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Ohne Angst zum Kinderarzt

von Dr. Andrea Schmelz, Chefredakteurin von „Gesundheit und Erziehung für mein Kind“

Ein Besuch beim Kinderarzt ist bei Müttern und Kindern nicht selten unbeliebt. Wir haben für Sie die 12 bewährtesten Tipps gegen Angst und Stress beim Kinderarzt zusammengetragen. Unter anderem: Wie Blutabnehmen weniger weh tut

Die richtige Vorbereitung Ihres Kindes auf den Arztbesuch ist einfacher, als Sie vielleicht vermuten.

Mit dem Doktorkoffer üben: Da Bekanntes viel weniger bedrohlich wirkt, ist ein Doktorkoffer eine gute Investition. So kann Ihr Kind selbst mal in die Rolle des Arztes schlüpfen und Sie oder die Puppe gründlich untersuchen. Gleichzeitig lernt es das Handwerkszeug des Arztes wie Stethoskop oder Ohrenspiegel kennen.

Zum eigenen Arztbesuch mitnehmen: Wenn Ihr Kind erlebt, dass Sie selbst ohne Angst zum Arzt gehen, ist das überzeugender als viele Worte.

Eigene positive Einstellung: Sind Sie selbst dem Kinderarzt gegenüber positiv eingestellt, haben Sie Vertrauen zu ihm und betrachten den Besuch als etwas Selbstverständliches, überträgt sich das auch auf Ihr Kind.

Nicht vorbeugend trösten: Mit der gut gemeinten Aussage „Du wirst sehen, dass es gar nicht schlimm ist/gar nicht wehtun wird“ lösen Sie eher Ängste aus, da Sie Ihr Kind möglicherweise erst dadurch Schlimmes vermuten lassen.

Einfühlsame Bilderbücher (ab ca. 3 Jahren): Damit kann Ihr Kind den Ablauf des Arztbesuchs schon vorweg einmal kennen lernen, z. B. mit „Wieso? Weshalb? Warum? Zu Besuch beim Kinderarzt“ von D. Rübel (Ravensburger Buchverlag 1999) oder „Heute gehen wir zum Kinderarzt“ von S. Hämmerle, K. Trapp (Betz,Wien 2000).

Kuscheltier mitnehmen: Mit dem vertrauten Lieblingstier fühlt sich Ihr Kind gleich viel stärker und am Schmusetier kann der Arzt auch schon einmal demonstrieren, was er als Nächstes tun wird.

Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen: Vorsorgeuntersuchungen dienen nicht nur der Kontrolle der altersgemäßen Entwicklung, sondern ermöglichen eine Reihe von Arztbesuchen, bei denen Ihr Kind gesund ist und deshalb nichts Unangenehmes wie Blutabnehmen zu befürchten hat. Das schafft Vertrauen zum Kinderarzt.

Impfungen nach Zeitplan: Werden Schutzimpfungen – wie im Impfplan vorgesehen – bereits im frühen Säuglingsalter begonnen und noch vor dem zweiten Geburtstag komplettiert, kann sich Ihr Kind nicht an die „Piekserei“ erinnern und der Arzt wird nicht zum Schreckgespenst.

Ehrlich bleiben: Ist eine Spritze oder Blutabnahme nötig, sollten Sie und/oder der Arzt niemals sagen „Es tut überhaupt nicht weh“, da der folgende Pieks Ihrem Kind eben doch kurz wehtut – das Vertrauen wäre dahin, da Kinder auf solche vermeintlich gut gemeinten Lügen sehr empfindlich reagieren.

Erklären, aber richtig: Stehen unangenehme oder schmerzhafte Untersuchungen an, sollten Sie dies nicht schon Tage vorher ankündigen, denn dann steigern sich viele Kinder in die Angst erst richtig hinein. Eine australische Untersuchung an Kindern im Alter von zwei bis sieben Jahren konnte zeigen, dass selbst Zweijährige eine unangenehme medizinische Untersuchung besser verstehen können und vor allem viel weniger Angst haben, wenn ihnen während der Untersuchung alles genau erklärt wird. Kinder, die man während der Untersuchung abzulenken versucht hatte, hatten eher Ängste aufgebaut.

Wegschauen hilft: Bei Blutabnahmen oder Impfungen ist es trotzdem sinnvoll, Ihr Kind abzulenken, sodass es während des Einstichs nicht hinsieht. In einer britischen Studie konnte nämlich nachgewiesen werden, dass der Einstich weher tut, wenn der Patient dabei zuschaut.

„Versüßen“ Sie Unangenehmes: Damit ist nicht etwa die Belohnung nach dem Arztbesuch oder der Blutabnahme gemeint, sondern die gezielte Beeinflussung des Schmerzempfindens. Durch Zucker, z. B. in Gummibärchen oder Schokolade, lässt sich kurzfristig die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflussen und das Schmerzempfinden herabsetzen. Spritzen oder Blutabnahmen tun Ihrem Kind also weniger weh, wenn Sie ihm kurz vor dem Pieks etwas Süßes in den Mund schieben. Angenehmer Nebeneffekt: Die Süßigkeit lenkt gleichzeitig ab!

Mein Tipp: Bei starker Angst wirken Bach-Blüten ausgleichend und beruhigend (auch vor Zahnarztbesuchen sehr bewährt!). Geben Sie Ihrem Kind 2 Tropfen Rescue Remedy (= Notfalltropfen) aus der Vorratsflasche direkt auf die Zunge, bei Bedarf wiederholen. Alternativ: 4 Tropfen in 200 ml Wasser auflösen und innerhalb von 10 Minuten schluckweise trinken lassen, ggf. wiederholen.

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