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Umckaloabo: Was kann das ,,natürliche Antibiotikum“?

Unter den pflanzlichen Mitteln gegen Erkältungskrankheiten hat sich in letzter Zeit ein Präparat mit dem Namen Umckaloabo einen Spitzenplatz erobert. Heute werden davon in Deutschland pro Jahr 4,1 Mio. Packungen im Gesamtwert von 55 Mio. verkauft ­ mit steigender Tendenz.

Grund dafür ist vor allem eine geschickte Werbekampagne des Herstellers. So wurden z. B. Fernsehsender dafür bezahlt, dass sie positiv über das Mittel berichten. Solche Praktiken waren bisher vor allem von großen Pharma-Firmen bekannt. Doch im harten Konkurrenzkampf sehen sich nun auch eher mittelständische Hersteller pflanzlicher Präparate gezwungen, zu unlauteren Mitteln zu greifen.

Wir haben für Sie hinter den Nebelvorhang von PR und Werbung geschaut, um herauszufinden, welche Heilwirkungen Sie von Umckaloabo wirklich erwarten können.

Schon die Zulus nutzten die Pflanze bei Erkältungen

Umckaloabo wird aus dem Extrakt der knolligen Wurzel einer in Afrika vorkommenden Geranienart (Pelargonium sedoides) hergestellt. In Deutschland wird die Pflanze auch als Kapland-Pelargonie bezeichnet. Die einheimischen Zulus nutzten den in ihrer Sprache als ,,Umckaloabo“ (zu Deutsch: ,,schwerer Husten“) bezeichneten Extrakt gegen Husten und Atemwegsinfekte.

Das sind die Anwendungsgebiete von Umckaloabo:

  • Erkältungen
  • Husten und Heiserkeit
  • Bronchitis
  • Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis)
  • Mandelentzündungen

Die Wirkung der Pflanze beruht darauf, dass sie die Anheftung von Bakterien an die Schleimhautzellen erschwert. Das wurde u. a. in Zellkulturexperimenten nachgewiesen. Außerdem fördert sie die Schleimbildung, sodass sie auch gegen Virusinfekte (darauf beruhen die meisten Erkältungen) wirksam sein könnte.

Studie belegt die Wirkung bei Bronchitis

Wissenschaftler der Universität Freiburg haben im Jahr 2003 die Wirksamkeit des Mittels an über 460 Patienten mit Bronchitis überprüft. Diese erhielten sieben Tage lang entweder Umckaloabo oder ein Scheinmedikament (Placebo). Das Mittel konnte die Schwere der Symptome ­ vor allem den trockenen Husten ­ um etwa 70 % zurückdrängen. In der Placebo-Gruppe gingen die Symptome jedoch auch um etwa 40 % zurück. Daraus können Sie ersehen, dass das Mittel durchaus einen gewissen positiven Effekt hat. Sie sollten aber auf keinen Fall Wunder erwarten.

Auch bei der Behandlung von Mandelentzündungen wurden Untersuchungen mit ähnlichen Erfolgsraten durchgeführt. Zu allen anderen Anwendungsgebieten ­ wie Erkältungen oder Husten ­ fehlen dagegen bisher wissenschaftliche Studien.

Viel versprechendes Präparat mit dubioser Werbung

Negativ aufgefallen ist der Hersteller von Umckaloabo durch eine etwas dubiose Marketingstrategie. Offizielle Werbung in Zeitschriften und Fernsehen ist absolut legitim. Doch wie im September 2005 ans Tageslicht kam, hat die Firma z. B. dem SAT-1-Frühstücksfernsehen verdeckt 20.000 Euro (!) für einen redaktionellen Beitrag bezahlt, in dem ein von der Firma vermittelter ,,neutraler“ Mediziner den Zuschauern das Mittel wärmstens ans Herz legte. Hier ist die Grenze zur seriösen Information ­ sowohl vom Hersteller als auch vom Sender ­ deutlich überschritten. Das Geld wäre besser in Studien angelegt gewesen, die die ersten positiven wissenschaftlichen Erkenntnisse weiter erhärtet hätten. Dennoch spricht nichts dagegen, Umckaloabo bei Bronchitis oder leichten Mandelentzündungen einmal auszuprobieren.

So wenden Sie Umckaloabo an

Einnahmehinweise: Das Arzneimittel ist in Form von Tropfen in Apotheken erhältlich (20 ml kosten 9,30 Euro, 50 ml 18,70 ). Pro Tag sollten Sie während eines akuten Infektes 3-mal 20 bis 30 Tropfen einnehmen. Das sind pro Tag etwa 3 bis 5 ml.

Nebenwirkungen: Das in Umckaloabo enthaltene Cumarin kann die Blutgerinnung hemmen, daher sollten Sie das Präparat bei Blutgerinnungsstörungen und bei Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (z. B. Marcumar ®) nicht anwenden. Als weitere gelegentliche Nebenwirkungen wurden beschrieben: Hautreaktionen, Erbrechen, Übelkeit, Verstopfung oder Muskelschmerzen.

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