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Pflanzliche Ergänzungsmittel: Welche Risiken bestehen?

Wenn pflanzliche Präparate „natürlich“ sind, warum können sie dann gefährlich für Ihre Gesundheit sein? Dies ist eine häufig gestellte Frage, und viele Menschen unterstellen einfach, das natürlich gleichbedeutend mit ungefährlich ist.

Dies ist aber nicht immer der Fall. Pflanzliche Ergänzungsmittel enthalten Bestandteile, die Ihre Körperfunktionen beeinträchtigen können, ähnlich wie verschreibungspflichtige oder nichtverschreibungspflichtige Medikamente.

Wenn pflanzliche Präparate sorgfältig eingenommen werden, können sie auch ungefährlich und möglicherweise positiv für Ihre Gesundheit sein.

„Natürlich“, aber nicht immer ungefährlich

Einige pflanzliche Mittel können allerdings lebensgefährliche Probleme verursachen, wie zum Beispiel Leber- oder Nierenschäden, unkontrollierte Blutungen oder Herzrhythmusstörungen. Hinzu kommt: Einige geläufige Pflanzen sind bekannt dafür, dass sie auf gravierende Weise die Wirkung von Medikamenten verändern, die Sie möglicherweise einnehmen. Diese Wechselwirkungen können zum Beispiel im Fall einer Operation gefährlich werden.

Die wichtige Empfehlung lautet daher: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über jedes pflanzliche Präparat. Dies gilt besonders dann, wenn Sie Medikamente einnehmen oder vor einer Operation stehen. Viele Typen von Pflanzen verändern zum Beispiel die Metabolisierung (biochemischer Um- bzw. Abbau von Substanzen) von Medikamenten, was deren Wirksamkeit beeinflussen kann. Einige Pflanzen können hingegen die Wirksamkeit von Medikamenten verstärken, während in anderen Fällen die Wirksamkeit herabgesetzt oder sogar ganz verhindert wird.

Zu den bekannten Wechselwirkungen mit Medikamenten gehören zum Beispiel:

  • Johanniskraut – Dies kann die Wirksamkeit vieler Medikamente massiv verstärken oder herabsetzen und zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen. Johanniskraut sollte vorsorglich nicht mit verschreibungspflichtigen Medikamenten eingenommen werden. Besonders gilt dies jedoch, wenn Sie eines der folgenden Medikamente einnehmen: Antidepressiva, blutverdünnende Medikamente, bestimmte Asthmamittel, immunsupressive Medikamente sowie Steroide.
  • S-Adenosylmethionin (SAMe) – Dies kann zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen, wenn es zusammen mit Antidepressiva eingenommen wird, die sich auf Serotonin auswirken.
  • Knoblauch, Ginseng, Ingwer und Mutterkraut – Alle genannten Pflanzen können das Risiko von Blutungen erhöhen, wenn Sie blutverdünnende Medikamente wie ASS (z. B. Aspirin® u. a.), Phenprocoumon (z. B. Marcumar®) oder Clopidogrel (z. B. Plavix®) einnehmen. Chondroitin und Glucosamin können ebenfalls mit Phenprocoumon wechselwirken.
  • Ginkgo – Auch diese Pflanze kann Ihr Risiko für Blutungen erhöhen, wenn sie zusammen mit blutverdünnenden Medikamenten eingenommen wird. Hinzu kommt folgende Wirkung: Ginkgo kann der blutdrucksenkenden Wirkung von Thiaziddiuretika (harntreibendes Medikament) entgegenwirken. Wenn Sie darüber hinaus unter Krampfanfällen leiden, kann Ginkgo das Risiko von Krampfanfällen erhöhen, indem es die Wirkung entsprechender Medikamente gegen Anfälle (Antiepileptika) beeinträchtigt.
  • Kava-Kava – Dieses beruhigend wirkende Pfeffergewächs wurde – sogar bei einer kurzfristigen Einnahme – mit schwerwiegenden Leberproblemen in Verbindung gebracht. Wenn Kava-Kava zusammen mit einem der zahlreichen Medikamente eingenommen wird, die als mögliche Nebenwirkung Leberschäden aufweisen (insbesondere bei Cholesterinsenkern), kann sich das Risiko noch verstärken. In Deutschland wurden Kava-Kava- Präparate im Juni 2002 erstmals als Arzneimittel verboten. Nachdem der Hersteller Widerspruch einlegte, wurde er aufgefordert, die Unbedenklichkeit des Kava-Kava-Präparats zu belegen. Als dieser Unbedenklichkeitsnachweis vom Hersteller nicht erbracht werden konnte, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte für Kava-Kava als Arzneimittel im September 2007 endgültig die Zulassung widerrufen. Trotz Verbot finden Sie im Internet weiterhin zahlreiche Angebote zu Kava-Kava-Präparaten, die Sie teilweise über Internetapotheken bestellen können.

Was das therapeutische Fenster für Sie bedeutet

Einige verschreibungspflichtige Medikamente haben ein enges therapeutisches Fenster, in der Pharmakologie wird dies auch als therapeutische Breite bezeichnet. Gemeint ist damit das Verhältnis von therapeutischer zu toxischer Dosis: je kleiner die Breite, umso gefährlicher ist ein Medikament. Dies hat folgende Konsequenzen: Der Körper kann kaum Abweichungen von der Dosis außerhalb des therapeutischen Fensters tolerieren. Es können schon dann Probleme auftreten, wenn die Dosis leicht zu hoch oder zu niedrig ist. Ein Beispiel für die Bedeutung des therapeutischen Fensters ist das Blutverdünnungsmittel Phenprocoumon (z. B. Marcumar®): Wenn die Dosis zu niedrig ist, besteht die Gefahr, dass sich ein gefährliches Blutgerinnsel bildet (Thrombus). Wenn die Dosis jedoch zu hoch ist, sind gefährliche Blutungen möglich.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie kein pflanzliches Ergänzungsmittel einnehmen, ohne vorher mit Ihrem Arzt gesprochen zu haben, wenn Sie blutverdünnende oder eines der folgenden Medikamente einnehmen:

  • das Herzmedikament Digoxin
  • Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika)
  • Medikamente gegen Krampfanfälle (Antiepileptika)
  • Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems (Immunsupressiva). Zum Beispiel bei Patienten, die eine Organtransplantation erhalten oder eine Autoimmunkrankheit wie rheumatoide Arthritis haben

So sind Sie auf der sicheren Seite

Wenn Sie pflanzliche Präparate nutzen – oder es planen -, sprechen Sie beim nächsten Termin Ihren Arzt darauf an. Zusätzlich können Sie folgende Tipps beachten, um Risiken zu minimieren.

  • Beachten Sie die Angaben in den Packungsbeilagen – Überschreiten Sie nicht die empfohlene Dosierung und nehmen Sie pflanzliche Ergänzungsmittel auch nicht länger als empfohlen ein. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine Anpassung der Dosierung, wennSie über 65 Jahre alt sind. Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, weshalb ältere Erwachsene auf Standarddosierungen pflanzlicher Präparate anders reagieren.
  • Seien Sie vorsichtig bei ausländischen Präparaten – Pflanzliche Präparate aus der EU unterliegen strengen Richtlinien, sind standardisiert und deshalb möglicherweise eine gute Wahl. Giftige Substanzen sowie verschreibungspflichtige Wirkstoffe wurden in pflanzlichen Präparaten gefunden, die außerhalb der EU hergestellt wurden. Dies gilt besonders für Produkte aus China, Indien und Mexiko.
  • Vermeiden Sie bestimmte pflanzliche Präparate – Vermeiden Sie Kava-Kava und Ephedrin ebenso wie pflanzliche Diät-Präparate. Sie enthalten häufig Substanzen, die zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen können und darüber hinaus noch keinen Nachweis für eine Gewichtsreduzierung gebracht haben.
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Alte Kommentare
  • Gabriele schrieb am 21.09.2010, 13:59 Uhr

    Das habe ich als Kommentare zu diem Bericht über Kava-Kava in einem Forum gefunden: Zitat: Die Nachricht löste in den USA - wo Kava-Kava-Erzeugnisse keinen Zulassungs- und Handelsbeschränkungen unterliegen - Erstaunen aus, nachdem im ganzen Land trotz intensiven Konsums dieser Substanz kaum Verdachtsmomente auftauchten, die auf irgendwelche Leberprobleme im Zusammenhang mit der Einnahme von Kava-Kava-haltigen Präparaten schliessen lassen. Die weltweit grösste Vereinigung von Herstellern und Vertreibern von natürlichen Nahrungssupplementen und Naturheilmitteln, American Herbal Products Association, liess deshalb das Dossier von einem unabhängigen, bestausgewiesenen Universitätsinstitut für Pharmakologie und Toxikologie überprüfen. Das mit der Prüfung beauftragte Institut für Pharmakologie der Universität Illinois in Chicago kam dabei zu einem vernichtenden Urteil: Die Dokumentationen ermangeln durchwegs der wissenschaftlichen Seriosität und Aussagekraft, und es gibt im ganzen Dossier keine einzige Fallbeschreibung, die einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Einnahme Kava-Kava-haltiger Präparate und Lebererkrankungen nahelegt. Ein Teil der beschriebenen Fälle hat zudem keinen direkten Zusammenhang mit dem Konsum von Kava-Kava - darunter auch der vom Deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als besonders gravierend dargelegte Todesfall einer 81-jährigen Patientin. Der vom renommierten Pharmakologen und Toxikologen Prof. Donald P. Waller unterzeichnete Bericht nährt die Spekulation, dass es sich beim Verdikt der europäischen Gesundheitsbehörden um das Ergebnis einer konzertierten Aktion gegen ein Naturprodukt handeln könnte, welches in den letzten Jahren einen wachsenden Marktanteil zulasten konventioneller chemisch-pharmazeutischer Präparate errungen hat. Im weiteren zeigt der Fall, wie einfach es offenbar ist, den Pharma-Markt mit wenigen unbewiesenen Behauptungen zu beeinflussen und die Konsumenten einzelner Präparate zu verunsichern. Antistressmittel Kava-Kava - zum Abschuss frei? - pressetext.schweiz Zitat: Im März 2002 wies allerdings Prof. Nahrstedt, ein international anerkannter Wissenschaftler der Universität Münster/Westfalen nach, dass die Nachforschungen der deutschen Gesundheitsbehörde unvollständig waren. Unter anderem wurde einem Kava-Kava-Präparat eine Leberschädigung angelastet, bei der der betreffende Patient durch chronischen Alkoholmissbrauch bereits eine Leberzirrhose hatte, lange bevor er Kava-Kava einnahm. In vielen anderen Fällen war ein Zusammenhang von Leberschäden und Kava-Kava-Einnahme nicht erkennbar. Die Apotheke 03/2002: Arzneipflanzen - Potenziale und Gefahren Zitat: Ob die Heilpflanze Auslöser der Erkrankungen war, wird von Experten allerdings sehr kontrovers diskutiert. Dies deshalb, weil bei der Diagnose einer Kava-abhängigen Krankheit eine Vielzahl anderer Lebererkrankungen zuerst zweifelsfrei ausgeschlossen werden muss. In einer aktuellen Studie kommt der Medizinprofessor Rolf Teschke Deutsche Apothekerzeitung, 7. August 2003 zu folgenden Schlüssen: Nur bei einer einzigen Patientin ist der Zusammenhang zwischen Kava und Lebererkrankung sehr wahrscheinlich. Die Frau hatte während eines Jahres täglich die l0-Fache!!! empfohlene Maximaldosis an Kava- Wirkstoffen geschluckt. Bei weiteren acht Patienten besteht vielleicht ein Zusammenhang mit Kava bei gleichzeitiger Einnahme von anderen, als Leberschädigend bekannten Medikamenten. Bei den restlichen 18 Patienten ist die Datenlage unzureichend oder es lagen von Kava unabhängige Lebererkrankungen vor. Eine Kava-Leberschädigung scheint daher möglich, ist aber extrem selten. Risikofaktoren wären lange Therapiedauer, überhöhte Dosierung und gleichzeitige Einnahme von anderen Medikamenten. Dagegen spricht, dass auf den Inseln des Südpazifiks Kava-Getränke traditionell in grossen Mengen konsumiert werden, ohne dass bisher über Lebererkrankungen berichtet wurde. Und dies, obwohl die wässrigen Zubereitungen der Eingeborenen dieselben Wirkstoffe enthalten wie die alkoholischen Extrakte in unseren Kava-Präparaten. Willkommen bei der Naturheilpraxis Hans Frei in Herisau Schlampige Recherche? Naturheilkundlich orientierte Ärzte sehen das anders. Volker Schmiedel zum Beispiel, Chefarzt an der naturheilkundlich ausgerichteten Habichtswald-Klinik in Kassel wirft dem BfArM schlampige Recherche vor. Er verwies im Fachmagazin Naturarzt auf zahlreiche Studien, die eine Wirksamkeit von Kava-Kava belegen. Auch die Ärztezeitung listet solche Untersuchungen auf und verweist darauf, dass die gesammelten Erkenntnisse über Kava-Kava bereits 1990 im Rahmen einer Monographie veröffentlicht wurden. Strittig ist neben der Wirkung von Kava-Kava auch das tatsächliche Risiko. In zahlreichen der vom BfArM aufgelisteten Fällen hatten die Patienten andere möglicherweise leberschädigende Medikamente eingenommen. Bei einem Todesfall, für den das Bundesinstitut Kava-Kava verantwortlich macht, lag laut Ärztezeitung bereits vor Einnahme des Medikaments eine Leberzirrhose durch Alkoholmissbrauch vor. Volker Schmiedel kam bei seinen Recherchen auf ganze vier Fälle, in denen Kava-Kava die einzige Ursache für eine Leberschädigung zu sein scheint. In drei dieser Fällen habe eine eindeutige Überdosierung durch die Patienten vorgelegen. Risikoarme Alternativen? Im BfArM verweist man auf die Risiko-Nutzen-Abwägung. Denn ein Medikament darf Nebenwirkungen haben, wenn der medizinische Nutzen dies rechtfertigt. Für die Behandlung von Angst- und Spannungszuständen gibt es nach Ansicht der Behörde risikoärmere Arzneien. Kava-Kava: Umstrittenes Verbot:10/2002 analyze realize: Kava - zu gut, um vergessen zu werden