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Grundlagenwissen zum Thema Umckaloabo

Es gilt als das neue pflanzliche „Wundermittel“ gegen Erkältungen. Aber vieles, was die Medien in letzter Zeit über Umckaloabo berichteten, entpuppte sich als vom Hersteller bezahlte Schleichwerbung. Das Mittel hat solche unlauteren Methoden nicht nötig: Erste Studienergebnisse deuten an, dass es Ihnen bei Bronchitis oder Mandelentzündungen tatsächlich hilft.

Was kann das „Wundermittel“ wirklich?

Unter den pflanzlichen Mitteln gegen Erkältungskrankheiten eroberte sich in letzter Zeit ein Präparat mit dem Namen Umckaloabo einen Spitzenplatz. Heute verkaufen sich davon in Deutschland pro Jahr 4,1 Millionen Packungen im Gesamtwert von 55 Millionen Euro – mit steigender Tendenz. Grund dafür ist vor allem eine geschickte Werbekampagne des Herstellers. So wurden beispielsweise Fernsehsender dafür bezahlt, dass sie positiv über das Mittel berichten. Solche Praktiken waren bisher vor allem von großen Pharma-Firmen bekannt. Doch im harten Konkurrenzkampf sehen sich nun auch eher mittelständische Hersteller pflanzlicher Präparate gezwungen, zu unlauteren Mitteln zu greifen.

1897 reiste ein lungenkranker Engländer nach Südafrika, weil sein Arzt ihm von einer Wunderpflanze erzählte, die ihn heilen könnte. Von den pflanzenkundigen Zulus erfuhr er dort, dass eine Abkochung der Wurzeln einer bestimmten Pflanze seine Leiden lindern könne. Diese Pflanze war die Kapland-Pelargonie, deren medizinische Wirksamkeit erst mehr als 100 Jahre später von Wissenschaftlern entschlüsselt wurde. Nach heutigem Wissensstand sind die wirksamsten Inhaltsstoffe wohl bestimmte Gerbstoffe und die Kombination weiterer Substanzen.

Medizinisch wirksame Inhaltsstoffe der Wurzeln

  • ätherisches Öl
  • Polysterole
  • Cumarine
  • Flavonoide

Das „natürliche Antibiotikum“

Umckaloabo ist ein ethanolischer (in Alkohol gelöster) Extrakt, den man aus den knolligen Wurzeln der südafrikanischen Geranienart Pelargonium reniforme sidoises gewinnt. In Deutschland bezeichnet man die Pflanze auch als Kapland-Pelargonie. Die einheimischen Zulus nutzten den in ihrer Sprache als „Umckaloabo“ (schwerer Husten) bezeichneten Extrakt gegen Husten und Atemwegsinfekte. Man setzt sie heute als Heilpflanze insbesondere bei fiebrigen Durchfallerkrankungen und bei der Behandlung von Haustieren ein.

Der Siegeszug in die deutschen Apotheken begann in den 1970-er Jahren, denn seit dieser Zeit konnten Studien die Wirksamkeit der Wurzelextrakte nachweisen. Der Pelargonium-Extrakt wirkt schwach antibakteriell, antiviral, zytoprotektiv und steigert die Abwehrkräfte so, dass es die Vermehrung der Keime hemmen kann. Dementsprechend bewerben die Medien Umckaloabo als „pflanzliches Antibiotikum“ und empfehlen es zur Behandlung chronischer und akuter Infektionen insbesondere der Atemwege und bei Mandelentzündungen. In Deutschland und der Schweiz vertreibt man Umckaloabo ausschließlich als Arzneimittel, das rezeptfrei in der Apotheke erhältlich ist. Es handelt sich um einen geschützten Markennamen.

Anwendungsgebiete von Umckaloabo

Die Wirkung der Pflanze beruht darauf, dass sie die Anheftung von Bakterien an die Schleimhautzellen erschwert. Das wiesen Forscher unter anderem in Zellkulturexperimenten nach. Darüber hinaus fördert sie die Schleimbildung, sodass sie gegen Virusinfekte (darauf beruhen die meisten Erkältungen) wirkt. Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre nehmen dreimal täglich 30 Tropfen Umckaloabo ein. Der Hersteller empfiehlt, die Therapie nach Abklingen der Symptome weitere drei bis vier Tage fortzuführen, um einen Rückfall zu vermeiden.

Nebenwirkungen und Nutzen

Der Nutzen von Umckaloabo ist wie bei vielen pflanzlichen Arzneimitteln nicht nachgewiesen. In vereinzelten Fällen treten nach Gebrauch Magenschmerzen, Sodbrennen, Zahnfleisch- und Nasenbluten sowie allergische Reaktionen auf. Bei Blutungsneigung oder der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (z. B. Marcumar©) rät man von einer Nutzung ab, da die enthaltenen Kumarine das Blutungsrisiko steigern. Darüber hinaus sollten Sie aufgrund des zwölfprozentigen Alkoholgehalts davon absehen, Kindern Umckaloabo zu geben. Die wenig dokumentierte Wirkungsweise legt nahe, während Schwangerschaft und Stillzeit auf die Einnahme zu verzichten.

Im Jahr 2011 geriet die Kapland-Pelargonie in die Kritik. Daraufhin brach der Umsatz des Mittels mit damals mehr als 55 Millionen pro Jahr rapide ein. Seitdem ist immer wieder die Rede davon, dass Umckaloabo unter UmständenLeberschäden auslöst. Da dieser Verdacht bisher weder wissenschaftlich gesichert noch widerlegt ist, sollte man das Arzneimittel nicht über längere Zeit einnehmen. Wer ohnehin an einer Leber- oder Nierenerkrankung leidet, sollte darauf verzichten. Da Leberschäden zu Anfang unspezifische Symptome zeigen, sollte man bei der Einnahme von Umckaloabo vermehrt auf Juckreiz, Hautausschlag oder Schmerzen im Oberbauch achten. Treten solche Nebenwirkungen auf, setzen Sie das Medikament ab und sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Studie belegt die Wirkung bei Bronchitis

Wissenschaftler der Universität Freiburg überprüften im Jahr 2003 die Wirksamkeit des Mittels an über 460 Patienten mit Bronchitis. Diese erhielten sieben Tage lang entweder Umckaloabo oder ein Scheinmedikament (Placebo). Das Mittel drängte dieSchwere der Symptome (vor allem den trockenen Husten) um etwa 70 Prozent zurück. In der Placebo-Gruppe gingen die Symptome auch um etwa 40 Prozent zurück. Daraus ersehen Sie, dass das Mittel durchaus einen gewissen positiven Effekt hat. Sie sollten aber auf keinen Fall Wunder erwarten.

Bei der Behandlung von Mandelentzündungen führte man Untersuchungen mit ähnlichen Erfolgsraten durch. Zu allen anderen Anwendungsgebieten wie Erkältungen oder Husten fehlen bisher wissenschaftliche Studien.

Fertigpräparate mit Pelargonium

  • Pelargonium-ratiopharm©, 50 ml ab 10 €
  • Kaloba©, 20 ml ab 6,40 €
  • Umckaloabo©, 50 ml ab 13 €

Viel versprechendes Präparat mit dubioser Werbung

Der Hersteller von Umckaloabo fiel durch eine dubiose Marketingstrategie bisher negativ auf. Offizielle Werbung in Zeitschriften und Fernsehen ist absolut legitim. Doch wie im September 2005 ans Tageslicht kam, bezahlte die Firma dem SAT-1-Frühstücksfernsehen verdeckt 20.000 Euro für einen redaktionellen Beitrag. Darin legte ein von der Firma vermittelter „neutraler“ Mediziner den Zuschauern das Mittel wärmstens ans Herz.

Dies überschreitet die Grenze zur seriösen Information, sowohl vom Hersteller als auch vom Sender. Das Geld wäre besser in Studien angelegt, um die ersten positiven wissenschaftlichen Erkenntnisse weiter zu erhärten. Dennoch spricht nichts dagegen, Umckaloabo bei Bronchitis oder leichten Mandelentzündungen auszuprobieren.

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