmerzalltag positiv beeinflussen.
Bestimmte Therapieformen können nur stationär oder ambulant in einer Schmerzambulanz durchgeführt werden. Neben der apparativen Voraussetzung müssen vor allem speziell geschulte Ärzte die Therapie ansetzen und überwachen. Wegen der vielfältigen Therapieformen wird sich das ärztliche Team einer Schmerzambulanz aus Experten verschiedener Fachrichtungen wie Anästhesie, Psychotherapie, Chirurgie, Orthopädie und weiterer zusammensetzen und sich an der Therapie beteiligen. Zur Verlaufs- und Erfolgskontrolle werden standardisierte Schmerzfragebögen, Schmerztagebücher und Verlaufsdokumentationsbögen eingesetzt, welche Sie auch zu Hause fortführen müssen.
Finden Sie den richtigen Therapeuten
Das größte Problem bei chronischen Schmerzen ist für den Patienten oft die fehlende fachärztliche Begleitung. Schätzungsweise werden etwa 40 Prozent der Schmerzpatienten nicht behandelt. Von den Patienten, die sich in ärztlicher Behandlung befinden, werden wiederum nur zwei Prozent einem speziell ausgebildeten Therapeuten vorgestellt. Viele Patienten leiden also mehr als nötig, weil ihre Schmerzen nicht individuell betreut werden. Wenn Sie den Eindruck haben, die Besuche bei Ihrem Hausarzt bringen Sie nicht weiter, Ihnen wird nicht geholfen oder Ihre Schmerzen werden nicht gezielt behandelt, wenden Sie sich an einen speziellen Schmerztherapeuten.