Lachen Sie sich schlapp, lachen Sie sich gesund
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 18.09.2007 06:00 Uhr
GNL5356
Natürlich von Tag zu Tag, Einfälle und Ausfälle
Bei uns im Hause wird viel und gern gelacht. Wir haben das Glück, dass es in unserer Familie und im Freundeskreis kaum Trauerklöße und Spaßbremsen gibt. Was ja nicht immer ein persönliches Verdienst ist – auch Genetik, Biochemie und Lebenssituation haben da ein Wörtchen mitzureden. Manch einer hat nicht viel zu lachen, anderen ist nicht danach, und von Zeit zu Zeit vergeht wohl allen mal das Lachen.
Als ich vor einer Weile im Magazin „Spiegel“ einen Bericht über ein Treffen von Lachclubs und Humorseminare las, musste ich jedoch wirklich lachen. „Ja, wer erfindet denn so etwas Lächerliches?“ fragte ich mich und machte mich auf die Suche nach weiteren Informationen. Und fand heraus, was nun gar nicht mehr zum Lachen ist: Die Lachforschung, Gelotologie genannt, ist ein inzwischen ernst zu nehmender Zweig der Wissenschaft, der die Heilwirkung des Lachens erforscht.
Die Idee des heilsamen Lachens stammt aus dem indischen Yoga. Auf der Grundlage des Haysa-Yogas entwickelte der Arzt Madan Kataria eine Elf-Schritt-Lachtherapie, von der ich Ihnen demnächst noch berichten werde. Lachen durchbricht Denkblockaden und verschafft der mitmenschlichen Kommunikation mehr Leichtigkeit. Wenn Sie herzlich lachen, wird Ihr Herz-Kreislauf-System stimuliert, Ihre Atmung wird angeregt und Ihre Nerven laufen zur Hochform auf.
Lachen ist besonders hilfreich – gerade wenn Sie nichts zu lachen haben
Die Ergebnisse der Gelotologie sind beeindruckend: So ersetzt zum Beispiel eine Minute Lachen 30 Minuten Entspannungstraining, stärkt zudem das Immunsystem und kurbelt die Ausschüttung von Glückshormonen an. 15 Minuten tägliches Lachen gelten als ein effektives Training für das Herz. Seit die Lachforscher dieses erkannt haben, ist Lachen nicht mehr nur Privatsache. Gelacht wird inzwischen systematisch in Clubs, die Seminare anbieten. Sie alle stehen unter den Fittichen einer Lachzentrale in Wiesbaden, die sich „Kirche des Humors“ nennt. Das angeleitete Lachen ist kostenlos. Die Seminare werden aus Spenden finanziert.
Lachen heilen hilft
Auf Wunderkraft des heilsamen Lachens kam man unter anderem über den Film „Patch Adams“, der vor etwa einigen Jahren in den Kinos lief. Robin Williams spielt darin einen Arzt aus Virginia, der als Clown verkleidet in einem Krankenhaus arbeitet und versucht, die Patienten zum Lachen zu bringen, um sie schneller wieder gesund zu machen. Heute gilt es auch in der rauen Wirklichkeit als erwiesen, dass fröhlich gestimmte Patienten schneller genesen. Es gibt inzwischen kaum eine Kinderklinik, die nicht gern auf die Unterstützung eines Lach-Clowns zurückgreift, um den kleinen Patienten bessere Genesungschancen zu ermöglichen.
Was das Lachen betrifft, ist Deutschland jedoch ein Jammertal: Bei einer Emnid-Umfrage gab kürzlich ein Drittel der Befragten an, schon lange nicht mehr laut gelacht zu haben. Mehr als 90 % wünschen sich, öfter mit anderen Menschen zu scherzen. Der durchschnittliche Erwachsene lacht etwa 15-mal am Tag. Kinder bringen es noch auf täglich 400-mal. Dabei hat Lachen auch für gesunde Menschen eine befreiende Wirkung.
Mit Lachen regen Sie Ihren Hormonfluss an
Auch auf der körperlichen Ebene macht sich das bemerkbar. Der amerikanische Humorforscher William Fry hat erkannt, dass ein Mensch, der Sie heiter stimmt, auch Ihr Herz erreicht. Ihre Lungen, Ihre Muskeln, Ihr Gehirn und all Ihre Drüsen werden angesprochen. Wenn Sie lachen, wird Ihr Herz-Kreislauf-System stimuliert, Ihre Atmung wird angeregt, Ihre Nerven laufen zur Hochform auf, Ihr Gehirn wird besser durchblutet, Ihre Hormone fließen und Ihr Immunsystem wird gestärkt. Sie können sich gesund lachen und freuen - diese Erkenntnis hat inzwischen auch die Medizin gewonnen. Lachen verbessert die Durchblutung und beugt Herz- und Kreislauf-Erkrankungen vor, fand Michael Miller von der Universität Maryland in Baltimore heraus. Lachen stimuliert das innerste Gewebe der Blutgefäße, das Endothel. Dieses reguliert den Blutfluss und den Innendruck der Blutgefäße.
Der Mediziner Lee Berk von der Loma Linda Universität in Kalifornien bestätigte den positiven Effekt des Lachens auf die körpereigenen Abwehrkräfte. Es lässt die Zahl der Killerzellen steigen und hebt den Antikörperspiegel im Blut. Letztlich sollten Heiterkeitsausbrüche sogar vor Krebs schützen. Da dies wissenschaftlich noch nicht belegt ist, wird es von vielen Wissenschaftlern bezweifelt. Zweifelsfrei nachgewiesen ist jedoch zumindest, dass regelmäßiges Lachen bei Lungenkranken die Funktionsfähigkeit ihres Atmungsorgans verbessert und bei Schmerzkranken hilft, die Schmerzen besser zu ertragen.
Wie sehen Sie das?
P. S.: Festgestellt haben die Forscher übrigens, dass es Ihrem Gehirn ziemlich egal ist, ob der Lach-Anlass eine natürlicher oder ein künstlicher ist. Sobald entsprechende Impulse stimuliert werden, reagiert Ihr Körper. Lachen ist wie eine Tüte Rückenwind, sagt Lachexperte Branko Bokun. Sie können damit zwar nicht Ihre Probleme aus der Welt schaffen, doch mit Sinn für Humor, komische Situationen und drollige Bemerkungen wird das Leben und das Miteinander wesentlich leichter.