Manchmal wird das Blut behandelt, bevor es wieder gespritzt wird
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten zum Thema Eigenbluttherapie
vom 6. September 2011, 05:00 Uhr
GNL5356
Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war die Reiztherapie mit Blutinjektionen groß in Mode. Sie wurde unter anderem von dem Arzt August Bier vorangetrieben. Er wollte damit Entzündungen und Infektanfälligkeit bekämpfen. Man berichtete über allerlei Erfolge bei Erkrankungen wie Syphilis, Herz- und Kreislauferkrankungen, Haut- und Augenkrankheiten sowie orthopädischen und gynäkologischen Erkrankungen. Bevor das Blut injiziert wurde, unterzog man es diversen Behandlungen. Man ließ es gefrieren und taute es wieder auf, entfernte Faktoren, die für die Blutgerinnung wichtig sind, oder Blutkörperchen und versetzte es mit Sauerstoff. Aus letzterem entwickelte sich dann später die Sauerstofftherapie. Heute wird die Eigenbluttherapie hauptsächlich von Heilpraktikern und naturheilkundlich tätigen Ärzten durchgeführt.
Für einen dauerhaften Erfolg sind mehrere Behandlungszyklen notwendig. Gespritzt wird normalerweise 1- bis 2-mal in der Woche. Zunächst beginnt der Therapeut mit geringen Mengen, die dann gesteigert werden. Soll eine akute Krankheit bekämpft werden, injiziert der Therapeut für eine Weile lang jeden Tag Eigenblut. Bei chronischen Erkrankungen sind die Abstände größer, die Dauer der Behandlung dafür länger. Soll der Effekt gesteigert werden, kann der Therapeut unter Umständen Mistelextrakt oder Echinacea mit einspitzen. Bei einer anderen Variante verdünnt er das Blut nach homöopathischen Grundsätzen. Gelegentlich wird das Blut auch in die Akupunkturpunkte oder in die so genannten Triggerpunkte in verspannten Muskelpartien gespritzt.
Die Eigenbluttherapie ist umstritten. Kritiker bemängeln, dass es zur Wirksamkeit nicht ausreichend verlässliche wissenschaftliche Studien gibt. Allerdings gibt es keine Gelder für die Forschung. Die Wirksamkeit beim atopischen Ekzem ist allerdings belegt. Ebenso konnte eine leichte Stimulation des Immunsystems nachgewiesen werden.
Die Nebenwirkungen können schwerwiegend sein, sind jedoch bei richtiger Anwendung selten.
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