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Die wichtigsten Fakten zu ADHS

Inhaltsverzeichnis:

  1. Ursache unbekannt
  2. ADHS-Symptome bei Erwachsenen
  3. Sorgfältige Untersuchung der Beschwerden
  4. Machen Sie den Check: Leiden Sie unter ADHS?
  5. Wie Gesunde zu Patienten gemacht werden

Platzen Sie öfter in Gespräche hinein? Sind Sie ständig in Bewegung und nicht in der Lage, sich zu entspannen? Jeder hat gelegentlich mit diesen Problemen zu tun. Menschen, die jedoch ihr Leben lang davon betroffen sind, stuft man als ADHS-Patienten ein.

Die Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) tritt bei 3 bis 5 Prozent der Kinder auf. Bis vor kurzem waren die Wissenschaftler der Ansicht, dass die durch das Hyperaktivitätssyndrom verursachten Beschwerden im Laufe des Heranwachsens verschwinden. Neuere Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass zwei Drittel aller Kinder mit ADHS als Erwachsene weiterhin unter den Beschwerden leiden.

Tafel mit Aufschrift "AD(H)S" und Kreide© N Media Images – Fotolia

Ursache unbekannt

ADHS bezeichnet ein Syndrom, das hauptsächlich drei Beschwerden verursacht:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • impulsives Verhalten
  • überschüssige Energie (Hyperaktivität)

Es tritt oft in Zusammenhang mit Lernschwierigkeiten oder psychischen Störungen bzw. mit emotionalen Problemen auf. Dazu zählen etwa geringe Frustrationstoleranz, schwaches Selbstwertgefühl und soziale Anpassungsstörungen. Einige Patienten mit diesem Syndrom sind vorrangig unkonzentriert, also still, verträumt und geistig abwesend. Bei anderen herrschen Hyperaktivität und impulsives Verhalten vor. Wieder andere zeigen Merkmale beider Verhaltensstörungen.

Obwohl die Ursache für ADHS unbekannt ist, weisen die Erkenntnisse auf eine Funktionsstörung in den Gehirnbereichen hinter der Stirn hin. Dort sitzt das Steuerzentrum für das Verhalten. Bei Patienten mit diesem Leiden kann eine mangelhafte Stoffwechselaktivität vorhanden sein oder ein Mangel an bestimmten chemischen Substanzen im Gehirn (Neurotransmittern) vorliegen. Experten stimmen darin überein, dass das Hyperaktivitätssyndrom im Allgemeinen erblich bedingt ist. 30 bis 40 Prozent der Erwachsenen mit ADHS haben Kinder mit diesem Syndrom. Dieses Leiden wird zwei- bis dreimal häufiger bei Männern als bei Frauen diagnostiziert.

ADHS-Symptome bei Erwachsenen

Woran denken Sie, wenn Sie den Begriff „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätssyndrom“ hören? Wahrscheinlich an Kinder. Doch die Krankheit betrifft auch Erwachsene. Über die Hälfte der Kinder mit ADHS müssen damit rechnen, als Erwachsene mit ADHS leben zu müssen. Laut dem Deutschen Ärzteblatt sind das etwa 1,3 bis 4,7 Prozent aller Erwachsenen.

ADHS im Erwachsenenalter ist seit 1995 bekannt und seit 2003 in Deutschland als Krankheit anerkannt. Leider gibt es eine Reihe von Erwachsenen, bei denen man diese Störung niemals feststellte. Diese Erwachsenen laufen Gefahr, Ärger im Berufsleben und in ihren privaten Beziehungen zu bekommen. Das Erkennen und Behandeln der ADHS verbessert den Alltag der Betroffenen unter Umständen dramatisch. Das Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätssyndrom gilt im Allgemeinen als dauerhaft und begleitet Betroffene in der Regel ein Leben lang. Dies sind versteckte Hinweise bei Erwachsenen:

  • schulische Abschlüsse oder berufliche Leistungen, die hinter den Erwartungen zurückstehen
  • ungleichmäßige berufliche Leistungen, die zu häufigen Kündigungen führen
  • Schwierigkeiten mit der Bewältigung täglicher Aufgaben, zum Beispiel rechtzeitiges Bezahlen von Rechnungen oder andere Tätigkeiten im Haushalt
  • Beziehungsschwierigkeiten, die mit Vergesslichkeit, Reizbarkeit oder dem Nicht-Ausführen kleiner Aufgaben zusammenhängen

Worauf Sie achten sollten

Wenn ADHS bis in das Erwachsenendasein andauert, fallen die Symptome meist weniger auf als bei Kindern. Bei Erwachsenen zeigt sich die neurologische Störung in den meisten Fällen durch eines von zwei Symptomen, manchmal beide:

  1. Unaufmerksamkeit: Sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, stellt für Betroffene eine große Herausforderung dar. Die Organisation der täglichen Arbeit (sogar zu Hause), das Befolgen von Instruktionen oder der Abschluss eines Projektes fällt diesen Menschen viel schwieriger als Nichtbetroffenen.
  2. Übermäßiges Aktivitätsniveau und schwierig zu kontrollierende Impulse: Erwachsene mit ADHS sind wahrscheinlich nicht so aktiv wie betroffene Kinder. Stattdessen leiden viele erwachsene ADHS-Betroffene unter Gefühlen wie Ruhelosigkeit und Anspannung. Ebenso herrscht eventuell das Gefühl vor, dass man immer in Bewegung bleiben und mit zu vielen Pflichten umgehen muss. Manchmal tendieren die Betroffenen zu unüberlegten Handlungen und sagen oder tun etwas, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken. Impulsivität äußert sich als Ungeduld oder Stimmungsschwankung, in cholerischen Anfällen oder in Beziehungsproblemen.

Sorgfältige Untersuchung der Beschwerden

ADHS bezeichnet keine Krankheit, die man urplötzlich bekommt. Sie liegt bereits seit der Kindheit latent vor. Viele Erwachsene äußern erstmals den Verdacht, dass ihre Beschwerden von einem Hyperaktivitätssyndrom herrühren, wenn man diese Erkrankung bei ihren eigenen Kindern oder Enkelkindern diagnostiziert. Um andere Erklärungen für unklare Beschwerden auszuschließen, sollte ein Neurologe oder Psychiater, der dieses Syndrom regelmäßig diagnostiziert und behandelt, eine sorgfältige Untersuchung vornehmen. Diese besteht in der Regel aus Gesprächen und einer ausführlichen medizinischen und verhaltensmäßigen Anamnese. Man zieht den schulischen und beruflichen Werdegang möglicherweise als Hinweis für bestimmtes Verhalten in der Vergangenheit heran.

Einige Experten setzen Tests ein, welche die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit objektiv messen. Diagnostiziert man ein Hyperaktivitätssyndrom, kommen üblicherweise zur Therapie Antidepressiva oder stimulierende Medikamente zum Einsatz. Diese steigern die Aufmerksamkeit und die Stimmung. Psychologische Beratung und Zeitmanagement helfen den Erwachsenen, mit ihrer Erkrankung umzugehen. Bei vielen Erwachsenen mit ADHS tritt Alkoholismus oder der Missbrauch anderer Drogen aus. Wenn der Patient die Auswirkungen dieser Störung versteht und den Umgang damit lernt, reduziert er unter Umständen die Abhängigkeit. Es sind jedoch noch intensivere Forschungen erforderlich, um die Reichweite dieser Erkrankung beim Erwachsenen abzuschätzen und ursächliche Behandlungsmethoden dafür zu entwickeln.

Machen Sie den Check: Leiden Sie unter ADHS?

Das sind typische Verhaltensweisen von ADHS-Betoffenen:

  • Ihre Aufmerksamkeit verflüchtigt sich schnell, das Interesse wechselt oft in Sekundenschnelle.
  • Sie handeln, ohne nachzudenken.
  • Sie können nicht zuhören.
  • Es fällt Ihnen schwer, sich an Abmachungen zu halten
  • Sie können nicht abwarten.
  • Sie sind entweder extrem zappelig oder verträumt und schauen häufig Löcher in die Luft.
  • Sie sind unheimlich begeisterungsfähig, halten aber nicht lange durch.
  • Alltägliches und was sie nicht interessiert vergessen sie schnell.
  • Sie verlieren häufig etwas.
  • Sie finden häufig Dinge an den unmöglichsten Stellen wieder, beispielsweise Sektglas im Kühlschrank, Strumpfhose im Handschuhfach, Handy im Kühlschrank.
  • Sie lassen alles da liegen, wo Sie sich das letzte Mal damit beschäftigt haben.
  • Sie ermüden oft schlagartig.
  • Sie können nicht richtig genießen, weil Sie sich nicht konzentrieren können.
  • Sie machen sich oft unnötige Sorgen und können nicht richtig abschalten.
  • Sie sind schnell ausgepowert und gestresst.
  • Sie können sich schlecht in andere Menschen hinein versetzen.
  • Sie haben wenig Überblick, einen Hang zum Chaos und können sich nicht gut organisieren.
  • Sie können nicht im Voraus planen.
  • Sie sind schnell reizbar, es tut Ihnen aber auch schnell wieder leid.
  • Sie haben ständig zu wenig Zeit für sich und die Familie, Sie verlieren sich häufig in unwichtigen Arbeiten.
  • Sie sind sehr eigensinnig, möchten stets ihren Willen durchsetzen.
  • Sie können endlos über Kleinigkeitgen diskutieren.
  • Sie sind kaum in der Lage, selbständig zu arbeiten, denn ihnen fehlt die Strategie und Sie schieben alles auf die lange Bank.
  • Wenn Sie reden und arbeiten, verlieren Sie schnell den roten Faden.
  • Sie merken nicht, wie es Ihren Mitmenschen geht.
  • Sie sind schnell gereizt, können cholerisch werden oder leicht deprimiert. Allerdings wechseln diese Stimmungen auch schnell wieder.

Wie Gesunde zu Patienten gemacht werden

Als Vater der Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung ADHS gilt der 2009 verstorbene Psychiater Leon Eisenberg. Vor seinem Tod sprach er jedoch davon, dass die Krankheit „konstruiert“ sei. Dennoch nimmt einem Bericht der Barmer Krankenkasse BEK aus dem Jahr 2013 zufolge die Anzahl der entsprechenden Diagnosen bei Jungen immer stärker zu.

Die Bundesärztekammer geht von bis zu 700.000 betroffenen Patienten aus. Ein lukratives Geschäft: Die Barmer schätzt, dass inzwischen mindestens 10 Prozent aller Jungen der Wirkstoff Methylphenidat (Ritalin) gegen die angebliche Krankheit ärztlich verordnet wird.

Ärztin macht Zungenabstrich bei Jungen© Dan Race – Fotolia

Kindliche Trotzphasen gelten als behandlungsbedürftig

Doch nun führt das psychologische Handbuch eine Krankheit auf, die es bisher noch nicht gab: DMDD (Dyruptive Mood Dysregulation Disorder). Mit dieser Diagnose werden Kinder und Jugendliche „bedacht“, die zu heftigen Wutausbrüchen neigen und vor Zorn um sich schlagen können. Doch Kritiker melden Bedenken an, dass durch diese neue Modekrankheit unzählige junge Menschen mit Medikamenten vollgestopft werden, die eigentlich gesund sind. Eine aktuelle Studie der Universität von Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania mit mehr als 700 Kindern hat soeben nachgewiesen, dass die im Handbuch beschriebene Diagnose auf jedes vierte Kind passt.

Hinterfragen Sie es kritisch, wenn Ihnen oder Ihren Kindern und Enkeln ein Arzt aufgrund einer neuen Diagnose oder niedrig angesetzter Normwerte Medikamente verordnen möchte. Lassen Sie sich nicht zum „Goldesel“ der Pharmaindustrie machen und holen Sie sich zumindest eine zweite Meinung ein.

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