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Chronische Schmerzen: Frühe Therapie für Kinder

In der Versorgung junger Schmerz-Patienten existieren laut einer Studie des Deutschen Kinderschmerzzentrums (DKSZ) Lücken. Etwa 350.000 Kinder und Jugendliche leiden in Deutschland unter chronischen Schmerzen.

Für die Studie werteten Forscher die Daten von 2249 Kindern und Jugendlichen (2005 bis 2010) aus. Den Ergebnissen zufolge standen die Patienten im Durchschnitt mit drei unterschiedlichen Ärzten in Kontakt, ehe sie sich im DKSZ vorstellten.

Mit zunehmendem Alter der Patienten stieg die Zeitdauer zwischen Schmerzbeginn und dem Aufsuchen der Spezialisten. Bei 15-Jährigen vergingen im Durchschnitt etwa vier Jahre bis zum Besuch im DKSZ. Rund 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben dauerhafte und sehr starke Schmerzen an. Das bedeute möglicherweise nur die „Spitze des Eisbergs“, schreiben die Autoren.

Je früher, desto wirksamer

„Je länger es dauert, bis man chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen effektiv behandelt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine nachhaltige Entwicklungsstörung. Die Patienten müssen dann massive Einbußen der Lebensqualität hinnehmen.“ Dies beschreibt Erstautor Professor Boris Zernikow, Chefarzt des DKSZ und Lehrstuhl-Inhaber an der Universität Witten/Herdecke.

„Es gibt wirksame Methoden, diese Schmerzen zu behandeln und den Kindern die Kontrolle zurück zu geben. Doch diese Aufgabe müssen geschulte Kinderärzte in einem möglichst frühen Krankheitsstadium übernehmen.“ Die Versorgungsstrukturen in Deutschland geben laut Zernikow eine kurzfristige, fachmännische und wohnortnahe Versorgung junger Schmerzpatienten in vielen Fällen nicht her.

Ständige Schmerzen

Viele der überwiegend weiblichen Patienten berichteten im DKSZ über tägliche oder dauerhafte Schmerzen. Dadurch waren sie in ihrem Alltag stark beeinträchtigt. Jedes vierte Kind verpasse aufgrund der Schmerzen mehr als ein Viertel des Schulunterrichtes. Ältere Kinder seien in der Regel stärker beeinträchtigt als jüngere.

Die meisten Kinder litten an Kopfschmerzen, gefolgt von funktionellen Bauchschmerzen und Schmerzen des Bewegungsapparates. Bei mehr als der Hälfte stellten Ärzte mindestens zwei unterschiedliche Schmerz-Diagnosen. Drei Viertel der Kinder nahmen zum Zeitpunkt der Erstvorstellung im DKSZSchmerzmedikamente ein.

Die Studie erlaubt nur begrenzte Aussagen. Trotzdem empfehlen die Autoren eine frühzeitige Behandlung der Kinder in einem Schmerz-Zentrum.

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