Narkoseoptionen: Spinalblock oder Allgemeinnarkose? Wägen Sie Risiken
unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief in Täglich Gesund zum Thema Narkose
vom 9. September 2008, 16:00 Uhr
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Bald werden Sie an der Hüfte operiert. Da Sie vor einiger Zeit einen Herzinfarkt hatten, macht sich Ihr Arzt Sorgen und möchte, dass Sie sich mit einem Narkosearzt (Anästhesist) besprechen, um eine für Ihren Gesundheitszustand passende Betäubungsform für die anstehende Operation zu finden.
Es gibt eine Reihe von Narkoseverfahren, die die Operation für Sie so angenehm wie möglich machen. Welches Verfahren geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab wie der Art der Operation, anderen Behandlungen, denen Sie sich unterziehen, und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand. Natürlich zählen auch Ihre persönlichen Präferenzen.
Bei kleineren Eingriffen wie der Entfernung einer Zyste reicht meist eine Injektion mit einem örtlichen Betäubungsmittel aus. Bei großen Eingriffen können ebenfalls regionale Betäubungsformen infrage kommen, darunter Spinal- bzw. Epiduralanästhesien und periphere Nervenblockaden. Oder Sie erhalten eine Narkose, bei der Sie für die Dauer der Operation das Bewusstsein verlieren. Häufig kombiniert Ihr Anästhesist verschiedene Verfahren. So kann eine periphere Nervenblockade mit einer Narkose verbunden werden, um die Schmerzen nach der Operation zu lindern.
Was bei der Spinalanästhesie passiert
Die Spinalanästhesie, manchmal auch Spinalblock genannt, unterbricht vorübergehend die Nervenimpulse zu und von den unteren Körperregionen. Während der Spinalblock gesetzt wird, liegen Sie entweder auf der Seite oder sitzen aufrecht. Nach der Verabreichung einer örtlichen Betäubung für die Injektionsstelle in Ihrem unteren Rücken (Lendenbereich) führt Ihr Arzt eine dünne Hohlnadel in den Subarachnoidalraum ein. Dieser mit Gehirnrückenmarksflüssigkeit gefüllte Raum befindet sich zwischen zwei Häutchen, die zusammen die weiche Rückenmarkshaut bilden. Nerven ziehen durch dieses Gebiet, um sich oberhalb des 1. Lendenwirbels mit dem Rückenmark zu vereinen. Nachdem das Medikament injiziert ist, wird die Hohlnadel wieder herausgezogen. Bei einem Spinalblock behalten Sie das Bewusstsein. Häufig wird noch zusätzlich ein Beruhigungsmittel (Sedativum) gegeben, um Sie zu entspannen. Dadurch können Sie einnicken und Ihre Operation verschlafen.
Sobald das Betäubungsmittel seine volle Wirkung entfaltet hat, sind Sie von den Zehen bis zur Hüfte oder sogar dem unteren Brustraum gefühllos und damit schmerzfrei. Trotzdem können Sie möglicherweise immer noch ein bisschen Ihre Beine oder Füße bewegen. Diese Anästhesieform kann zum Beispiel bei Operationen eingesetzt werden wie Gelenkersatz, Leistenbruch operation, Prostataeingriffen oder Vaginaler Hysterektomie (Gebärmutterentfernung). Zu den Nebenwirkungen eines Spinalblocks können Kopf- und Rückenschmerzen, Juckreiz und Schwierigkeiten beim Wasserlassen gehören. Komplikationen sind extrem selten, können aber niedrigen Blutdruck, Infektionen an der Injektionsstelle, Blutungen und vorübergehende oder dauerhafte Nervenschädigungen beinhalten.
Die Epiduralanästhesie ähnelt dem Spinalblock. Die Medikamente werden aber in den Epiduralraum injiziert, der außerhalb des Subarachnoidalraums liegt. Laut Berufsverband Deutscher Anästhesisten e. V. bietet sich diese Form der Betäubung bei länger dauernden Operationen an und/oder für eine anschließende Schmerzbehandlung, da das Medikament über einen Epiduralkatheter fortlaufend gegeben werden kann.
Wie eine Narkose verläuft
Eine Narkose ist bei ausgedehnten Operationen angebracht, die Ihre Bewusstlosigkeit voraussetzen, oder wenn eine örtliche Betäubung nicht ratsam ist. Die Medikamente werden intravenös oder als Gas über eine Atemmaske verabreicht. Die Wirkstoffe führen den Tiefschlaf herbei, blockieren jede Erinnerung an die Operation und erzielen Schmerzfreiheit. Ihr Alter, Gesundheitszustand und die Art des Eingriffes bestimmen die Medikamente für Ihre Narkose. Die Narkosemittel zirkulieren mit Ihrem Blutstrom in jede Körperregion, einschließlich Gehirn, Herz und Lunge. Deshalb kann eine Narkose weit reichende Wirkungen haben. Die meisten sind jedoch vorübergehend und leicht zu behandeln. Um Komplikationen zu vermeiden, werden Blutdruck, Herzschlag und -rhythmus, Atmung und Körpertemperatur kontinuierlich überwacht. Ein Beatmungsschlauch (Tubus) kann ebenfalls verwendet werden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Übelkeit und Erbrechen, Muskelschmerzen, Mundtrockenheit, gereizter Hals, Frösteln, Schläfrigkeit und verminderte Darmtätigkeit. Diese Effekte sind gewöhnlich nur von kurzer Dauer und lassen sich gut behandeln. Ernstere Komplikationen wie Herzinfarkt, Nierenschäden und Schlaganfall sind extrem selten.
Wägen Sie Pro und Kontra ab
Um herauszufinden, welche Form der Anästhesie für Sie die beste ist, müssen Sie offen mit den behandelnden Ärzten sprechen. Da alle Methoden sowohl Nutzen als auch Risiken aufweisen, sollten Sie die Optionen genau mit Ihrem Ärzteteam besprechen. Dank vieler Fortschritte ist die Anästhesie heute sicherer als jemals zuvor und kann auf Ihre Bedürfnisse maßgeschneidert werden.