Medikamente gegen Prostatakrebs: Wägen Sie die Möglichkeiten sorgfältig ab

unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Briefes in Täglich Gesund zum Thema Prostatakrebs
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von unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Briefes

Bis zu diesem Jahr hat Ihnen Ihr Prostatakrebs keine Probleme gemacht. Ihr Arzt sagte, dass die Erkrankung ohne Behandlung bleiben kann, solange sie regelmäßig überwacht wird.


Aber jetzt hat Ihr Arzt festgestellt, dass der Tumor wächst, und deshalb müssen Entscheidungen getroffen werden. Sie müssen die potenziellen Nebenwirkungen der Behandlung gegen den möglichen Nutzen abwägen.

Männer mit Prostatakrebs können auf viele Behandlungsmöglichkeiten zurückgreifen. Ihr Arzt kann ein oder mehrere Medikamente verschreiben, je nachdem in welcher Phase sich die Krankheit befindet. Damit Sie die richtigen Entscheidungen treffen können, müssen Sie eng mit Ihrem Arzt zusammenarbeiten und die Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente verstehen.

Eine kleine Drüse sorgt im Alter häufig für Probleme

Die Prostata ist eine walnussgroße Drüse des Mannes, die unterhalb der Blase sitzt. Sie umgibt den hinteren Teil der Harnröhre, über die die Blase entleert wird. Die Hauptfunktion der Drüse ist die Produktion der Flüssigkeit, in der die Spermien transportiert und ernährt werden.

Mehr als die Hälfte aller Männer entwickelt eine Prostataerkrankung im Alter. Dazu zählen Entzündungen (Prostatitis), eine gutartige Vergrößerung (Benigne Prostata-Hyperplasie, BPH) und Krebs.

Mit dem Alter steigt auch das Risiko für Prostatakrebs. In Deutschland wird es jährlich bei über 31.000 Patienten diagnostiziert. Ein Prostatakrebs kann individuell sehr unterschiedlich voranschreiten. Der Tumor kann aggressiv oder langsam wachsen. Ihr Alter und allgemeiner Gesundheitszustand können die Wahl der Behandlungsmöglichkeiten beeinflussen. Dabei müssen die Risiken der Behandlung gegen die Risiken des Krebses abgewogen werden.

Zwischen welchen Behandlungen Sie wählen können

Da ein Prostatakrebs extrem langsam wachsen und über Jahre keine Symptome verursachen kann, reicht manchmal eine regelmäßige Überwachung in den frühen Krankheitsstadien bei Männern mit anderen Gesundheitsproblemen.

Wenn eine Behandlung notwendig wird und sich der Krebs auf die Drüse beschränkt, gilt die chirurgische Entfernung der Prostata als eine effektive Methode. Diese Operation wird radikale Prostatektomie genannt.

Zu anderen Möglichkeiten gehören zum Beispiel energiereiche Röntgenstrahlen, um die Tumorzellen zu zerstören, oder die Prostata wird mit flüssigem Stickstoff eingefroren (Kryotherapie), sodass die Tumorzellen abgetötet werden. Leider kann aber bei manchen Männern unabhängig von der Behandlung später wieder der Prostatakrebs auftauchen.

Krebsmedikament auch schon in frühen Phasen einsetzbar

Eine Alternative sind Medikamente, die entweder die Produktion der männlichen Hormone (Androgene) unterdrücken oder deren Wirkung im Körper blockieren. Diese Medikamente werden im Allgemeinen bei fortgeschrittenem Prostatakrebs eingesetzt, und auch, wenn sich der Tumor schon in andere Gewebe wie Knochen und Lymphknoten ausgebreitet hat (metastasiert).

Einige Forschungen deuten jedoch daraufhin, dass die Wirkstoffe auch bei frühen Krebsstadien von Vorteil sein können. Außerdem eignen sich diese Medikamente auch für Patienten, bei denen Operation, Bestrahlung oder Kryotherapie nicht möglich sind oder nicht geholfen haben.

Medikamente, die Hormone unterdrücken

Wenn Sie an Prostatakrebs leiden, können männliche Sexualhormone (Androgene) das Wachstum von entarteten Prostatazellen fördern, unabhängig davon, ob sich diese in der Drüse selbst oder schon in anderen Geweben, wie Knochen oder Lymphknoten, befinden. Das wichtigste Androgen ist Testosteron.

Eine Möglichkeit, um die Produktion von Testosteron drastisch zu senken, besteht in der Entfernung der Hoden (Orchiektomie) oder indem eine Substanz injiziert wird, die als Agonist des Luteinisierenden Hormon Freisetzenden Hormons (LH-RH) wirkt. Diese Medikamente wurden entwickelt, um die Testosteronproduktion stark zu reduzieren.

LH-RH-Agonisten verhindern, dass die Hoden – in denen bis zu 90 % des Testosterons gebildet wird – ein Signal zur Testosteronproduktion erhalten. Zu den häufig verwendeten Wirkstoffen gehören Goselerin (Zoladex®) und Leuprolin®. Eine Injektion erfolgt alle 1 bis 4 Monate. Allerdings werden 5 % bis 10 % des Testosterons außerhalb der Hoden in Haut, Nebennieren und anderen Organen gebildet, wo sie nicht durch LH-RH-Agonisten gehemmt werden.

Nebenwirkungen gehören zur Risikoabwägung

Ein anderer Medikamententyp, der bei Prostatakrebs Verwendung findet, blockiert die Testosteronrezeptoren in den Krebszellen. Zu den als Antiandrogene bekannten Wirkstoffen gehören Bicalutamid (Casodex®), Flutamid (z. B. Fugerel®) und Nilutamid (Nilandron®). Antiandrogene werden meist mit LH-RH-Agonisten kombiniert eingesetzt. Sprechen Sie die Behandlungsoptionen genau mit Ihrem Arzt durch, um für Sie die beste Lösung zu finden. Da die Einnahme von Antiandrogenen und LH-RH-Agonisten die Wirkung des körpereignen Testosterons eliminiert bzw. stark einschränkt, ist häufig mit Nebenwirkungen zu rechnen.

Dazu zählen Verlust der Libido, Impotenz, leicht vergrößerte Brüste, schmerzende Brustwarzen, Gewichtzunahme, Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen. Nach Absetzen der Medikation können diese Nebenwirkungen wieder zurückgehen.

In manchen Fällen sind intermettierende Verabreichungen empfehlenswert. Das bedeutet, dass Sie die Medikamente nur eine zeitlang – beispielsweise 2 Jahre – nehmen und dann ebenso lange absetzen. Das erlaubt möglicherweise die Kontrolle der Krankheit bei gleichzeitiger Reduzierung der Nebenwirkungen.

Häufiger wird diese Strategie bei jüngeren Prostatakrebs-Patienten mit etwa 40 Jahren angewendet. Jedoch konnte nicht belegt werden, dass diese Methode effektiver ist als eine kontinuierliche Medikamentengabe ist. Außerdem eigenen sich nicht alle Patienten für diese Therapieform.

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