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Behandlung mit Blutegeln

Was haben die Brennnessel, der Blutegel und die Spanische Fliege gemeinsam? Alle drei dienen der Reinigung des Bindegewebes, des Bluts und der Lymphe von schädlichen Stoffwechselabfällen von außen über die Haut. So zieht das Brennnesselöl abgelagerte „Schlacken“ aus dem Gewebe. Der Blutegel saugt Schadstoffe direkt aus entzündeten Venen und das aus dem Gift der Spanischen Fliege hergestellte Cantharidenpflaster bewährte sich besonders zur Ableitung von Toxinen über das Lymphsystem. Jede der klassischen natürlichen Ausleitungsverfahren besitzt ihre ganz speziellen Einsatzgebiete. Erfahren Sie hier mehr über die Methoden und Anwendungsmöglichkeiten der Blutegel.

Medizinischer Blutegel (Hirudo medicinalis), Behandlung mit Blutegeln© Gerhard Seybert – Fotolia

Bei der Blutegel-Therapie setzt der Therapeut speziell für die medizinische Anwendunggezüchtete Egel (Hirudo officinalis) punktgenau auf die Haut über den erkrankten Körperbereichen. Beim Saugen sondern die heilsamen Tierchen zahlreiche entzündungs- und gerinnungshemmende Enzyme in die Wunde ab, v. a. Hirudin, Calin, Eglin und Hyaluronidase.

Der griechische Arzt und Dichter Nikandros von Colophon erwähnte und schätzte den Blutegel bereits 100 Jahre vor Christus. Schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts setzte man den medizinischen Blutegel bei verschiedenen Erkrankungen zum Aderlass ein, der sich als besonders wirkungsvoll erwies.

Medizinische Egel mit weiter Anreise

Für den Einsatz in der Medizin verwendet man hauptsächlich Blutegel aus Ungarn, Jugoslawien und der Bretagne. Die Tiere leben in etwa einem Meter tiefen Teichen. Bei regelmäßiger Ernährung, zum Beispiel mit Fröschen, erreicht ein Blutegel ein Alter von bis zu 20 Jahren.

Da Blutegel Stoffe ausscheiden, die für sie giftig sind, muss man das Wasser regelmäßig durch frisches ersetzen. Tote Egel müssen sofort entfernt werden, da sie unter Umständen zum Tod anderer Tiere führen. Beim Wasserwechsel liegt die Wassertemperatur möglichst im Bereich zwischen 3 bis 12 °C.

Bei diesen Beschwerden helfen Blutegel

Die Therapie

Zu einer Blutegelbehandlung sollten Sie ausreichend Zeit mitbringen. Zudem dürfen Sie vorher nur wenig trinken und sollten Ihre Blase entleert haben. Nachdem die Ansatzstellen mit warmem Wasser und einer unparfümierten Seife gereinigt wurden, nimmt man zum Ansetzen ein kleines Glasgefäß und stülpt damit den Blutegel an die gewünschte Körperstelle.

Der Therapeut fängt vorsichtig mit ein bis zwei Egeln an. Meist werden maximal vier Blutegel gleichzeitig auf die Haut gesetzt. Um ihren Appetit anzuregen, wird vorher die Haut etwas angeritzt. Dann sucht sich das Tierchen schnell seine Nahrungsquelle und verleibt sich etwa 20 Milliliter Blut ein.

Nachdem das Tier sich festgesaugt hat, wird es mit Zellstoff abgedeckt. Die Saugzeit beträgt durchschnittlich je nach Größe des Blutegels, seinem Hungerzustand und der Durchblutung der Saugstelle rund 10 bis 40 Minuten.Wenn sich der Egel vollgesaugt hat, löst er sich von selbst ab.

Der Biss ist fast schmerzlos. Nur ein kleiner Juckreiz macht sich manchmal bemerkbar.

Ein Egel kommt nur einmal in seinem Leben zum Einsatz. Blutegel besitzen keine Verdauungsenzyme und halten das aufgesaugte Blut mit Hilfe ihres Speichelsekrets Hiruduin monatelang flüssig. Damit sind beste Voraussetzungen für das Überleben von Erregertypen gegeben, die mit dem Saugakt aufgenommen werden und so übertragbar wären.

Es empfiehlt sich daher entweder ein schnelles Abtöten der Blutegel, zum Beispiel mit 70 % Ethanol, die Egel in kochendes Wasser zu geben oder in Essig einzulegen. Die zuletzt genannte Möglichkeit ist aber für den Blutegel eher qualvoller. Manche Egelfarmen, die die Tiere für die Medizin züchten, bieten aber auch an, die Egel zurückzunehmen. Sie kommen dann dort in einen strikt abgeschotteten so genannten „Rentnerteich“, wo sie weitergefüttert werden und ihr normales Leben fortsetzen.

Achtung: Der Blutegel sollte niemals gewaltsam entfernt werden, weil sein Kiefer in der Wunde verbleiben und dort Entzündungen verursachen kann.

Die Bissstelle blutet noch bis zu 24 Stunden weiter nach, was erwünscht ist. Die Erfolge stellen sich erstaunlich rasch ein, so die Experten.

Bei der mehrstündigen Nachblutung treten nochmals 20 bis 100 ml aus der Wunde aus, das man durch spezielle Saugverbände aufsaugt. Planen Sie aus diesem Grund mindestens zwei Stunden für diesen „kleinen Aderlass“ ein.

Die Saugstelle wird mit einem sterilen Mulltupfer verbunden; nach der Behandlung mit Blutegeln müssen Sie rund sieben Stunden ruhen. Der erste Verbandswechsel erfolgt nach 24 Stunden, nach rund einer Woche dürfen die Stellen zum ersten Mal wieder mit Wasser in Berührung gebracht werden.

Je nach Aufwand kostet eine Blutegel-Behandlung zwischen 30 und 100 Euro. Krankenkassen übernehmen die Kosten nur nach vorheriger Absprache.

Die Therapie ist gut verträglich. In seltenen Fällen kommt es zu Juckreiz und Rötungen. Die Blutegel-Therapie darf nicht bei erhöhter Blutungsbereitschaft (z. B. bei Marcumar-, ASS- oder Ginkgo-Einnahme) erfolgen. Darüber hinaus verbieten Gefäßschäden infolge einer Arteriosklerose oder eines Diabetes die Anwendung.

Achtung: Die Blutegeltherapie kann nur auf ärztliche oder heilpraktische Anweisung hin erfolgen, denn sie darf nicht bei allen Erkrankungen eingesetzt werden. Nicht ratsam ist die Therapie etwa bei Krankheiten, die mit einer gestörten Blutgerinnung oder einer höheren Blutungsneigung einhergehen. Auch bei arterieller Verschlusskrankheit wie dem Raucherbein sollte darauf unbedingt  verzichtet werden.

Komplikationen bei Behandlung mit Blutegeln

Wie bei jeder Behandlungsmethode können auch bei der Blutegeltherapie unter bestimmten Voraussetzungen Komplikationen auftreten. Diese beschränken sich jedoch auf unerwünschte starke Nachblutungen, kleinere Narben, allergische Reaktionen oder Eiterungen. Ebenso kann es aber auch durch Unachtsamkeit zu Unfällen kommen.

So kam es schon vor, dass in manchen Fällen die Nachblutung nicht zu stillen war oder ein Blutegel in die Nasenlöcher beziehungsweise in den Anus des Patienten eindrang und dort gefährliche innere Blutungen verursachte. Allerdings kann der Blutegel durch Anbinden des Schwanzendes am Ausreißen gehindert werden.

Die Blutegeltherapie darf nur auf ärztliche oder heilpraktische Anweisung hin erfolgen, da sie nicht bei jedem Krankheitsbild angewendet werden darf. Nicht ratsam ist eine Blutegeltherapie bei Krankheiten, die mit einer gestörten Blutgerinnung oder einer erhöhten Blutungsneigung einhergehen. Auch bei arteriellen Verschlusskrankheiten, zum Beispiel Raucherbeinen, sollte auf die Egelmethode verzichtet werden.

Bei frisch operierten Patienten wird zur vorsichtigen Verwendung von Blutegeln geraten, da im Zusammenhang mit der Blutegelbehandlung Nachblutungen im Operationsgebiet beobachtet worden sind.

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