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Hier sind Ihre Feldenkrais-Übungen zum Schnuppern

von Sylvia Schneider

Liebe Leserin, lieber Leser,

vorletzte Woche berichtete ich Ihnen, wie Sie Ihre Körperwahrnehmung mit dem Bewegungsübungen von Moshe Feldenkrais ändern können. Die Routine falscher Bewegungsabläufe wird damit wirksam unterbrochen.

Über 20 klinisch kontrollierte Studien untersuchten die Wirksamkeit bei Rücken- und Gelenkproblemen, Multipler Sklerose, Asthma und Schlaganfall. Sie kamen alle zu dem Ergebnis: Die Methode von Feldenkrais wirkt. Bereits reichen kleine Reize reichen aus, um den Körper von gesünderen Bewegungsanläufen zu “überzeugen”.

Den ersten Kontakt mit solchen Feldenkrais-Übungen suchen Sie am besten bei einem ausgebildeten Feldenkrais-Lehrer in Ihrer Nähe. Sie können dort in Einzelstunden oder in der Gruppe ein neues Bewusstsein für Ihre Bewegungen am konzentriertesten lernen. Einige Leser von “Naturmedizin aktuell” wollten jedoch wissen, ob es nicht einige einfache Feldenkrais-Übungen zum Kennenlernen gibt. “Haben Sie nicht eine Art Schnupperkurs für zu Hause? Denn ich wohne auf dem Land und unsere nächste Stadt ist weit entfernt. Ich würde gern erst einmal ausprobieren, ob das überhaupt etwas für mich ist, bevor ich den weiten Weg auf mich nehme”, schreibt mir Wiebke K. aus dem Fränkischen.

Natürlich habe ich Feldenkrais-Übungen für Sie!

Diese Feldenkrais-Übungen helfen Ihnen, sich Ihre Bewegungsabläufe bewusst zu machen

Machen Sie sich als Erstes klar: Bei den Feldenkrais-Übungen müssen Sie sich auf einen Lernprozess einlassen. Wichtig dabei ist, dass Sie ein erhöhtes Maß an Selbstbeobachtung entwickeln. Mit der Zeit werden Sie ein Gespür für Ihre persönlichen Bewegungsabläufe bekommen und können mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Bewegungsmöglichkeiten spielerisch experimentieren. Vergessen Sie jeglichen Ehrgeiz und übertreiben Sie nichts.

Machen Sie jede Übung nur so intensiv, wie es Ihnen angenehm ist. Sie sollen nicht gegen Widerstände oder Schmerzen üben. Haben Sie Schmerzen, brechen Sie die Bewegung ab und stellen Sie sie sich nur noch in Gedanken vor. Am Ende einer Übung sollen Sie sich frisch und entspannt fühlen.

Die folgenden Feldenkrais-Übungen können Ihnen einen ersten Einblick geben:

1. Übung

Um zu verstehen, was Feldenkrais meint, können Sie als allererstes eine ganz einfache Wahrnehmungsübung machen: Falten Sie wie zum Gebet Ihre Hände zusammen. Wenn Sie Rechtshänder/in sind, liegt dabei der linke Daumen über dem rechten. Falten Sie nun die Hände einmal anders, dann liegt der rechte Daumen über dem linken. Versuchen Sie in sich hinein zu horchen, wie sich das für Sie anfühlt. Sehr wahrscheinlich werden Sie die zweite “Faltposition” als völlig unnormal empfinden. Das ist sie aber nicht, Sie sind es nur nicht anders gewöhnt.

2. Übung

Legen Sie sich nun auf eine Matte oder eine Decke auf den Boden. Atmen Sie tief in den Bauch hinein und entspannen Sie sich. Beginnen Sie vom Kopf bis zu den Füßen, sich alle Ihre Körperteile einzeln vorzustellen und bewusst zu spüren. Gehen Sie dabei ganz langsam und konzentriert vor.

Vielleicht stellen Sie nun fest, dass Sie manche Körperteile besser spüren und andere weniger. Versuchen Sie, alle Körperteile einmal anders wahrzunehmen.

3. Übung

Sie liegen immer noch auf dem Boden. Spüren Sie, wo Ihr Körper Kontakt zum Boden hat? Wie liegen Sie auf dem Boden? Welche Ihrer Körperteile “hängen” in der Luft. Beginnen Sie am Kopf: Wie groß ist die Fläche, die Kontakt zum Boden hat? Wie fühlt sie sich an? Wie groß ist der Zwischenraum unter der Halswirbelsäule? Welche Wirbel berühren den Boden?

Gehen Sie weiter zu den Schultern und Schulterblättern: Liegt die rechte Seite genauso auf wie die linke? Fühlt sie sich anders an? Wie spüren Sie die Unterschiede?

Fahren Sie nun so bis zu den Füßen fort. Spüren Sie den Kontakt zum Boden. Nehmen Sie alles aufmerksam wahr, ohne Ihre Lage zu verändern.

Dann rollen Sie sich nach links oder rechts und stehen langsam auf. Im Stehen versuchen Sie noch einmal, Ihre Körperteile einzeln wahrzunehmen.

Gehen Sie nun langsam im Raum auf und ab, und spüren Sie Ihren Körper in der Bewegung. Wie halten Sie den Kopf? Hängen die Schultern locker herab, oder sind sie hochgezogen? Wie halten Sie die Arme?

Gehen Sie einige Schritte rückwärts. Wie fühlt sich diese ungewohnte Bewegung an?

Bleiben Sie noch eine Weile stehen und achten Sie auf Ihrem Atem. Spüren Sie ihn auf seinem Weg durch Ihren Körper?

4. Übung

Stellen Sie sich locker hin, die Beine etwas auseinander. Versuchen Sie nun mit Ihren Händen die Mittellinie Ihres Körpers zu beschreiben. Orientieren Sie sich dabei an Nase, Bauchnabel und Brustbein. Die Hände sind gestreckt – eine nach oben, eine nach unten. Führen Sie die Hände nun versetzt nach oben und nach unten.

Lassen Sie Ihre Augen mit den Händen wandern, heben Sie die Arme ganz hoch, ohne sich von Ihrer Mittellinie zu entfernen.

Sie werden rasch merken: Feldenkrais-Übungen haben neben der Änderung der Bewegungsabläufe noch eine ganze Reihe weiterer positiver Auswirkungen. Sie stärken das Selbstbewusstsein und das Konzentrationsvermögen, steigern die geistige und seelische Flexibilität und sowohl innere als auch äußere Haltung. Denn die täglich wiederkehrenden unbewussten Bewegungen spiegeln auch Ihre seelische Verfassung wider.

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