Mit der Übelkeit fertig werden: Wenn eine Therapie Sie krank macht
unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief in Täglich Gesund
vom 1. April 2008, 17:38 Uhr
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Zuerst wurde die Diagnose Krebs gestellt. Monate einer Chemotherapie stehen bevor. Bereits jetzt machen Sie sich Gedanken darüber, wie Sie mit den möglichen Nebenwirkungen der Chemotherapie fertig werden. Von anderen Krebspatienten, die chemotherapiert wurden, wissen Sie, dass insbesondere Übelkeit und Erbrechen auftreten können.
Doch muss es wirklich so schlimm kommen? In den letzten 10 Jahren wurden große Fortschritte bei der Entwicklung von besseren Medikamenten zur Bekämpfung von Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis) gemacht. Ihre Anwendung hat nicht nur den Menschen Erleichterung gebracht, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen. Antiemetika helfen auch Patienten, die im Rahmen eines operativen Eingriffs eine Vollnarkose bekommen. Denn letztere können von den gleichen Wirkstoffen profitieren, die bei einer Krebstherapie Übelkeit als Nebenwirkung verhindern sollen.
Chemotherapie und Antiemetika
Entsprechend des Schweregrades der zu erwartenden Nebenwirkungen von Übelkeit und Erbrechen werden die verschiedenen chemotherapeutischen Wirkstoffe (Zytostatika) oder Wirkstoffkombinationen einer Skala zugeordnet. Anhand des entsprechenden Wertes auf der Skala können die Ärzte den Patienten gegegebenfalls bereits zur Vorbeugung vor Beginn einer Chemotherapie Medikamente gegen Übelkeit verabreichen. Wenn von einer Chemotherapie nur geringgradige Übelkeit als Nebenwirkung erwartet wird, kann Ihr behandelnder Arzt Ihnen ein Neuroleptikum wie zum Beispiel Triflupromazin (Psyquil®) oder Levomepromazin (Neurocil®) verordnen. Auch Alizaprid (Vergentan®) wird häufig bei geringgradiger Übelkeit eingesetzt (dieser Wirkstoff ist in Deutschland noch nicht zugelassen).
Sollte Ihr Arzt allerdings als Reaktion auf ein Chemotherapeutikum stärkere Übelkeit und Erbrechen erwarten, wird er Sie wahrscheinlich zur Bekämpfung der Übelkeit mit stärker wirksamen Medikamenten behandeln. Dazu zählen Dolasetron, Granisetron und Ondansetron (Zofran®) und Tropisetron (Navoban®). Ein neueres Mitglied dieser Medikamentenklasse ist der Wirkstoff Palonosetron (Aloxi®), der nur intravenös verabreicht werden kann. Er ist teurer als die anderen Wirkstoffe, doch seine Wirkung scheint etwas effektiver zu sein und zudem länger anzuhalten. Die Wirksamkeit dieser Medikamente (die so genannten Setrone) kann durch die zusätzliche Gabe von Kortikosteroiden noch weiter gesteigert werden.
Zur Behandlung von prolongierter, das heißt über die Chemotherapie hinaus andauernder Übelkeit, könnte Ihr Arzt Aprepitant (Emend®) in Erwägung ziehen. Allerdings ist dieses Medikament deutlich teurer, es wird in der Regel aber von den Krankenkassen erstattet. Wird dieses Medikament in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingenommen, so ist es den Setronen (z. B. Ondanstron®, Dolasetron®) bei Chemotherapeutika, die starkes und prolongiertes Erbrechen verursachen, überlegen.
Auch Kortikosteroide können dazu beitragen, Übelkeit während einer Chemotherapie zu lindern. Häufig werden sie zusätzlich zu den Setronen eingesetzt, um Übelkeit zu verringern. Allerdings halten sie die Patienten meist auch wach, was den notwendigen Schlaf verhindert. In diesem Fall kann Ihnen der Wirkstoff Lorazepam (Tavor®) dabei helfen, sich zu entspannen und Ihnen zu mehr Ruhe verhelfen.
Auch Akupunktur hat sich als wirksam erwiesen
Eine andere Behandlungsoption, die Sie in Erwägung ziehen könnten, ist die Akupunktur. Der amerikanischen Gesundheitsbehörde National Institutes of Health zufolge gibt es sichere Beweise dafür, dass Akupunktur den Betroffenen Erleichterung bei Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie verschafft.
Häufig verwenden Ärzte zur Verhinderung von Übelkeit nach einer Narkose mehr als einen Wirkstoff. Als Zusatzmedikamente haben sich hier Antihistaminika oder Kortikosteroide bewährt.
Selbst die Erwartungshaltung kann Übelkeit auslösen
Bis zur Hälfte der Patienten, die eine Chemotherapie bekommen, entwickeln schon im Vorfeld Übelkeit. Dies wird als antizipatorische Übelkeit bezeichnet. Die Übelkeit wird typischerweise durch Gegenstände oder Situationen ausgelöst, die mit der Behandlung in Verbindung stehen, beispielsweise durch den Geruch eines alkoholhaltigen Wattetupfers oder dem Anblick der Krankenpflegerin, die dem Patienten die Chemotherapie verabreicht - selbst dann, wenn der Patient sie in Zivil und nicht in der Krankenhausumgebung sieht.
Die Patienten, bei denen die Übelkeit schon in Erwartung der Chemotherapie auftritt, haben eventuell schon schwere Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel bei vorhergehenden Chemotherapien erlebt oder aber sie haben eine Vorgeschichte einer Reisekrankheit (z. B. Seekrankheit, im Flugzeug). Manchmal hängen die Probleme auch mit extremen Sorgen und Ängsten vor der bevorstehenden Therapie zusammen. Die klassischen Medikamente gegen Übelkeit sind bei der antizipatorischen Übelkeit nicht sehr hilfreich. Dagegen können Angst lösende Medikamente, so genannte Anxiolytika wie der Wirkstoff Lorazepam (Tavor®), in Verbindung mit Entspannungstechniken und Verhaltensänderungen sehr hilfreich sein.
Was können Sie selbst zur Verhinderung oder Linderung der Übelkeit beitragen?
Zusammen mit der Therapie mit Antiemetika können Selbsthilfestrategien, beispielsweise Entspannungstechniken, Ihr Befinden während der Chemotherapie stabilisieren. Aber es gibt auch noch einige andere hilfreiche Tipps:
- Keine Verzögerung - Die antiemitisch wirksamen Medikamente sollten schon 30 bis 60 Minuten vor der Chemotherapie verabreicht werden.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt - Stellen Sie sicher, dass Ihr behandelnder Arzt ein klares Bild von der Schwere Ihrer Übelkeit hat. Normalerweise ist es möglich, sinnvolle Veränderungen in den anschließenden Chemotherapiezyklen vorzunehmen. Sprechen Sie Ihren Arzt auch darauf an, ob bei Ihnen Akupunktur zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden kann.
- Essen Sie mehrmals am Tag leichte Kost - Vermeiden Sie drei große Mahlzeiten am Tag. Sie könnten es mit einer leichten Zwischenmahlzeit ein paar Stunden vor der Behandlung versuchen.
- Essen und trinken Sie langsam - Essen Sie nach Ihrem eigenen Tempo und hören Sie bei Sättigkeitsgefühl auf zu essen. Essen Sie nicht zu viel.
- Nehmen Sie „Wunschkost" zu sich - Essen Sie vielfältig, aber suchen Sie Nahrungsmittel aus, die Sie besonders gut essen und verdauen können. Selbst Knabbereien wie Salzcracker können hilfreich sein.
- Trinken Sie viel - Versuchen Sie, an kalten Getränken wie Cola, Ginger Ale oder Mineralwasser mit Zitronengeschmack zu nippen, um die Übelkeit zu reduzieren. Allerdings sollten Sie es vermeiden, während des Essens zu viel zu trinken.
- Ruhen Sie nach dem Essen - Legen Sie sich nicht flach hin, aber entspannen Sie sich nach einer Mahlzeit und beschäftigen Sie sich mit einfachen Dingen, für die Sie Ihren Verstand brauchen.
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