Neu: Psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 28. Juli 2011, 06:00 Uhr
GNL5356
einen pflegebedürftigen Menschen zu Hause zu betreuen, ist eine anspruchsvolle und anstrengende Arbeit. Ich weiß, wovon ich rede. Allzu leicht überschätzen pflegende Angehörige dabei ihre Kräfte und erkennen die Überforderung erst, wenn sie selbst eindeutige Krankheitssymptome zeigen. Daher können pflegende Angehörige an ihre eigenen Grenzen gelangen. Damit es nicht so weit kommt, wurde das in Deutschland bislang einzigartige Modellprojekt pflegen-und-leben.de ins Leben gerufen. Kernstück der neuen Internetplattform ( http://www.pflegen-und-leben.de ) ist eine persönliche psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige bei seelischer Belastung - anonym und kostenfrei.
Das Projekt pflegen-und-leben.de wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Der Zugang zur Online-Beratung ist einfach: Nach der Einrichtung eines anonymen Benutzerkontos auf der Internetplattform pflegen-und-leben.de können pflegende Angehörige ihre Fragen und Sorgen direkt und datensicher an das speziell geschulte Psychologinnen- und Psychologen-Team richten, das zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Kostenfrei wird mit den Ratsuchenden an individuellen Lösungen gearbeitet, die den seelischen Druck aus dem Pflegealltag nehmen.
So hilfreich diese Plattform im Einzelfall auch sein kann, so ist sie dennoch meines Erachtens vor allem ein Feigenblatt der Politik, die auf die steigenden Pflegekosten keine Antwort hat. Die Politik bekommt den Bereich Pflege nicht in den Griff oder interessiert sich auch nicht dafür. Es fehlt das Geld, die billigen Pflegekräfte und der Wille zur Umsetzung. Hilfe für Griechenland scheint wichtiger als unsere Menschen, die gepflegt werden müssen. So kann es ihr nur recht sein, wenn möglichst viele Familienangehörige die Pflege von kranken und alten Menschen selbst übernehmen, und das mit allen Konsequenzen.
Wie sehen Sie das? Schreiben Sie mir!
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wilfried Exner (28.07. 2011 11:56 Uhr):
Guten Tag Frau Schneider, ich kann Ihnen nur zustimmen. Sicher ist es wichtig, anderen Staaten zu helfen, wenn sie in Not sind, aber warum muß Deutschland immer die größte last tragen? Wie sie richtig sagen, gibt es im eigenen Land genug "Baustellen" um die man sich kümmern sollte, wie z.B. die Pflege kranker und alter Menschen. Meine Frau hat lange Zeit meine Mutter gepflegt, bis unser damaliger Hausarzt gesagt hat, daß es nicht mehr so weitergeht. Danach ist 2 mal am Tag ein Pflegedienst gekommen. In der Zwischenzeit mußte meine Frau sich trotzdem um meine Mutter kümmern. Das war ganz zum Schluß besonders belastend, weil meine Mutter nur noch Bettlägerig war. Ich weiß bis heute nicht, wie meine Frau das geschafft hat, zumal unsere Kinder noch relativ klein waren. Sie hat sich bis heute noch nicht richtig davon erholt, obwohl es schon 13 Jahre her ist. An dieser Stelle möchte ich Ihnen für Ihre interessanten Artikel danken. Machen sie weiter so!!! Viele Grüße in das schönste Bundesland der Welt von Wilfried Exner
Antworten - Kommentar von Frau VolckmannBolt (28.07. 2011 17:05 Uhr):
Ich schätze diese Artikel und Initiative sehr. Wir brauchen es!! Was ist, wenn man selbst chronisch krank ist und hat keine mit-lebenden Angehörigen zur Hand oder Freunde mit wen man vertraulich reden kann und die Ratgeben können??
Antworten - Kommentar von Elisanna G Lennert (01.08. 2011 10:53 Uhr):
Sehr geehrte Frau Schneider, es ist jenseits aller Worte, was in Deutschland mit pflegebedürftigen Menschen geschieht. Doch unterscheidet sich die Art, wie weggeguckt und nicht reagiert wird, in gar keiner Weise von unzähligen anderen Gebieten, wo genauso verfahren wird. Allein innerhalb unseres Gesundheitssystems sind die Ungerechtigkeiten und zugefügten Schäden ungeheuerlich und übersteigen das Vorstellungsvermögen. Aber wissen Sie, was mich - übrigens als persönlich schwer Betroffene - immer außerordentlich wundert? Das große Schweigen der demokratisch und via Internet mit besten Möglichkeiten ausgestatteten Öffentlichkeit /Bevölkerung! Was für ein Energieaufwand an Protest gegen Stuttgart 21 (den ich großartig finde)! - Wo aber bleibt der Protest, der in tausendundeiner Form erfunden werden könnte und MÜSSTE, gegen die von Journalisten regelmäßig berichteten Notstände von Menschen und Menschengruppen, die sich allein nicht wehren können? Das gilt nicht nur für's Inland, sondern ganz genau so für das, was "wir" aufgrund unserer Art zu wirtschaften, Menschen antun in anderen Ländern, vornehmlich in Schwellenländern, in Asien, und natürlich in Afrika. Wissen Sie, wie der Chemiekonzern Bayer mit seinen Arbeitern in Asien umgeht, die ohne Information zu den hochgiftigen Mitteln bleiben, mit denen sie tagtäglich schutzlos arbeiten, und die natürlich erkranken, ohne dass diese Krnkaheit irgendeine Relevanz hat? Ganz sicher wissen Sie, dass "wir" unsere Überschusswaren in Afrika verramschen und exakt dadurch dort die Preise kaputt machen und Kleinbauern in den Ruin, viele in die Slums, viele in den Hunger, viele, vornehmlich Kinder, in den Tod treiben. USW.USW.USW.USW.USW.... Was unterscheidet unsere kollektive Verantwortung heute hinsichtlich solcher ungeheuerlicher, jahrzehntelang schweigend praktizierter und jahrzehntelang bekannter Unmenschlichkeiten - was unterscheidet unsere heutige Verantwortung von der Verantwortung der deutschen Bevölkerung im Nazionalsozialismus, die wir oft so lautstark einfordern, für ihre Mitmenschen einzustehen? Ein Unterschied ist, wir könnten es gefahrloser tun. Und doch geschieht nichts. Zumindest keine große, laute, anhaltende und deshalb wirksame Protestaktion. Die Folge, die ich zu erkennen meine: Der Markt macht es uns nach. Die Unverantwortlichkeit, die sich in den Finanzmarktpraktiken zeigt und die unsere ganz großen Krisen produziert, ist einfach ein Vergrößerungsspiegel unserer kollektiv praktizierten Unverantwortlichkeit, unserer ganz großen Gleichgültikeit und Resignation, unserer Entscheidung, wenn nicht wegzugucken, so doch vor uns selbst unsere Nichtzuständigkeit erklärend zu schweigen. Wie sehen Sie das? Ich bin selbst sehr schwer chronisch krank und pflege meinen demenzkranken Vater mit Pfegestufe. Es gibt bei mir persönlich keine andere Lösung, weil meine Krankheit zu denen gehört, die in Deutschland schulmedizinisch und somit automatisch gesamtgesellschaftlich keinerlei "Existenzrecht" besitzen, Sie wird als Fakt perfide ausradiert, uminterpretiert, bleibt folglich in den Fällen von Betroffenheit meistens sehr lange unentdeckt, sie bleibt unerforscht und so gut wie immer unbehandelt. Mittelalterstatus. Ich grüße Sie herzlich und mit viel Dank für Ihre wunderbaren E-Maildienste. Elisanna G. Lennert
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