Neue Hilfe aus der Gehirnforschung gegen Burnout und schwere Seelenkrisen
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell zum Thema Burnout-Syndrom
vom 20.09.2007 06:00 Uhr
GNL5356
Natürlich von Tag zu Tag, Einfälle und Ausfälle
„Die neue Medizin der Emotionen“ hat der Autor David Servan-Schreiber sein Buch über eine kleine Sensation in der Psychotherapie genannt. Mit Hilfe der neuen Therapiemethode EMDR lassen sich seelische Probleme häufig schneller heilen als mit klassischen Mitteln. Hinter dem Kürzel versteckt sich der englische Begriff Eyemovement Desensilization and Reprocessing - was soviel bedeutet wie Desensibilisierung und Neuverarbeitung durch Augenbewegungen. Diese Methode hilft nach Aussagen von Experten Menschen vor allem nach traumatischen Erlebnissen wie etwa einer Fehlgeburt, einem Todesfall, einer schweren Erkrankung oder dem Verlust des Arbeitsplatzes. Auch bei einem Burnout kann sie sinnvoll sein. Sie wurde vor einigen Jahren am Mental Research Institut in Kalifornien von der Psychologin Francine Shapiro entwickelt. Inzwischen gibt es bereits einige EMDR-Therapeuten in der Bundesrepublik.
Grundlage dieser neuen medizinischen Richtung sind die Erkenntnisse der Hirnforschung: Jeder Mensch hat zwei Gehirnhälften, mit denen er unterschiedliche Dinge steuert. Die eine Hälfte ist für die Gefühle zuständig, die andere für den Verstand. Wir fühlen uns am wohlsten, wenn die beiden Hälften einträchtig miteinander funktionieren. Normaler Stress perlt an uns ab und kleinere Krisen meistern wir souverän. Doch passiert uns etwas Gravierendes, greift unser Hirn zu einer Notfallmaßnahme: Es schaltet den Verstand einfach ab und lässt die Gefühle walten. Das führt jedoch leider dazu, dass wir uns und die Situation nicht mehr unter Kontrolle haben.
Wohlmeinende Ratschläge helfen Ihnen in Psychokrisen am wenigsten
Das ist meist der Zeitpunkt, an dem uns wohlmeinende Freunde mit guten Ratschlägen à la „Die Zeit heilt alle Wunden!“ versehen. Wer etwas älter ist, weiß zwar aus eigener Erfahrung, dass dieser Spruch durchaus seine Gültigkeit hat, doch in der Not hilft uns dieses Wissen gar nichts, denn wir spüren es nicht. Die Gefühle lassen sich nichts einreden, und der Verstand ist ausgeschaltet. Gleichzeitig schämen sich viele Menschen dafür, dass sie es in diesem Moment „einfach nicht schaffen, sich wie ein normaler Mensch zu benehmen“. Doch sie tun eben genau dieses, denn jeder „normale Mensch“, dessen Gehirn gesund ist, reagiert so. Dafür ist der so genannte Mandelkern – die Amygdala - in unserer Gefühlszentrale, dem limbischen System, verantwortlich.
Im Mandelkern sind alle unsere gefühlsmäßigen Erinnerungen unauslöschbar gespeichert. Sie lassen sich durch nichts beeinflussen, sie lassen sich nicht aus uns herausheulen, nicht fort diskutieren, nicht totschweigen, nicht durch einen Wutanfall beseitigen – ob sie gut sind oder schlecht, sie sind unsere treuen lebenslänglichen Begleiter.
Mit den Augen die Gehirnhälften synchronisieren
Hier setzt EMDR an: Über die Augen, die Haut und durch den Magen soll unser emotionales Gehirn in der Krise beruhigt werden. Die Methode klingt einfach, ihre Wirkung ist dagegen schwer zu erklären: Die Therapeutin oder der Therapeut bewegt seine Hand vor Ihren Augen schnell hin und her, von links nach rechts. Während Sie der Hand folgen, denken Sie intensiv an das, was Sie bewegt. Manchmal tippt der Therapeut abwechselnd die Hände an oder schnippst laut mit den Fingern vor den Ohren. Dadurch sollen beide Gehirnhälften gleichsam aktiviert werden und die Gefühle sollen wieder Kontakt zum Verstand aufnehmen. Detail für Detail geht der Therapeut mit Ihnen das traumatische Erlebnis durch.
Bekannt ist, dass wir ähnliche Augenbewegungen auch im Tiefschlaf machen. Dadurch verknüpfen über die Nervenbahnen neue gute Gefühle an ein negatives Ereignis und verarbeiten so des Nächtens den Tag. Bei großen psychischen Belastungen gelingt uns das nicht mehr. Die Hand des Therapeuten in der EMDR-Sitzung ahmt die nächtlichen Augenbewegungen nach und soll so die Selbstheilung des Gehirns ankurbeln. Wie das genau funktioniert, können die Forscher bislang jedoch noch nicht erklären. Die Augenbewegungen scheinen die beiden Gehirnhälften wieder in Verbindung zu bringen. Die traumatischen Gefühle können aus ihrer Starre aufgelöst werden. Auf jeden Fall soll sich in etlichen Fällen bereits nach ein bis zwei Sitzungen eine Besserung einstellen. Das sind immerhin die Erkenntnisse der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde.
Wie sehen Sie das ?
P. S: Es gibt einige Therapeuten, die dieses neue Verfahren anbieten. Sie sollten über ein EMDR-Zertifikat verfügen. Am Besten fragen Sie danach. Beratung und Listen von Therapeuten bietet das EMDR-Institut Deutschland an: