Klinik-Bewertungen im Internet - was wirklich drinsteckt
Dr. Regina Kalkert in Täglich Gesund
vom 18. Mai 2009, 16:00 Uhr
GNL5356
Ärzte und Pflegepersonal in Kliniken sollten eigentlich immer ihr Bestes geben. Dass dies jedoch von Krankenhaus zu Krankenhaus sehr unterschiedlich ausfallen kann, ist Ihnen allen bekannt. Bisher sind Sie mit Ihren Fragen nach der geeigneten Klinik meist zu Ihrem Arzt oder zu Bekannten gegangen, die schon ähnliche Erkrankungen hatten. Persönliche Erfahrungen und Empfehlungen wurden ausgetauscht. Inzwischen gibt es im Internet Portale von Versicherungen und auch von Krankenhäusern sowie einen gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsbericht, der für alle Internetnutzer frei zugänglich ist. Ranglisten der Krankenhäuser, wie sie in den USA veröffentlicht werden, gibt es jedoch nicht.
Seit 2005 finden Sie Krankenhausdaten frei zugänglich im Internet
Jedes deutsche Krankenhaus ist inzwischen gesetzlich verpflichtet, alle zwei Jahre einen standardisierten Qualitätsbericht zu erstellen und im Internet zu veröffentlichen. Überwacht wird dies vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Das ist das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen in Deutschland. Der G-BA hat die Vorgaben für Inhalt und Umfang der Qualitätsberichte festgelegt und überprüft, dass alle Kliniken bei der Erstellung der Berichte einheitlich verfahren.
Unter www.g-qb.de sind diese Berichte seit 2005 auch Ihnen als Internetnutzer frei zugänglich. Sie können dort entweder nach Ort oder Region suchen oder gezielt nach einem operativen Eingriff bzw. Therapieangebot.
Diese Informationen liefern Ihnen die gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsberichte
Mithilfe dieser Berichte können Sie sich über jedes gewünschte Krankenhaus in Deutschland informieren:
- Die vertretenen Fachrichtungen werden aufgeführt.
- Die Bettenzahl und die Zahl der behandelten Patienten sind angegeben.
- Der Qualifizierungsstand von Ärzten und Pflegepersonal wird veröffentlicht.
- Die 30 häufigsten Diagnosen, die in den einzelnen Fachbereichen gestellt wurden, sind angegeben, ebenso wie die 30 am häufigsten durchgeführten Operationen.
Wie hilfreich sind die Qualitätsberichte für Sie als Patient wirklich?
Die Häufigkeit einer Operation ist nicht immer ein Gradmesser für die Qualität der Durchführung. Hüten Sie sich, diesen Rückschluss zu ziehen. In diesen Berichten fehlen Daten zu Komplikationen während und nach den Eingriffen. Außerdem gibt es keine Hinweise auf langfristige Heilungsverläufe. Wie geht es den Patienten nach einem Jahr? Einmedizinischer Laie kann ohne zusätzliche ärztliche Erklärungen aus den bloßen Zahlen keine verwertbaren Schlüsse ziehen. Informationen über das Arzt-Patient-Verhältnis, die Klinikatmosphäre oder aus medizinischer Sicht so profane, für die Patienten jedoch sehr wichtige Dinge, wie Besuchszeiten und Wahlmöglichkeiten beim Essen fehlen.
Internetportale der Krankenhäuser und Versicherungen sind oft mangelhaft
Auch hier dürfen Sie nicht allzu viel erwarten. Viele Krankenhaus-Portale sind sehr unübersichtlich, bieten Fachchinesisch statt Aufklärung und Information. Suchlisten nach Stichwörtern sind voll von medizinischen Fachbegriffen, als Laie finden Sie sich hier nicht zurecht. Die Informationen sind zudem nicht vollständig. Da die einzelnen Krankenhäuser ihre Internetauftritte alle unterschiedlich gestalten, ist auch eine direkte Vergleichbarkeit der Kliniken nicht gegeben. Es fehlen auch hier die Angaben zu Komplikationsraten.
Hier finden Sie Unterstützung bei der Kliniksuche
Überlegen Sie zunächst, was für Sie wichtig ist: Erreichbarkeit für Angehörige? Familiäre Atmosphäre contra sterile Uniklinik? Hochgradige Spezialisierung und viele Fachärzte? Haben Sie die Kliniken gefunden, die für Sie in Frage kommen, besprechen Sie die Auswahl unbedingt noch mit Ihrem Arzt. Denn eine endgültige Entscheidung sollten Sie immer nur nach Rücksprache mit ihm treffen, da er Ihre Erkrankung am besten kennt. Im Zweifelsfall folgen Sie dem Rat Ihres Arztes.