Lebensmittelinfektionen: Vor diesen Erregern sollten Sie sich schützen
Dr. Ulrich Fricke in Täglich Gesund
vom 9. August 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Im Sommer genießen wir es, draußen zu grillen oder mit einer Schüssel Obstsalat im Garten zu sitzen. Doch nicht nur wir, sondern auch Bakterien fühlen sich wohl, wenn die Außentemperaturen steigen. Dabei sind die vielfach gefürchteten Salmonellen-Infektionen nicht mehr das Hauptproblem. Ihre Zahl ist rückläufig, seit das Geflügel dagegen geimpft wird. Doch die Wachablösung hat mit Bakterien wie Clostridien, Campylobacter und Listerien längst stattgefunden. Campylobacter ist in Deutschland mittlerweile Spitzenreiter bei den bakteriellen Magen-Darm-Infekten. Deren Zahl hat sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht, offensichtlich auch, weil 80 % der deutschen Hühner mit diesem Keim infiziert sind.
Listerien: Tödliche Gefahr für Schwangere und immungeschwächte Menschen
Clostridien sind ebenfalls auf dem Vormarsch. Der Erreger ist in den letzten sechs Jahren durch genetische Veränderungen deutlich aggressiver geworden. Er wird leichter übertragen und ruft schwerere Symptome hervor. In Krankenhäusern ist dieses Bakterium die Hauptursache für Durchfall.
Und auch Listerien werden immer öfter gemeldet. So kommt es in Deutschland jährlich zu 200 bis 500 Infektionen - insbesondere ältere Menschen und Schwangere sind betroffen (wegen des geschwächten Immunsystems). Bei ihnen verläuft fast jede dritte Infektion - trotz Antibiotikatherapie - tödlich.
Hier finden sich die häufigsten Lebensmittelkeime:
- Campylobacter: Hühner-, Rind- und Schweinefleisch
- Clostridien: Rindfleisch, Geflügel, Meeresfrüchte
- Listerien: Rohwurst, rohes Fleisch, Rohmilchkäse, z. B. Emmentaler oder Camembert
- Escherichia coli: Rohmilch, Softeis, teilweise Trinkwasser
- Salmonellen: Geflügel, Eierspeisen
Antibiotika sind nur in schweren Fällen nötig
Die Alarmglocken sollten bei Ihnen schrillen, wenn sich zu einer Durchfallerkrankung Fieber gesellt oder wenn sich die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen nicht bessern. Dann dürfen Sie die Infektion nicht auf die leichte Schulter nehmen, und ein Arztbesuch ist dringend angeraten.
In den meisten Fällen genügen Antibiotika. Schlägt die Therapie mit einem Breitband-Mittel fehl, muss der genaue Bakterienstamm im Labor bestimmt werden. Dann kann ein dazu passendes Antibiotikum ausgewählt werden.
Die häufigsten Durchfallerreger sind jedoch immer noch die vergleichsweise harmlosen Viren. Eine solche Infektion ist meist nach drei Tagen ausgestanden. Sie sollten dabei Flüssigkeitsverluste durch Rehydratationslösungen aus der Apotheke ausgleichen. Notfalls hilft auch eine selbst hergestellte Lösung: 1 Liter Flüssigkeit (abgekochtes Wasser oder Tee) vermischen Sie mit 8 TL Zucker und 1 TL Kochsalz (so genannte WHO-Lösung).