Nahrungsmittelallergien: Warum Heuschnupfenpatienten besonders gefährdet sind
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund
vom 12.03.2008 16:00 Uhr
GNL5356
Für Heuschnupfen-Geplagte beginnt bald wieder die Allergie-Saison, und die Pollen von Birken, Hasel, Beifuß oder Erle fliegen durch die Lüfte. Zu allem Überfluss sind viele Menschen jedoch nicht nur von einer Pollenallergie betroffen, sondern reagieren auch empfindlich auf pflanzliche Nahrungsmittel, die ähnliche Allergene (allergieauslösende Stoffe) enthalten wie „ihre“ Pollen. Solche Reaktionen werden als „Kreuzallergien“ bezeichnet. Mediziner gehen davon aus, dass sie bei 80 bis 90 % aller Personen mit einer Lebensmittelallergie eine Rolle spielen, d. h., eine Lebensmittelallergie tritt fast immer kombiniert mit einer Pollenallergie („Heuschnupfen“) auf. Doch wie hoch ist für Sie persönlich das Risiko einer Lebensmittelallergie? Bei welchen Nahrungsmitteln müssen Sie besonders vorsichtig sein? Und ist wirklich jede Reaktion auf ein Lebensmittel eine Allergie? Hier finden Sie leicht verständliche Antworten auf diese Fragen, bei denen auch unter Therapeuten oft große Verwirrung herrscht.
Symptome nicht nur im Magen- Darm-Trakt
Britischen und niederländischen Studien zufolge glauben über 30 % der Westeuropäer, dass sie auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagieren. Doch wenn diese Personen einer eingehenden Diagnostik unterzogen werden, dann schrumpft die Zahl der „echten“ Allergiker auf maximal 3 % zusammen. Wenn Sie also auf ein Nahrungsmittel empfindlich reagieren – beispielsweise mit Hautausschlägen, Schwellungen im Gesichtsbereich oder aber auch mit Übelkeit, Durchfall und Erbrechen –, dann steckt in den allermeisten Fällen eher eine so genannte Nahrungsmittelunverträglichkeit (Pseudoallergie) dahinter. Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems. Dieses attackiert harmlose Nahrungsbestandteile, als ob es gefährliche Krankheitserreger wären. Dagegen ist das Immunsystem bei Pseudoallergien nicht beteiligt. Die Reaktionen werden direkt durch die Inhaltsstoffe ausgelöst, oder es kommt zu Beschwerden, weil wichtige Verdauungsenzyme fehlen.
Das können Gründe für Reaktionen auf Lebensmittel sein:
- Allergien
- hoher Gehalt an bioaktiven Substanzen (z. B. Histamin)
- Milchzucker- und Fruchtzuckerunverträglichkeit
- Zöliakie (Unverträglichkeit gegen Gluten, das Klebe-Eiweiß in Getreide)
- Fettunverträglichkeit bei Erkrankungen der Galle oder Bauchspeicheldrüse
- psychosomatische Reaktionen (Ekel, Angst)
Besonders gefährlich sind Nüsse, Sellerie und Soja
Die häufigsten Pollenallergien in Deutschland bestehen gegen die „Frühblüher“ Birke, Hasel und Erle. Platz 2 und 3 in der Allergie-Rangliste werden von Beifuß und Gräsern (inklusive Getreide) eingenommen. Nicht jeder, der auf diese Pollen allergisch reagiert, hat dasselbe Risiko, auch von einer Lebensmittelallergie betroffen zu sein. Am stärksten sind Sie als Birken-/Erlen-/Hasel-Allergiker gefährdet.
Auf diese Nahrungsmittel reagieren Erwachsene oft allergisch:
- Erdnüsse
- Sellerie
- Hasel- und Walnüsse
- Soja
- Fisch, Schalentiere
- Milch
Oft schwächt sich eine Allergie im Laufe des Lebens ab, aber bei Wal- und Haselnüssen sowie bei Fisch und Meeresfrüchten bleibt sie meistens lebenslang bestehen.
Nicht immer liegt wirklich eine Allergie vor
Viele Menschen haben jedoch weniger mit den echten Allergien, sondern eher mit Unverträglichkeiten zu tun, die ohne eine Überreaktion des Immunsystems ablaufen.
Diese Inhaltsstoffe sind oft für Unverträglichkeiten verantwortlich:
- Histamin (z. B. in Sauerkraut)
- Serotonin (z. B. in Bananen)
- Tryptamin (z. B. in Schokolade, gereiftem Käse)
- Glutamat (z. B. in ostasiatischen Gerichten)
- Nahrungsmittelzusätze (z. B. Benzoesäure)
Manche Personen reagieren auch auf Lebensmittel empfindlich, die zwar selbst kein Histamin enthalten, aber die Ausschüttung dieses Botenstoffs im Körper bewirken, z. B. Erdbeeren, Tomaten und Rotwein.
Die meisten Testverfahren liefern falsche Ergebnisse
Wenn Sie ein Lebensmittel nicht vertragen, sollten Sie nicht voreilig auf eine Allergie tippen. Leider tun dies oft auch Therapeuten, ohne tatsächlich eine genaue Ursachenforschung zu betreiben. Außerdem sind viele Diagnosemethoden viel zu ungenau und zeigen mitunter eine Allergie an, ohne dass sie tatsächlich besteht. Das trifft einerseits auf „schulmedizinische“ Allergietests wie den Prick-Test, den Leukozytentransformationstest oder verschiedene Bluttests zu. Aber Sie sollten sich auch nicht auf „alternative“ Methoden wie die Kinesiologie, Bioresonanzdiagnostik, Irisdiagnose oder die Elektroakupunktur nach Voll (EAV) verlassen. Keines dieser Verfahren ist in der Lage, eine Lebensmittelallergie eindeutig zu bestimmen. Das einzige Verfahren, das eine Allergie zweifelsfrei nachweisen kann, ist der so genannte Provokationstest. Dabei erhalten Sie unter ärztlicher Aufsicht (z. B. im Rahmen eines Klinikaufenthalts) die verdächtigen Substanzen in Kapselform verabreicht. Wenn dann eine allergische Reaktion auftritt, kann zweifelsfrei von einer Allergie ausgegangen werden.
Die Naturheilkunde behandelt zuerst den Darm
Während die Schulmedizin den Allergikern rät, „ihre“ Allergene strikt zu meiden, haben Naturheilkundler alternative Behandlungsmethoden entwickelt. Zu Beginn werden allerdings auch hier die betreffenden Nahrungsmittel aus dem Ernährungsplan gestrichen. Doch nach einigen Wochen können Sie beginnen, sich wieder vorsichtig an das Allergen zu gewöhnen. Geeignet ist dazu die so genannte 4-Tage-Rotationskost, bei der Sie das Allergen lediglich jeden vierten Tag zu sich nehmen. Sie hat sich bei Allergien, aber auch bei den viel häufigeren Pseudoallergien bewährt. Allerdings sollten Sie gleichzeitig eine naturheilkundliche Therapie durchführen, deren Ziel es ist, die Darmschleimhaut „abzudichten“, sodass die Allergene nicht mehr in den Blutkreislauf eindringen können. Die Heilpflanzen und Homöopathika haben eine so genannte adstringierende Wirkung, d. h., sie bewirken, dass die Schleimhautzellen enger zusammenrücken. Die Vitalstoffe fördern das Wachstum einer neuen und kräftigeren Schleimhaut, die den Allergenen mehr Widerstand entgegensetzt. Probiotika enthalten lebende Darmbakterien, die einen positiven Einfluss auf die Darmflora ausüben.
Diese Mittel dichten die Darmschleimhaut ab:
- Heilpflanzen (z. B. Myrrhe, Knoblauch, Kamille)
- Homöopathika (Okoubaka, Yerba santa)
- Vitalstoffe (B-Vitamine, Vitamine A, C und E, Zink, Selen)
- Probiotika (z. B. Mutaflor®, Symbioflor®, Colibiogen®)
Welche dieser natürlichen Mittel bei Ihnen eingesetzt werden, muss Ihr Therapeut nach eingehenden Untersuchungen entscheiden. In den meisten Fällen wird es ihm mit diesem Arsenal gelingen, die Allergien und Unverträglichkeiten in den Griff zu bekommen. Sie müssen also keinesfalls den „Kopf in den Sand stecken“ und mühsam versuchen, die Allergene zu meiden. Wie so oft bietet hier die individuell eingesetzte Naturheilkunde eine wirksamere Alternative als die am „Schema F“ orientierte Schulmedizin.
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