MenüMenü

Eigenurin: Das müssen Sie wissen!

Würden Sie Ihrer Nachbarin bei Halsschmerzen das Gurgeln mit Urin empfehlen? Wohl eher nicht. Zwar war die Behandlung mit Eigenurin vor einigen Jahren kurzzeitig ein Modethema in der Laienpresse. Doch inzwischen wurde es still darum.

Allein bei dem Gedanken an das Trinken des eigenen Urins schüttelt es die meisten Menschen. Dabei zeigt die mehr als 2000-jährige Erfahrung der indischen Medizin, in der die Eigenurin-Behandlung einen wichtigen Platz einnimmt, dass diese Therapie vor allem bei Hautentzündungen und zur Umstimmung einer fehlgeleiteten Immunabwehr wichtige Dienste leistet.

Eigenurin Therapie© Adobe Stock – kei907

Schon die alten Ägypter schworen auf Eigenurin

Dass Urin zur Diagnose und als Heilmittel dient, ist lange bekannt. So waren einst die Ägypter Meister der Harnschau. In ihren Papyri beschrieben sie, wie man Krankheiten anhand der Beschaffenheit, Farbe, Geruch und Trübung des Harns erkennt oder sie mit Urin heilt.

Genauso nutzen die Ärzte der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der ayurvedischen Heilweise heute wie vor 3.000 Jahren den gelben Saft. Darüber hinaus empfahl Hippokrates (460 bis 375 v. Chr.), der Vater der abendländischen Medizin, Urin als Heilmittel.

Bei diesen Leiden hilft die Eigenurin-Behandlung

Die positiven Wirkungen sind auf die über 2.000 verschiedenen Inhaltsstoffe des Urins zurückzuführen. Wenn Sie Ihr „eigenes Wasser“ trinken, erhalten Sie wertvolle Stoffe Ihres Körpers zurück.

Wertvolle Substanzen im Urin

  • Hormone
  • Vitalstoffe wie Kalzium und Magnesium
  • Eisen und Zink
  • Vitamine
  • Aminosäuren (Eiweißbausteine)
  • Stoffe der Immunabwehr, z. B. Antikörper
  • Enzyme
  • Harnstoff

Urin ist nahezu keimfrei, wenn Ihre Harnorgane gesund sind. Erst nach dem Verlassen des Körpers nimmt er Bakterien auf und beginnt sich zu zersetzen. Bei bestimmten Erkrankungen enthält der Urin schädliche Substanzen (z. B. Harnsäure und Zuckerstoffe), die nicht wieder in den Körper zurückgeführt werden dürfen.

Bei diesen Erkrankungen dürfen Sie Ihren Urin nicht verwenden

Verwenden Sie bei diesen Erkrankungen Ihren Urin weder innerlich noch äußerlich. Vorsicht ist außerdem geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von Medikamenten.

Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker, bevor Sie eine Urin-Therapie beginnen. Dort können Sie die Beschaffenheit und Zusammensetzung Ihres Urins analysieren und sich beraten lassen.

Moderne Studien fehlen mangels Interesse der Pharma-Industrie

Viele Heilpraktiker und Ärzte für Naturheilkunde schwören auf die Therapie mit Eigenurin und stützen sich dabei auf uraltes Erfahrungswissen. Wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit fehlen jedoch bisher. Das liegt an den Finanzen und Interessen der Pharma-Industrie: Eigenurin lässt sich nicht patentieren und ist somit wirtschaftlich unattraktiv.

Allerdings verwendet die Pharma-Industrie Harnstoff als Entzündungshemmer in Cremes und Salben gegen Hautreizungen, -entzündungen und trockene Haut. Und diese Wirkung ist zweifelsfrei durch klinische Zulassungsstudien belegt. Da der Harnstoff-Gehalt im Urin im Tagesverlauf schwankt, verwenden Sie möglichst Ihren Morgenurin für Hautanwendungen. Er weist die höchste Konzentration auf.

So überwinden Sie Ihren Widerwillen

Wenn Sie eine Trinkkur mit Ihrem Urin ausprobieren möchten, achten Sie auf Ihre Ernährung und Lebensgewohnheiten. Das erleichtert Ihnen den Einstieg. Vermeiden Sie Stress, essen Sie viel Obst und Gemüse und nehmen Sie wenig Fleisch und Kaffee zu sich.

Dadurch bekommt der Urin einen neutralen Geruch und Geschmack. Trägt man Urin auf die Haut auf, riecht er normalerweise nicht, da er schnell in den Körper eindringt.

Verwenden Sie immer den Mittelstrahlurin, also das zweite Drittel pro Wasserlassen. Dann sind eventuell enthaltene Bakterien schon zum größten Teil abgeflossen. Den Rest zerstört bei der innerlichen Anwendung die Magensäure. Verwenden Sie den Urin möglichst frisch, um Bakterienbefall von außen zu vermeiden.

So können Sie eine Urinbehandlung durchführen:

Grundsätzlich lassen sich folgende drei Regeln für eine Eigenurintherapie festhalten, damit die Behandlung auch erfolgreich ist.

1. Verwenden Sie immer den Mittelstrahl:

Stellen Sie sich ein kleines Gefäß, zum Beispiel ein Glass, bereit. Lassen Sie zunächst etwas Urin in die Toilette fließen, so vermeiden Sie, dass Bakterien, die sich eventuell im Harnleiter befinden, wieder in den Körper gelangen. Unterbrechen Sie dann den Harndrang und fangen Sie den restlichen Urin in Ihrem Gefäß auf.

2. Betupfen Sie die entsprechende Stelle mit dem Urin

3. Lassen Sie den Urin auf Ihrer Haut eintrocknen:

Weder Sie noch Ihre Umwelt werden Ihn dann noch riechen oder überhaupt wahrnehmen. Sie können den Urin aber auch nur eine Zeitlang einwirken lassen und ihn dann wieder abwaschen.

Übrigens: Morgenurin eignet sich am besten, weil sich hierin die brauchbarsten Stoffe befinden


Die besten Anwendungen von Eigenurin

Fangen Sie den Mittelstrahl Ihres Morgenurins in einem Plastikbecher (z. B. sauberer Joghurtbecher) auf und trinken Sie etwa 1 Schnapsglas voll auf nüchternen Magen. Wenn Sie 1 Schuss Apfelessig dazugeben, „rutscht“ diese Medizin besser. So verfahren Sie 3 bis 4 Monate lang.

Anwendung: zur Stärkung der Abwehrkräfte, unterstützend bei chronischen Krankheiten wie Allergien, Morbus Crohn und Rheuma sowie bei Krebserkrankungen ohne Metastasenbildung

Harn-Wasser-Fasten zur Darnsanierung

Über einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen trinken Sie nur Eigenurin und Mineralwasser. Dazu kommen gelegentliche Einläufe mit einer HarnWasser-Mischung im Verhältnis 1:1. Gegessen wird gar nichts.

Anwendung: zur Darmsanierung nach längerer Antibiotika- oder Kortisoneinnahme

TippWie alle Fastenkuren sollten Sie auch diese nur unter ständiger Kontrolle eines erfahrenen Therapeuten durchführen.

Gurgeln gegen Halsschmerzen

Gurgeln Sie mehrmals täglich mit frischem Eigenurin (Mittelstrahl, Gewinnung siehe oben).

Anwendung: bei Halsschmerzen

Tropfen gegen Erkältungen

Träufeln Sie 1 bis 2 Tropfen frischen Eigenurin (mit einer Pipette) in Nase, Augen oder Ohren.

Anwendung: bei Schnupfen, brennenden bzw. entzündeten Augen und Ohrenschmerzen

Umschläge heilen Hautentzündungen

Verwenden Sie frischen Eigenurin (Mittelstrahl) zum Einmassieren, für Kompressen oder für Bäder bzw. betupfen Sie die befallenen Hautstellen damit und lassen Sie den Urin auf der Haut trocknen.

Anwendung bei: Wunden, Warzen, Ekzemen, Herpesbläschen, Neurodermitis, Fußpilz; zur Hautpflege und Hautstraffung, z. B. bei Cellulite.

Injektionen regen Ihre Selbstheilungskräfte an

Ein Arzt oder Heilpraktiker spritzt kleinste Mengen sterilisierten Eigenurins meist in den Gesäßmuskel oder unter die Haut.

Anwendung: als Reiztherapie zur Anregung der Selbstheilungskräfte und Stärkung des Abwehrsystems, bei Allergien wie Heuschnupfen, Nesselsucht, Asthma, bei Durchblutungsstörungen, Kopfschmerzen, Migräne, Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen, depressiven Verstimmungen und Schlafstörungen

TippDiese Therapie erfordert einen erfahrenen und sehr sorgfältig arbeitenden Therapeuten, der die Regeln des sterilen Arbeitens peinlichst genau einhält. Nach 3 Injektionen sollten sich Ihre Beschwerden deutlich gebessert haben.

Homöopathisierter Eigenurin stimmt Ihr Immunsystem um

Aus dem mit Ozon sterilisierten Eigenurin werden in einem Labor homöopathische Präparate, Salben und Tinkturen zur innerlichen und äußerlichen Anwendung hergestellt.

Anwendung: zur Umstimmung des Immunsystems bei Neurodermitis, Schuppenflechte, Rheuma und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

TippDiese geruchs- und geschmacksneutrale Lösung ist mit 35 bis 100 € teuer. Manchmal übernehmen private Krankenkassen auf Antrag einen Teil dieser Kosten.


Die meisten heilmediziner lehnen diese Methode ab

Ähnlich wie bei der Eigenblutbehandlung sollen damit Reize auf das Immunsystem ausgelöst und auf diese Weise die Selbstheilungskräfte in Gang gesetzt werden. Ob das zutrifft, ist unter Experten allerdings sehr umstritten.

Die meisten Ärzte für Naturheilverfahren lehnen diese Methode ab – auch deshalb, weil sie aus Erfahrung wissen, dass andere Methoden wie die Eigenbluttherapie im Allgemeinen mehr bewirken.

Dass der Eigenurin das Immunsystem stimuliert, konnte bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Allerdings hat daran wohl auch kein forschendes Pharmaunternehmen Interesse, denn Eigenurin lässt sich nicht vermarkten und ist insofern wirtschaftlich uninteressant.

Ihrem Körper werden schädliche Abbauprodukte wieder zugeführt

Ein weiteres Argument der Naturheilmediziner gegen die Eigenurin-Therapie ist ebenfalls mehr als einleuchtend: Urin ist zwar steril, solange er sich in der Blase befindet, doch auf seinem Weg nach draußen reichert er sich in der Harnröhre mit Bakterien an.

Wird der Urin nun abgefangen und aufbewahrt, vermehren sich die Bakterien in raschem Tempo. Diese werden dann mit der Trinkkur wieder in den Körper befördert. Das sei riskant, sagen die Kritiker, wenn jemand nicht nur einige Tropfen, sondern größere Mengen Urin zu sich nimmt, da man sich damit eine Infektion einhandeln kann.

Denn Urin ist ein Abfallprodukt des menschlichen Körpers. Über den Urin werden beispielsweise Harnstoff und Harnsäure ausgeschieden. Der Harn ist eine Flüssigkeit, die der Körper aus dem Blut abfiltriert und in der Niere konzentriert, damit dem Körper nicht zu viel Flüssigkeit entzogen wird.

Ihr Körper bildet etwa 200 Liter (l) so genannten Primärharn am Tag. Nach der Konzentration in der Niere bleiben noch 1,5 l übrig, die Sie über die Harnwege ausscheiden. Der Urin besteht aus Wasser, Salzen und Resten von Eiweißen.

Diese Stoffe befinden sich im ausgeschiedenen Urin:

  • Hormone
  • Mineralstoffe und Spurenelemente, bei Belastung auch Schwermetalle
  • Vitamine
  • Eiweißbausteine
  • Stoffe der Immunabwehr wie Antikörper
  • Enzyme
  • Harnstoff und Harnsäure

Urin nimmt in der ärztlichen Diagnostik einen großen Stellenwert ein

Aus den Abbaustoffen des Stoffwechsels können wertvolle Hinweise auf Krankheiten gewonnen werden – oft noch bevor sich die ersten Symptome zeigen. In einer normalen Urinprobe befinden sich bis zu 2.000 verschiedene Biomarker, die auf bestimmte Erkrankungen hindeuten können.

Damit lassen sich beispielsweise Erkrankungen der Nieren nachweisen. Auch Diabetes oder eine Dehydrierung des Körpers (etwa wenn Sie nicht genügend Flüssigkeit zu sich nehmen) können so in einer frühen Phase erkannt werden.

Die ärztliche Untersuchung des Harns per Teststreifen ist einfach, unbelastend für den Patienten und preiswert. Das Ergebnis liegt meist blitzschnell vor und ist aussagekräftig. Mit den Teststreifen lassen sich beispielsweise rote Blutkörperchen nachweisen, wenn es zu einer Blutung der Harnwege gekommen ist.

Weiße Blutkörperchen zeigen eine Infektion im Körper an – insbesondere in Ihren Harnwegen. Erhöhte Eiweißwerte können ebenfalls mittels Teststreifen nachgewiesen werden. Sie deuten unter anderem auf eine Nierenerkrankung hin.

Bei bestimmten Erkrankungen (s.o.) finden sich vermehrt Stoffe im Urin, die dem Körper auf keinen Fall wieder zugeführt werden sollten, etwa Harnsäure und Zuckerstoffe. Auch wenn Sie bereits bestehende Krankheiten haben, ist die Eigenurin-Therapie absolut tabu.