Ethnomedizin: Krankheit kein isoliertes Geschehen
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Für die traditionellen Indianer Nordamerikas ist Krankheit nicht ein isoliertes Geschehen, sondern eine Angelegenheit des ganzen Universums. Dementsprechend beschränkt sich die Heilung nicht allein auf den Menschen selbst, sondern sie bezieht sich auf den gesamten Kosmos. Hier wiederum zeigt sich das starke Harmoniedenken der Indianer. Während wir Mikroorganismen wie Pilze, Bakterien oder Viren oder aber Stoffwechselstörungen und zunehmend auch genetische Abweichungen als Krankheitsursachen ansehen, sind für die Indianer Krankheiten ein Zeichen dafür, dass der Betroffene mit seiner Umgebung ins Ungleichgewicht geraten ist.
Eine Heilung kann also nur dadurch erfolgen, dass das Gleichgewicht zwischen Körper und Seele, Mensch und Umwelt sowie Mensch und Kosmos wieder hergestellt wird. Von der modernen westlichen Schulmedizin unterscheidet sich die traditionelle indianische Heilkunde (wie auch viele andere traditionelle Medizinsysteme) auch darin, dass sie der Gesunderhaltung und Prävention einen großen Stellenwert einräumt. So ernährten sich die Indianer ursprünglich sehr ausgewogen, das heißt fettarm, aber ballaststoff- und kohlenhydratreich. Hinzu kam ein tägliches Gesundheitstraining. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Ureinwohner Amerikas bei guter Gesundheit waren. Bis zur Eroberung Amerikas durch die Europäer war ihre Lebenserwartung um ein Jahrzehnt höher als die der damaligen Europäer. Auch die für unsere heutige westliche Gesellschaft so typischen Zivilisationskrankheiten kannten die Ureinwohner Amerikas wenig bis gar nicht.