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Reggio-Pädagogik: Die richtige Erziehung für kleine Forscher

von Dr. Andrea Schmelz, Chefredakteurin von „Gesundheit und Erziehung für mein Kind“

Der Name Reggio-Pädagogik leitet sich von der norditalienischen Stadt Reggio Emilia her. Diese neue Form der Pädagogik wurde in den 60er Jahren von den dort tätigen Erziehern entwickelt. 1991 wurde sie durch einen Bericht der US-amerikanischen Zeitschrift „Newsweek“ schlagartig weltbekannt, der die Kindertagesstätten von Reggio Emilia als weltbeste Einrichtungen auszeichnete. Nach dem Schock der PISA-Studie findet die Reggio-Pädagogik auch in Deutschland zunehmend Anhänger.

Die Grundsätze der Reggio-Pädagogik

Die Erziehung im Kindergarten nach den Grundsätzen der Reggio-Pädagogik ist keine Erziehung zu bestimmten Fähigkeiten und Fertigkeiten durch zielorientierte Fördermaßnahmen. Vielmehr begleitet sie Kinder auf ihren Wegen des Forschens und Lernens. So erfahren die Kinder, wie und wo sie sich die benötigten Informationen beschaffen können. Sie entwickeln sich dabei zu selbstständig denkenden und handelnden Menschen, die durch Neugier und Entdeckungsfreude an Erfahrungen lernen, statt Wissen nur zu übernehmen.

  • Jedes Kind ist der „Konstrukteur“ seiner eigenen Entwicklung. Es nimmt die Welt auf seine Weise wahr und erkundet durch sein eigenes Handeln, durch Versuch und Irrtum, wie die Welt funktioniert. Kinder entwickeln sich also nicht durch Erklärungen oder Beschäftigungsvorgaben der Erzieherinnen, sondern durch eigene Erfahrungen.
  • In der Reggio-Pädagogik wird den Kindern kein vorgegebenes Wissen vermittelt, sondern auf das eingegangen, was den Kindern derzeit gerade wichtig ist. Ausgehend von einer faszinierenden Entdeckung (etwa dass Eis schmilzt, wenn es warm wird), beginnen die Kinder, sich durch Fragen und Experimente selbst die Informationen zu beschaffen, die sie interessieren und die sie für ihr Verständnis benötigen. So können sie ohne einengende Vorgaben vorurteilsfrei ihre eigenen Vermutungen anstellen und ihre Hypothesen durch passende Experimente auf den Wahrheitsgehalt testen.
  • Die Kinder arbeiten gemeinschaftlich an bestimmten Projekten. Deren Themen gehen von alltäglichen Erfahrungen der Kinder aus, z. B. Schatten, Regen, Stadt. Der Austausch der Kinder untereinander und die Ergebnisse ihres Forschens werden dabei nicht nur gefördert, sondern auch in Wort und Bild dokumentiert.
  • Die Erzieherinnen lernen von und mit den Kindern, indem sie deren Wege, mit der Welt umzugehen, aufmerksam verfolgen und unterstützen. Die Kinder erhalten auf ihre Fragen keine fertigen Lösungen oder gar Vorträge, wie etwas funktioniert, sondern nur „Hilfe zur Selbsthilfe“, indem sie benötigte Materialien für ihre Experimente erhalten oder indem die Erzieherin bei der Beschaffung von Informationen oder Materialien hilft. Vielleicht fragt die Erzieherin das Kind auch: „Was denkst du? Wie könnte das funktionieren? Kannst du dir eine Lösung vorstellen? Wen könnten wir da fragen?“ Die Erzieherinnen vermitteln den Kindern dabei, dass das Entdecken der richtigen Fragen wichtiger ist als das Finden richtiger Antworten.
  • Kindererziehung wird als gemeinschaftliche Aufgabe von Eltern, Erzieherinnen, Fachberatern und Mitbürgern verstanden, zu der jeder nach seinen Möglichkeiten beisteuert. Die Eltern sind eng in das erzieherische Konzept eingebunden, etwa durch aktive Mithilfe und Mitgestaltungsmöglichkeiten in diversen Gremien. Besonders wichtig ist die interne Fortbildung der Erzieherinnen, denen z. B. spezielle Fachberater den neuesten Stand der wissenschaftlichen Forschung in verständlicher Weise näher bringen.

In Deutschland gibt es bisher erst etwa 100 Kindertagesstätten, die nach den Grundsätzen der Reggio-Pädagogik arbeiten. Die Zahl solcher Einrichtungen wird aufgrund der starken Nachfrage der Eltern jedoch sicher kontinuierlich zunehmen.

Suchen Sie Ratschläge zur richtigen Kindererziehung? Sind sie manchmal unsicher, wenn es um die Gesundheit Ihres Nachwuchses geht? Dann ist das hier etwas für Sie:

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