Mangelnde Fitness bei Jugendlichen nachgewiesen
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund
vom 23. Januar 2012, 16:00 Uhr
GNL5356
„Unsere Kinder werden immer träger und in Folge dessen auch immer dicker" - diese Klage ist bekannt. Nun wissen wir aber, dass es ein „Privileg" der Erwachsenen ist, über die junge Generation zu schimpfen. Beschwerden über die faulen und respektlosen Jugendlichen, die man auch heute noch so verwenden könnte, gibt es schon aus Zeiten der alten Griechen und Römer.
Also - ist nichts dran an den Schimpftiraden über träge Kinder und Jugendliche? Leider weit gefehlt. Denn nun lässt sich mit Zahlen belegen, was bisher eher eine Vermutung war: Früher war zwar nicht alles besser, aber die Jungendlichen früherer Generationen waren deutlich fitter.
Dieses Ergebnis stammt aus Norwegen. Hier haben Mitglieder der Universität Stavanger die sportlichen Leistungen von Jugendlichen ausgewertet. Es handelte sich dabei um Ergebnisse von 3.000-Meter-Läufen, erzielt zwischen 1969 und 2009. So erhielten die Wissenschaftler einen Überblick über die Leistungen der Jugendlichen der letzten vierzig Jahre.
Bis Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren diese Leistungen stabil geblieben. Jugendliche gleichen Alters erreichten in etwa immer gleiche Zeiten. Dann aber rutschten die Ergebnisse plötzlich drastisch ab. In den letzten zwanzig Jahren verschlechterten sich die Zeiten deutlich. Nicht nur, dass es immer mehr Jugendliche gab, die deutlich langsamer und weniger sportlich waren. Auch die Besten waren langsamer unterwegs und hatten deutlich schlechtere Zeiten als die Generationen vor ihnen. Generell brauchen Jungs im Durchschnitt heute 1:20 Minuten länger, Mädchen eine Minute länger als früher.
Was ist der Grund für diese mangelnde Fitness? Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es daran liegt, dass Jugendliche sich heute deutlich weniger bewegen. In Norwegen kam es seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts dazu, dass immer mehr Jugendliche vor dem Computer saßen, statt sich draußen aufzuhalten. Diese überwiegend im Sitzen verbrachte Freizeit hinterlässt natürlich ihre Spuren. Allerdings ist dieses Verhalten kein typisch norwegisches Problem - es lässt sich so auch auf Deutschland übertragen.
Aber noch einen Punkt stellen die Forscher heraus - und auch dieser lässt sich eins zu eins auf Deutschland übertragen: Der „erzwungene" Sport wird gekürzt. Soll heißen: Immer häufiger fällt der Schulsport Kürzungen zum Opfer, wird für andere Fächer zusammengestrichen. Häufig werden dann Sportarten unterrichtet, die wenig bewegungsintensiv sind - die Folgen werden bei vielen Jugendlichen erst im Erwachsenenalter sichtbar sein, wenn die ersten gesundheitlichen Probleme aufgrund von fehlender Bewegung auftreten.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Otto Uebelhör (23.01. 2012 17:16 Uhr):
Die fehlende Fitness bei Jugendlichen kann ich nur bejahen. Das kann man auf Sicht von mehreren Jahren nur in den Griff bekommen, wenn sich die Eltern und die Lehrer mal Gedanken über dieses Thema machen. Aber wie soll das funktionieren, wenn die Fettleibigkeit unter den Erwachsenen noch viel höher ist?
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