Kopfschmerzmittel können Schmerzen verstärken: So schützen Sie sich!
Dr. Regina Kalkert in Täglich Gesund
vom 12. Januar 2010, 16:00 Uhr
GNL5356
Schmerz- und Rheumamittel sind die meistverkauften Medikamente in Deutschland. Unter den zehn am häufigsten verkauften Arzneimitteln sind sechs Schmerzmittel. Davon sind noch nicht einmal 20 Prozent rezeptpflichtig. Das meistgenutzte Schmerzmittel ist Paracetamol, davon sind im Jahr 2005 allein in Deutschland 20 Millionen Packungen über den Ladentisch gegangen. Andere häufig verkaufte Schmerzmittel sind Präparate mit dem Inhaltsstoff Acetylsalicylsäure (Aspirin), Ibuprofen (Spalt) und Diclofenac (Voltaren).
Das sind die häufigsten körperlichen Nebenwirkungen der ,,leichten" Analgetika
Schmerz- und Rheumamittel mit gleichzeitiger entzündungshemmender Wirkung, wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac, können Magen-Darm-Störungen bis hin zu Blutungen, Nierenfunktionsstörungen und Allergien verursachen. Es wird geschätzt, dass mehr als 10 Prozent der dialysepflichtigen Patienten in Deutschland ihre Probleme durch den vorherigen Gebrauch von Schmerzmitteln bekommen haben.
Schmerzmittel ohne entzündungshemmende Wirkung, wie z. B. Paracetamol, rufen Leberschädigungen, Blutbildstörungen und ebenfalls Allergien hervor. Diese Nebenwirkungen treten bei Präparaten, die Sie frei kaufen können, ebenso auf wie bei den verschreibungspflichtigen Substanzen.
Alle diese ,,leichten" Mittel können Schmerzen verstärken oder sogar erst auslösen! Das kann geschehen ab einer Einnahmehäufigkeit von mehr als zehn Tagen im Monat. Erst werden die Schmerzen häufiger, dann gehen sie gar nicht mehr weg. Überlegen Sie einmal, wie häufig Sie im Monat ein Schmerzmittel einnehmen. Da sind doch zehn Tage in manchen Monaten schnell erreicht!
Mein Rat: Konsultieren Sie immer vor dem ersten Gebrauch eines Schmerzmittels zur Selbstmedikation Ihren Arzt. Besprechen Sie das Arzneimittel, seine Dosierung sowie die möglichen Nebenwirkungen mit ihm.
Vorsicht bei Mischpräparaten!
Meiden Sie die so genannten Mischpräparate, die z. B. Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein enthalten. Diese Mittel bergen die Gefahr der Abhängigkeit. Und auch die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Nieren geschädigt werden, ist wesentlich größer als bei Präparaten, die nur einen Wirkstoff enthalten.
Auch verordnete Schmerzmittel haben Nebenwirkungen
Wenn einfache Analgetika nicht mehr ausreichen, werden die Medikamente rezeptpflichtig und Sie bekommen die Schmerztabletten vom Arzt verordnet. Bei Migränekopfschmerzen kann das ein Präparat aus der Gruppe der Triptane sein. Diese können aber sogar den gegenteiligen Effekt haben und Schmerzen auslösen. Eigenartig ist, dass die Schmerzen an anderen Körperstellen durch eben dieses Medikament aktiviert werden können. Darauf müssen Sie erst einmal kommen.
Das können z. B. Schmerzen sein nach einer längst vergangenen Operation oder Schmerzen an entzündeten Stellen von Gelenken und Sehnen. Auch Ihr Arzt wird nur selten an diesen Zusammenhang denken, denn diese Nebenwirkung ist auch für ihn ungewöhnlich und nicht direkt ersichtlich.
Beachten Sie Ihre Beschwer den und melden Sie alle Reaktionen
Ganz gleich, welches Medikament Sie einnehmen, ob verordnet oder in Eigenregie gekauft: Beachten Sie alle möglicherweise mit der Einnahme zusammenhängenden Reaktionen. Auch wenn diese vielleicht nicht im Beipackzettel aufgeführt sind. Nehmen Sie Ihre Beschwerden ernst und suchen Sie Ihren Arzt auf. Die Möglichkeit, Schmerzen auszulösen oder zu verstärken, steht momentan auch noch nicht auf dem Beipackzettel aller Präparate aus der Gruppe der Triptane. Denn diese Nebenwirkung wurde bei einigen noch nicht in einer ausreichenden Häufigkeit gemeldet. Der Zusammenhang ist aber sehr wahrscheinlich.
Solche unvermuteten und paradoxen Nebenwirkungen werden aber nur entdeckt, wenn Sie als Patient mithelfen. Sprechen Sie deshalb sofort mit Ihrem Arzt über beobachtete Reaktionen. Dieser muss dann eine entsprechende Meldung über den Verdacht auf eine Nebenwirkung schreiben und an die zuständige Einrichtung, die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, die betroffenen Pharma-Unternehmen oder ein anderes Erfassungssystem, schicken.
ähnliche Beiträge
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Sternkeks (12.01. 2010 17:00 Uhr):
Die Warnung vor Mischpräparaten ist nur bedingt richtig! Wenn man selber mischt, braucht man beispielsweise statt zwei Aspirin nur je eine halbe Aspirin und Paracetamol! Das halte ich persönlich für weniger belastend als volle Dröhnung von nur einer Sorte. Diese Mischung, zusammen mit einer Tasse Kaffee, vertreibt bei mir starke Migräne innerhalb von ca. 20 Minuten! Von Sucht habe ich bisher noch nichts bemerkt, aber bei drei-vier Migräneanfällen pro Jahr bin ich da wohl auch nicht besonders gefährdet.
Antworten - Kommentar von Hans Dieter Nowak (12.01. 2010 17:25 Uhr):
... ja meinen Sie denn, der Arzt würde diese zusätzliche Arbeit auf sich nehmen, wenn sie ihm nicht vergütet wird ? Und kontrollieren kann ein Patient auch nicht, ob eine solche Meldung tatsächlich abgeschickt wurde. Dr.-Ing. Hans-Dieter Nowak Heilpraktiker http://www.hdnowak.de
Antworten - Kommentar von Ribisch Gisela (13.01. 2010 10:18 Uhr):
Sehr geehrte Frau Doktor! Ich nehme schon seit 15 Jahren Schmerzmittel aller Art. Habe 3 Knieoperationen hinter mir, sowie 2 künstliche Titan. Brustkrebs, Handgelenksbruch rechts operiert, links falsch behandelt, sowie eine Abnützung der LWS und Polyarthrose in den Fingern. Seit dem Brustkrebs nehme ich Antidrepressiva, und muss sagen, dass mir diese Tabletten morgens und abends sowie in der früh 100ml Tramandol Gott sei Dank ein fast schmerzfreies Leben bieten. Habe früher Deflamat 100mg und Seractil 300mg genommen, auf die habe ich gar nicht mehr angesprochen. Ich schätze, dass ich diese Tabletten ein Lebenlang nehmen muss, damit ich schmerzfrei bleiben kann. Mit freundlichen Grüssen Ribisch Gisela
Antworten