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Liebevoll trösten: Mit diesen Tipps trocknen die Tränen schneller

von Dr. Andrea Schmelz, Chefredakteurin von „Gesundheit und Erziehung für mein Kind“

Wer von uns möchte nicht sein Kind trösten, wenn es weint? Je schneller es ihm wieder gut geht, umso besser. Sie finden hier neben der Anleitung zum richtigen Trösten auch konkrete Ratschläge für „Härtefälle“.

Das A und O des Tröstens für Kinder jeden Alters ist enger Körperkontakt. Das beruhigt und gibt Sicherheit. Babys, die keine Schmerzen haben, lassen sich durch Auf-den-Arm-Nehmen, Herumtragen (z. B. im Tragtuch) oder sanftes Wiegen meist beruhigen. Ihr Baby entspannt sich oft schon, wenn Sie ihm langsam über den Rücken streichen oder sanft, aber rhythmisch den Po tätscheln. Wichtig ist nur, dass Sie schnell reagieren, bevor es sich in Rage brüllt und dann wirklich „untröstlich“ ist. Größere Kinder wollen meist auf den Schoß oder in den Arm genommen werden. Tränen oder eine Beule können Sie oft „wegküssen“.

Mein Tipp: In vielen Fällen beruhigt sich Ihr schreiendes oder aufgeregtes Kind, wenn Sie ihm ruhig, aber fest eine oder beide Hände auf die Schulter bzw. beide Schultern legen und dort kurze Zeit liegen lassen. Ihre Ruhe überträgt sich dadurch auf Ihr Kind.

Auch Kraulen, Massieren oder Streicheln im Nacken wirkt ungemein beruhigend. Das ist wohl eine Art Urinstinkt, denn auch viele Tiermütter fassen ihr Kind im Nacken. Es verfällt dadurch in eine Tragestarre und wird sofort ruhig.

Anleitung: Richtig trösten

Meist lassen sich Kinder relativ einfach trösten. Probleme gibt es oft erst dann, wenn das Kind spürt: Mama oder Papa haben nicht viel Zeit, sind mit den Gedanken woanders oder wissen nicht, wann und wie ich wirklich Trost brauche.

  • Übertreiben Sie Ihre Tröstungsversuche nicht, aber reagieren Sie auch nicht zu „cool“. Nur wenn Ihr Mitleid und Ihre Hilfsmaßnahmen dem Wehwehchen oder Problem Ihres Kindes angemessen sind, fühlt es sich wirklich ernst genommen. Ansonsten entsteht eine Atmosphäre, in der seine Gefühle nicht zugelassen werden. Das kann beim Kind eventuell zu Blockaden und Unsicherheit führen.
  • Gestehen Sie Ihrem Kind zu, seine Gefühle selbst zu bewerten. Nur Ihr Kind kann entscheiden, wie schlimm oder unwichtig die Ereignisse in diesem Moment für es sind. Wiegeln Sie also nicht ab „Nun wein doch nicht, so schlimm hast du dir doch gar nicht wehgetan“, sondern zeigen Sie Verständnis, etwa durch den Satz: „Mir scheint, du hast dir ganz schön wehgetan.“

Mein Tipp: Mit dem Satz „Das tut jetzt bestimmt sehr weh. Aber es wird alles wieder gut!“ drücken Sie aus, dass Sie den Schmerz und die Gefühle des Kindes ernst nehmen, aber gleichzeitig zeigen Sie ihm auf, dass auch das vorbeigeht. Diese begleitende und unterstützende Zuversicht wirkt sich nicht nur bei Kindern tröstlich aus!

  • Erlauben Sie Ihrem Kind, sich auszuweinen. Das ist insbesondere bei Jungen wichtig, denen mit dem wiederholten Satz „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ irgendwann der Zugang zu ihren Gefühlen abhanden kommt. Bieten Sie Ihrem Kind dabei Körperkontakt an und halten oder streicheln Sie es, bis es sich beruhigt hat.
  • Halten Sie sich mit voreiligem Trost oder Lösungsvorschlägen zurück. Vielen Kindern genügt es schon, dass sie verstanden werden. Sie brauchen dazu allerdings nicht bedauert zu werden! Meist werden Sie schon bald ein „War gar nicht so schlimm. Ich geh jetzt wieder spielen!“ hören. Es ist aber ein Riesenunterschied, ob Ihr Kind die Situation so beurteilt oder Sie ihm das vorgeben.
  • Fragen Sie Ihr Kindergartenkind, wie Sie ihm helfen können. Ist Ihr Kind jünger als drei Jahre, können Sie ihm aus Ihrer Erfahrung heraus Vorschläge machen. So lernt es, seine Bedürfnisse einzuschätzen und auch auszudrücken. Drängen Sie ihm Ihre Hilfe nicht auf, denn Ihr Kind wird vielleicht schon selbst mit der Situation fertig. Braucht es weiteren Trost und Hilfe, wird es Sie darum bitten bzw. Ihre Nähe suchen.

Wenn Kummer und Schmerz besonders groß sind

  • Hat Ihr Kind Kummer, lassen Sie es ausführlich darüber sprechen. Dadurch kann es seine Gefühle besser „sortieren“, insbesondere wenn Sie das, was Sie verstanden haben, selbst in Worte fassen. Etwa: „Mir scheint, du warst richtig wütend, weil dir Hannes das Auto weggenommen hat!“
  • Führen Sie tröstende Rituale ein. Das kann das sprichwörtliche „Trostpflaster“ (am besten ein lustiges Kinderpflaster) nach einer Schramme am Knie sein. Oder aber eine Runde Kuscheln oder ein tröstender Reim, etwa das bekannte „Heile, heile Segen“.
  • Helfen Sie Ihrem Kind, aktiv zu werden, statt es zu bedauern. Hat es sich verletzt, kann es sich selbst eine Kühlkompresse aus dem Kühlschrank holen. Das gibt ihm Selbstvertrauen, weil es aus eigener Kraft etwas gegen den Schmerz tun kann. Auch der Ablenkungseffekt darf nicht unterschätzt werden, da Ihr Kind nun nicht mehr an seine Verletzung, sondern an seinen „Auftrag“ denkt.
  • Lenken Sie Ihr Kind ab, wenn es sich gar nicht wieder beruhigt. Bitte Sie es z. B., etwas für Sie zu erledigen, zeigen Sie ihm etwas Interessantes oder schlagen Sie eine Tätigkeit vor, die es gerne mag (z. B. ein Telefonat mit Oma oder Opa).

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