Lassen Sie gesundes Essen nicht zum Zwang werden
Dr. Michael Spitzbart in Täglich Gesund
vom 20. Juli 2010, 16:00 Uhr
GNL5356
Eine gesunde Ernährung ist wichtig für Sie. Nur so versorgen Sie sich mit allen Vitalstoffen, die Ihr Körper braucht. Wenn Sie dann noch darauf achten, dass Sie möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen und vielleicht verstärkt auf echte Bioware setzen, dann bin ich zufrieden mit Ihnen. Aber sicherlich beißen Sie dennoch gerne mal in eine Grillwurst, knabbern Chips oder Schokolade, trinken auf einer Feier mal Alkohol. Und genau das unterscheidet Sie von Menschen, die unter einer Orthorexie leiden.
Die Schritte in die Orthorexie
Von einer Orthorexie spricht man, wenn gesundes Essen zum Zwang wird. Der Begriff für diese Ess-Störung selbst ist noch recht jung. Er wurde erst im Jahr 1997 von einem amerikanischen Arzt festgelegt und bedeutet „gute Ernährung" oder „richtiger Appetit".
Verstehen Sie das jetzt bitte nicht falsch: Das Krankhafte an einer Orthorexie ist nicht, dass der Betroffene sich gesund ernährt. Es ist vielmehr der selbst auferlegte Zwang, sich ausschließlich(!) von gesundem Essen zu ernähren.
In den letzten Jahren greift diese Ess-Störung immer weiter um sich, bedingt durch Lebensmittelskandale und den Wunsch nach einer wirklich gesunden Ernährung. Dabei geht es nicht um die Menge, die gegessen wird. Wichtig ist, dass die Lebensmittel eine möglichst hohe Qualität haben. Nach und nach verschärfen Menschen, die unter Orthorexie leiden, dann die Regeln, die sie selbst an ihre Ernährung stellen. Der Weg in die Orthorexie verläuft schrittweise:
- Die Ess-Störung beginnt damit, dass die Betroffenen immer mehr Obst und Gemüse essen.
- Nach und nach wird dieses dann nur noch in Bioläden eingekauft. Es werden ausschließlich Lebensmittel verwendet, die aus biologisch-dynamischem Anbau stammen.
- Die Betroffenen konzentrieren sich auf einen Laden, in den sie vollstes Vertrauen haben, und kaufen nirgendwo anders mehr.
- Es wird nur noch Obst gekauft, das ganz frisch geerntet worden ist.
- Auf Zucker wird ganz verzichtet.
- Alle Nahrungsmittel müssen selbst hergestellt werden.
- Bei Einladungen nehmen sich Betroffene ihr Essen mit, um nicht konventionell hergestellte Nahrung essen zu müssen.
- In der Endstufe verzichten dann Betroffene eher auf die Nahrung, bevor sie eine Speise zu sich nehmen, die ihre Regeln bricht.
Verstoßen sie gegen die selbst aufgestellten Nahrungsgesetze, bestrafen sie sich selbst. Hierzu stellen sie dann noch strengere Regeln auf, wie zum Beispiel Verzicht auf nicht mehr ganz frisch aussehende Lebensmittel. Obst wird dann schon verweigert, wenn es irgendwo eine braune Stelle aufweist.
Verweigerung führt zu Vitalstoffmangel und starkem Gewichtsverlust
Menschen, die an Orthorexie leiden, gehen zunächst einmal kein Gesundheitsrisiko ein, im Gegensatz zu anderen Ess-Störungen wie Magersucht oder Bulimie. Wenn die selbst aufgestellten Regeln allerdings immer strenger werden, dann kann es passieren, dass viele Lebensmittel nicht mehr akzeptiert werden. Sie könnten ja einen falschen Herstellungsprozess durchlaufen haben, mit Keimen verseucht oder durch Umweltprobleme wie sauren Regen belastet sein. Dann erst kommt es zu einer mangelhaften Ernährung, bei der es auch zu einer Unterversorgung mit Vitalstoffen kommen kann. Die Folge ist ein starker Gewichtsverlust, und wegen der fehlenden Vitalstoffe können Zivilisationskrankheiten schneller auftreten.
Seelische Vereinsamung: Die Folge der Orthorexie
In den meisten Fällen kommt es bei der Orthorexie zu schweren psychischen Folgen. Betroffene versuchen, Familienmitglieder, Freunde und Bekannte zu missionieren. Sie sind geradezu besessen von dem Wahn, sich gesund zu ernähren, und wollen nun auch ihr Umfeld von der falschen Ernährung erlösen. In den meisten Fällen will die Umgebung sich aber eine so strenge Ernährung nicht auferlegen lassen. Da die Bekehrungsversuche sehr penetrant sind und immer wieder durchgeführt werden, ziehen sich die Freunde und Familienmitglieder zurück. Die Folge ist Einsamkeit.
So äußert sich eine Orthorexie
Ob es sich wirklich um eine Orthorexie handelt, erkennen Ärzte und Psychologen meist schon bei einem Gespräch über das Thema „Ernährung", da auch hier Bekehrungsversuche gestartet werden. Typische Anzeichen sind auch folgende:
- Die Betroffenen denken drei Stunden und mehr am Tag über ihr Essen nach.
- Sie planen ihre Mahlzeiten lange im Voraus und können sich nicht spontan etwas zubereiten.
- Sie verbinden Ernährung nicht mit Genuss.
- Es kommt zu Schuldgefühlen, wenn sie einmal über die Stränge schlagen.
- Frühere Lieblingslebensmittel stehen plötzlich auf der Verbotsliste.
- Die Betroffenen stellen sich immer strengere Ernährungsregeln auf.
Hilfe bietet die Psychotherapie
Orthorexie gilt bis heute nicht als Krankheit, obwohl sie - seelisch gesehen - eine Art Zwangserkrankung ist und sogar bis hin zur Magersucht führen kann. Der Behandlungsansatz bei Orthorexie ist klar: Essen muss wieder Spaß machen, die Betroffenen müssen es wieder genießen können. Sie müssen erfahren, dass es ihnen gut tut und kein Zwang ist. Dies kann nur mit psychotherapeutischer Hilfe geschehen. In der Therapie erhalten Sie einen festgelegten Essensplan mit vielen kleinen Mahlzeiten, den Sie genau einhalten müssen. Ziel: Sie sollen wieder lernen, wie schön, genussreich und angenehm die Nahrungsaufnahme sein kann.
ähnliche Beiträge
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Arminia (21.07. 2010 00:32 Uhr):
MERKE: Gesundheit ? Gibt`s nicht ohne Therapeuten !! Typisch Schulmedizin - sie versteht es immer wieder, aus allem eine Krankheit zu machen - wer sich bewußt gesund - z. B. wie ein Rohköstler - ernähren will, kann ja nicht alle Tassen im Schrank haben. Wenn er dann auch noch tatsächlich gesund bleibt, dann müssen aber wenigstens die Psychotherapeuten noch etwas an ihm verdienen und ihm das Gehirn wieder sauberwaschen. Ach ja, sie stellen dann auch noch einen Ernährungsplan zusammen, damit ungesundes Essen und damit evt. verbundene Krankheiten wieder richtig Spaß machen. Schlimmer geht`s nimmer !
Antworten - Kommentar von christa (21.07. 2010 07:46 Uhr):
Orthorexie k a n n zum Zwang werden, aber wenn ich es schaffe, mich gesund zu ernähren und ohne diese Genuß ausrutscher zu leben, dann ist da nichts Schlimmes dran, außer daß es denen, die diesen Genuß brauchen, unangenehm ist. Was ist Schlimmes daran, sich ausschließlich gesund zu ernähren? Daß die Lebensmittelindustrie dadurch ans Hungertuuch gerät oder oder die Pharmaindustrie, weil die Menschen gesünder sind und deren Gehirn wieder besser funktioniert? ich warte darauf, wann eine Artikel erscheint, daß richtiges Verhalten im Straßenverkehr zwanghaft ist, weil es ja genügend Verkehrsrowdys gibt. mit freundlichen Grüßen Christa
Antworten - Kommentar von Micha (21.07. 2010 08:14 Uhr):
Kleine Sünden machen das Leben ja erst lebenswert. Die armen Naturvölker, deren Leben war also nicht lebenswert? Außerdem: Viele Vollwertanwender wissen aus eigener Erfahrung, daß schon kleine Mengen Industrizucker in Kombination mit Vollkorn zu Unverträglichkeiten führen können. Die Ess-Störung beginnt damit, dass die Betroffenen immer mehr Obst und Gemüse essen. So so, ein hoher Obst- und Gemüseanteil ist also der Beginn einer Eßstörung... Also wer so einen Schwachsinn schreibt? Im Rahmen des KORA-Projektes wurde bei 40% der Teilnehmer eine diabetische Stoffwechsellage festgestellt. Ein großes Problem der heutigen Zeit ist überkalorische Ernährung auf Grund Nahrungsmitteln mit hoher Energiedichte in Kombination mit Bewegungsmangel. Obst und Gemüse sind energiearme Lebensmittel... Fleisch gehört nur wenig auf den Teller. Wie konnten Inuit, Aborigines uva. nur ohne Zivilisationskrankheiten überleben? Sie verbinden Ernährung nicht mit Genuss. In diesem Fall ist tatsächlich was schief gelaufen. Gesunder Ernährung wird allerdings schnell auch der Genzßfaktor abgesprochen. Ein völliger Irrtum! Geschmack ist Gewöhnungssache und innerhalb weniger Wochen veränderbar. Was für den einen der Kuchen, ist für den anderen Balut. Eine frisch gebackene Scheibe Vollkornbrot, belegt mit Wildlachs oder hochwertigem Rohmilchkäse.... Was sind dagegen Industrie- Chemie-Chips oder der Einheitsgeschmack der Milkakategorie. Frühere Lieblingslebensmittel stehen plötzlich auf der Verbotsliste. Logisch und richtig, denn wer auf gesund umgestellt hat, hat seine Gründe dafür, z.B. einen ehemaligen Mangel an Gesundheit. Alle Nahrungsmittel müssen selbst hergestellt werden. Das ist tatsächlich zu bevorzugen. Man sollte das Buch Die Joghurtlüge gelesen haben. Fazit: Selten so viel Unsinn gelesen. Sicher kommt Orthorexie vor. Doch dieses Thema ist bei weitem differenzierter zu betrachten.
Antworten - Kommentar von Julia (21.07. 2010 15:35 Uhr):
Sind Sie eine Freundin der Pharmaindutrie, oder vielleicht der Lebensmittel- bzw. Zuckerindustrie und wollen den Leuten einreden, dass der Verzicht auf Zucker, Weißmehl und Cola eine Krankheit sei?
Antworten - Kommentar von Martina Krohn (22.07. 2010 17:08 Uhr):
Als ich den Bericht lass war ich erst irritiert, habe mich teilweise wiedererkannt. Mittlerweile muss ich herzlich lachen + überlege ernsthaft, ob ich Ihren Newsletter lieber wieder abbestellen soll. HALLO. Eine gesunde Lebensweise ist KRANKHAFT?? Wer überwiegend Obst + Gemüse isst, hat zu wenig Vitalstoffe? Na ein Glück gibt es die natürlichen Nahrungsergänzungen. Ich ernähre mich sehr bewusst, vegetarisch, überwiegend Obst + Gemüse, verzichte überwiegend sehr gerne auf Zucker + Weissmehl. UND TATSÄCHLICH MISSIONIERE ICH AUCH NOCH. Vielleicht führen Sie sich Ihren Bericht nochmals zu Gemüte und machen sich ernsthaft Gedanken darüber. MFG
Antworten