Krach macht Sie krank!
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 12.09.2007 06:00 Uhr
GNL5356
Natürlich von Tag zu Tag, Einfälle und Ausfälle
Aus manchen Studien zieht man ja auch persönlich seinen Nutzen: Seit längerer Zeit kabbeln mein Mann und ich uns um die richtige Lautstärke beim Fernsehen oder Musikhören. Er hört auf einem Ohr durch ein Knalltrauma nicht besonders gut und braucht es deshalb laut. Ich höre bestens, empfinde seine Lautstärke als Krach, der mir schnell unerträglich wird. Es tut mir weh in den Ohren und den Nerven. Argumentativ war ich jedoch immer unterlegen, denn der Wunsch meines Mannes überhaupt etwas hören – sprich: mitbekommen - zu wollen, hatte logischerweise Vorrang. Nun ist mir die Wissenschaft zur Seite getreten: Lärm, den man als unangenehm empfindet, ist Mega-Stress für die Gesundheit. Wir werden eine andere Lösung für unser gemeinsames Hörproblem finden müssen, damit mein Blutdruck nicht in die Höhe geht und ich nicht dem Herzinfarkt erliege!
Unsere Umwelt wird immer lauter. Absolute Stille kennen wir heute kaum noch. Der Zivilisationslärm schwillt immer weiter an. Innerhalb der letzten 2 Jahrzehnte hat sich die Intensität des Lärms in unseren Städten verdoppelt. Flugzeuglärm, das Sirren von Windkrafträdern, das Brausen der Autobahn, das Vibrieren oder Donnern von vorbeifahrenden Zügen, der Krach der vielen kleinen Alltags-Geräte, das Krakelen der Nachbarn, das Geplärr ihrer Kinder – all das belästigt nicht nur unsere Ohren. Es schadet unserer Gesundheit. Neueste Studien weisen darauf hin, dass selbst diejenigen Schaden davontragen, die sich noch nicht einmal belästigt fühlen. Egal, wo wir sind, uns umgibt Lärm.
Lärm kriegt Krach mit all Ihren Organsystemen
Wenn Sie an einer stark befahrenen Straße wohnen, steigt Ihr Herzinfarkt-Risiko durch die Lärmbelästigung um etwa ein Drittel an. Darauf machte das Umweltbundesamt in Berlin anhand von Studienerkenntnissen aufmerksam. Die Gesundheitsgefährdung durch Lärm wird noch immer unterschätzt, kritisieren Experten für Lärmforschung. Sie warnen schon lange vor den gesundheitlichen Folgen. Herzinfarkte, Konzentrationsstörungen und Gehörschäden nehmen deutlich zu. Bereits heute hören Jugendliche deutlich schlechter als die Jugend vor 15 Jahren.
Die verantwortlichen Krachmacher wollten das lange nicht wahrhaben. Doch in den letzten Jahren hat die Lärmforschung erhebliche Fortschritte gemacht: Studien und Experimente aus der Stress-, Hormon- und Immunforschung weisen immer deutlicher nach, dass Lärm uns die Gesundheit kosten kann. So berichtete das Magazin „Der Spiegel“ über eine Studie des Umweltbundesamtes in Berlin, an der 1.700 Menschen über 18 Jahre lang teilgenommen haben und rückwirkend auf ihre Lärmbelästigung hin untersucht wurden. Das Fazit: Wir reagieren vor allem nachts gestresst auf Lärm und zwar mit fast allen unserer Organsysteme. Je mehr Krach, desto schlimmer die Auswirkungen. Die Hamburger Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales stuft nach den Informationen der Zeitschrift „Natur & Kosmos“ die Gefahr durch Lärm sogar noch höher ein als durch die Schadstoffe in der Luft an Krebs zu erkranken.
Suchen Sie sich Inseln der Ruhe
Sie können sich auch im Alltag immer wieder Momente der Ruhe schaffen, in dem Sie Ihrem Kopf beim Abschalten helfen: Blättern Sie nicht sofort in der Zeitung sobald Sie in Bus, Bahn oder beim Frisör sitzen. Fixieren Sie stattdessen irgendeinen Punkt. Nach kurzer Zeit gehen Ihre Gedanken von ganz allein auf Reisen. Die einfachste Art, Lärm bewusst auszuschalten, ist aus dem Fenster zu schauen: Die vorbeiziehenden Wolken, sich sacht verändernde Formen und Farben wirken wohltuend aufs Auge, fangen die Gedanken ein. Auch Dünenlandschaften, Meereswogen, Blumenwiesen – alles, was von Natur aus leicht bewegt erscheint, überträgt bei längerem Hinschauen die leisen Wellenbewegungen auf das Gehirn und lässt es in Ruhe auspendeln.
Widerstehen Sie der Versuchung, gleich Radio oder Fernsehgerät anzuschalten, wenn Sie nach Hause kommen. Genießen Sie die Momente der Ruhe in Ihrer Wohnung. Verordnen Sie sich selbst Stunden ohne Telefon – legen Sie den Hörer neben die Gabel oder schalten Sie das Handy aus . Sie müssen nicht immer erreichbar sein, dann bleiben Ihnen auch die nervigen Geräusche erspart. Wer seinem Kopf etwas Gutes tun möchte, sollte Plätze ohne Lärm aufsuchen, selbst still sein und die Seele mitschwingen lassen. Das Gehirn braucht nämlich auch tagsüber diese Speicherzeiten, um die ununterbrochenen Sinneseindrücke und Denkvorgänge zu sortieren, zu ordnen, zu bewerten und „wegzustecken“.
Wie sehen Sie das?
P.S.: "Was Sie schon immer über Lärmschutz wissen wollten", finden Sie in der kostenlosen Broschüre des Umweltbundesamtes:
Umweltbundesamt
Fachgebiet Umweltaufklärung
Postfach 33 00 22
14191 Berlin
www.umweltbundesamt.de