Neue Forschungsergebnisse, die Ihnen gegen Diabetes helfen
Dr. Dietmar Kowertz in Täglich Gesund zum Thema Diabetes Mellitus
vom 21. April 2009, 16:00 Uhr
GNL5356
6 Millionen Deutsche, davon rund die Hälfte über 60 Jahre alt, sind betroffen. Sie leiden an einer Krankheit, die zur gefährlichsten nicht ansteckenden, erdumspannenden Epidemie geworden ist und sich immer weiter ausbreitet. Weltweit sind derzeit 250 Millionen Menschen an Diabetes Typ II erkrankt, im Jahre 2025 werden es sogar 380 Millionen sein. Viele, denen ihr Arzt die entsprechende Diagnose stellt, haben zwar den festen Willen, die Erkrankung ohne Medikamente in den Griff zu bekommen, z.B. durch Änderung ihrer Ernährungsgewohnheiten, Reduktion von Übergewicht und mehr Bewegung. Doch das ist nicht so einfach. Von 100 Erkrankten schaffen es bisher im Schnitt nur drei, ihre Lebensweise auf Dauer an die Stoffwechselstörung anzupassen und unabhängig von Medikamenten zu bleiben.
Neueste Forschungen haben nun einfachere und dennoch wirkungsvolle Wege aufgezeigt, wie man diese Krankheit kontrollieren und im besten Fall sogar rückgängig machen kann. Wie diese aussehen, erfuhr BENEFIT von Prof. Anne Peters, Diabetes-Medizinerin und Buchautorin in Kalifornien.
Diabetes entsteht, wenn die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Insulin zur Regelung des Blutzuckerspiegels produziert oder das Insulin nicht in die Körperzellen gelangt. Der Blutzuckerspiegel steigt an. Liegt er oberhalb von 125 mg/dl, spricht man von einer Diabeteserkrankung. Werte zwischen 100 und 125 mg/dl stuft der Arzt als Prädiabetes, also als Vorstufe zur Diabetes, ein (jeweils nüchtern gemessen, acht Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme). Diabetes und Prädiabetes haben für unseren Organismus verheerende Folgen: Der hohe Blutzuckerspiegel schädigt auf Dauer die Blutgefäße. Dadurch erhöht sich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um das Zwei- bis Vierfache. Diabetes ist die Hauptursache für Erblindung - verursacht durch schadhafte Blutgefäße, die die Augen versorgen. Schließlich führt Diabetes nicht selten zu Amputationen der unteren Gliedmaßen als Folge schlechter Durchblutung und oft im Zusammenhang mit chronischem Fußkrebs.
Vorbeugende Maßnahmen sind jetzt leichter einzuhalten als bisher
Wie oft haben Sie schon die bekannten Ratschläge gelesen, dass man Diabetes mit Ernährungsumstellung, regelmäßiger Bewegung und Vermeiden von Stress in den Griff bekommen kann. Alles richtig, doch die konsequente Umsetzung dieser Ratschläge stellt sich im täglichen Leben als kaum praktikabel heraus. Doch nun zeigen jüngste Forschungsergebnisse neue Wege auf, mit denen diese Ratschläge einfacher als je zuvor einzuhalten sind.
Streben Sie Ihr Normalgewicht an, bzw. bauen Sie Übergewicht ab
Das Risiko für Diabetes sinkt mit jedem Kilo Übergewicht, das Sie abspecken, um 16 %! Um abzuspecken, gesund zu bleiben und die Blutzuckerwerte in den Griff zu bekommen, empfiehlt Prof. Peters Ihnen eine fettarme, vegane Ernährung, d.h. Verzicht auf Fisch, Fleisch, Milchprodukte und Eier zu Gunsten von Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. In einer Studie wurden 99 Diabetiker in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine ernährte sich nach den Richtlinien der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft, die andere nahm eine fett- und zuckerarme vegane Diät zu sich. Nach 22 Wochen hatten die Patienten, die sich vegan ernährt hatten, im Schnitt je 6,4 Kilogramm abgenommen, die andere Gruppe nur je 3,1 Kilogramm. Die vegane Gruppe hatte zudem geringere Blutzucker- und LDL-Cholesterinwerte und benötigte weniger Medikamente.
Ebenfalls hilfreich, wenn Ihnen die vegane Ernährung nicht zusagt: Ersetzen Sie eine oder zwei Hauptmahlzeiten am Tag durch eine kalorienreduzierte Zwischenmahlzeit. Auch dazu gibt es eine medizinische Studie: 104 Diabetiker nahmen 34 Wochen lang an einem Abnehmprogramm nach den Richtlinien der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft teil, 52 ersetzten ihre Hauptmahlzeiten durch kalorienreduzierte Zwischenmahlzeiten.
Zum Ende der Studie hatte letztere Gruppe doppelt so viel Gewicht verloren wie die andere und konnte sich über wesentlich niedrigere Blutzuckerwerte freuen. Wie auch immer Sie an Ihr Gewichtsproblem herangehen, beachten Sie diese Prinzipien gesunder Ernährung:
- Minimieren Sie den Verzehr von leeren Kohlenhydraten (Weizenmehl, Zucker) sowie von Stärke (Kartoffeln, Nudeln, weißer Reis).
- Bevorzugen Sie stattdessen Gemüse (speziell Hülsenfrüchte), Früchte und Vollkornprodukte. Sie können sich auch Rat bei einem Diät- oder Ernährungsberater holen (Gelbe Seiten) und sich einen individuellen Speiseplan aufstellen lassen.
- Essen Sie ausgewogen: Die Hälfte der Kalorien sollte aus Gemüse und Salat stammen, ein Viertel aus Getreide sowie ein Viertel aus Eiweiß und Fett. Beispiel für eine Mittagsmahlzeit: ein großer grüner Salat, eine halbe Tasse brauner Reis und 60 Gramm Fisch.
So bringen Sie sich in Schwung
In vielen Untersuchungen wurde festgestellt, dass Diabetiker, die sich regelmäßig bewegen, durchweg niedrigere Blutzuckerwerte haben, als solche, die nichts oder wenig für ihre körperliche Fitness tun. Vier- bis fünfmal in der Woche sollten Sie jeweils 30 bis 45 Minuten Ihren Kreislauf in Schwung bringen, z.B. durch strammes Spazierengehen, Nordic Walking, Radfahren oder Schwimmen. Zusätzlich sollten Sie an einem oder zwei Tagen pro Woche 15 Minuten Krafttraining machen, z.B. mit Hanteln. Beides dient dazu, dass Ihr Körper das Insulin effizienter verwerten kann. In einer im September 2007 in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine veröffentlichten Studie an 251 Diabetikern wurden durch diese Kombination aus Bewegungs- und Krafttraining die Blutzuckerwerte am wirkungsvollsten gesenkt.