Medikamente zur Senkung des Demenz-Risikos
unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief in Täglich Gesund zum Thema Demenz
vom 14. Juni 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Eine kürzlich durchgeführte Studie kommt zu folgendem Ergebnis: Einige Medikamente aus einer bestimmten Arzneimittelklasse, die ursprünglich zur Senkung von Bluthochdruck (Hypertonie) eingesetzt werden, können das Risiko für Demenz, darunter auch Alzheimer-Krankheit senken. Die Erkenntnisse der Studie gehen sogar so weit, dass durch diese Medikamente auch ein Fortschreiten bereits ausgebrochener Erkrankungen aufgehalten werden kann.
Bei diesen Arzneimitteln handelt es sich um Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB), die zur Blutdruckregulierung eingesetzt werden. Darüber hinaus werden sie auch zur Behandlung von anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie der kongestiven Herzinsuffizienz verabreicht. Die Studie wurde vor kurzem in der Online-Ausgabe des britischen medizinischen Fachjournals BMJ veröffentlicht. Die Wissenschaftler vermuten, dass aufgrund ihrer Ergebnisse damit zu rechnen ist, dass Angiotensin-IIRezeptorblocker eine schützende Wirkung auf unser Gehirn haben.
Bei der Studie wurden mehr als 800.000 Menschen, die herzkrank und über 65 Jahre alt waren, auf Demenzerkrankungen hin untersucht. Die Teilnehmer wurden je nach dem, welche Medikamente sie einnahmen, in drei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe wurde mit den Angiotensin-II-Rezeptorblockern Candesartan (z. B. Atacand plus® sowie diverse Generika), Irbesartan (z. B. Aprovel® und weitere), Losartan (z. B. Lorzaar® und andere) oder Valsartan (z. B. Diovan®) behandelt.
Den Studienteilnehmern der zweiten Gruppe wurde ein anderer Blutdrucksenker verabreicht. Hierbei handelte es sich um den ACE-Hemmer Lisinopril. Die dritte Gruppe nahm andere Herzmittel ein.
Die Forscher fanden heraus, dass in der ARB-Gruppe weniger Demenzfälle auftraten. Wurde eine Demenz-Erkrankung diagnostiziert, schritt die Krankheit weniger schnell fort, und die Todesrate war niedriger als unter den Probanden, die andere Herzmittel einnahmen.
Interessanterweise traten bei den Studienteilnehmern, die mit Candesartan, Irbesartan oder Losartan behandelt wurden, statistisch gesehen weit weniger Demenzerkrankungen auf.
Die Einschätzung der Ärzte der Mayo Clinic: Die Ergebnisse dieser Studie ergänzen frühere Untersuchungen auf diesem Gebiet. Sie weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass hoher Blutdruck ein anerkannter Risikofaktor für Demenz ist und beide Erkrankungen verbunden sind mit Gefäßerkrankungen und verminderter Blutversorgung des Gehirns.
Für Patienten mit Alzheimer im Anfangsstadium sind Auswirkungen auf die Blutzufuhr zum Gehirn ein wichtiger Faktor dafür, wie schnell die Krankheit fortschreitet. Bevor jedoch Medikamente wie ARB bei Alzheimer oder zur Vorbeugung gegen Demenzerkrankungen eingesetzt werden, muss eine randomisierte klinische Studie durchgeführt werden. Randomisierung bedeutet unter anderem, dass die Zuordnung zu einer Behandlungsgruppe nach dem Zufallsprinzip erfolgt und die Einflussfaktoren auf alle Gruppen gleichmäßig verteilt sind.