Über Schmerzformen, Schmerzgedächtnis und das Vererben von chronischen Schmerzen
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Wie stark der einzelne Mensch Schmerzen empfindet, ist offenbar genetisch festgelegt. Amerikanische Wissenschaftler der John Hopkins Medical Institutions haben ein Gen gefunden, welches das Schmerzempfinden steuert.
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Der Körper stellt selbst schmerzstillende Stoffe her, die wie Opiate wirken, sofern sie an speziellen Rezeptoren (Empfangsstationen) andocken können. Das Gen „Mu” sorgt für die Bildung solcher Rezeptoren. Je aktiver es ist, desto mehr Opiat-Rezeptoren stehen zur Verfügung, und desto besser können sowohl die körpereigenen als auch die als Schmerzmittel zugeführten Opiate wirken. Die Schmerzen werden also nicht so stark empfunden. In der Tat wiesen die Wissenschaftler eine unterschiedliche Anzahl solcher Rezeptoren in Menschenhirnen nach.
Die drei Grundtypen von Schmerz
Man unterscheidet – wie bei der akuten Schmerzsymptomatik auch – drei Grundtypen von Schmerzen:
- periphere Projektionsschmerzen (Trigeminusneuralgie, Sudeck-Syndrom, usw.)
- zentraler Schmerz (z. B. brennender Dauerschmerz nach einem Schlaganfall)
- Übertragungsschmerz (der Schaden eines inneren Organs projiziert sich als Schmerz auf ein bestimmtes Hautareal)
Die häufigsten Fehler, die bei der Behandlung von Schmerzpatienten auftreten, sind:
zu spätes Aufsuchen eines Schmerzspezialisten falsche oder zu niedrig dosierte Medikamente Bedarfsschmerzmedikation anstatt Dauerschmerzmedikation zur Prophylaxe unzureichende Kombination von verschiedenen Therapieverfahren zu später Einsatz von potenten Medikamenten (z. B. Psychopharmaka, Opiaten) Fehldiagnose der Schmerzform mit allen sich daraus entwickelnden Therapiefehlern fehlende Berücksichtigung der psychischen Anteile
Wie intensiv Sie Schmerz empfingen, wird maßgeblich von Ihren Lebensumständen bestimmt. Je entspannter Ihre Lebensumstände sind, also weniger Stress und keine Überbelastung, desto gelassener können Sie auch mit Schmerzen umgehen.
Der chronische Schmerz kennt charakteristische Schmerzformen
Ob ein Schmerz chronisch ist oder nicht, lässt sich grundsätzlich an der Schmerzform festmachen. Allerdings gibt es Schmerzformen, die besonders charakteristisch für dieses Krankheitsbild sind.
- Rückenschmerzen
- Kopfschmerzen (Migräne, Spannungs- und Clusterkopfschmerz)
- rheumatische Schmerzen (Arthritis, Fibromyalgie)
- Neuralgien (Trigeminusneuralgie, Gürtelrose)
- Tumorschmerzen (Hirntumore, Knochenmetastasen)
- degenerative Schmerzen (Osteoporose, Arthrose)
- Phantomschmerzen (nach Amputation, Plexusabriss)
Gibt es ein Schmerzgedächtnis?
Chronische Schmerzen sind kein natürlicher Zustand des Körpers, sondern eine Verselbstständigung von Nervenimpulsen. Sendet eine Nervenzelle zu lange und dauerhaft – beispielsweise nach einer Verletzung – einen Impuls an das Gehirn, verändert sich ihr Stoffwechsel. Ist schließlich kein Reiz mehr vorhanden, kann die Zelle nicht mehr abschalten und sendet die Impulse trotzdem.
Die Zelle hat eine Art Schmerzgedächtnis entwickelt. Zudem können viele Umwelteinflüsse wie Stress oder Wetteränderungen die Schmerzen auslösen oder verstärken. Oft sind auch verschiedene Schmerzformen bei einer chronischen Schmerzsymptomatik vereint. Dauert ein Schmerzgeschehen so lange, dass es sich verselbstständigt hat, handelt es sich um chronischen Schmerz. Die ursprüngliche Ursache des Schmerzgeschehens existiert nicht mehr.