MenüMenü

Fieber messen, aber richtig

Fieber messen im Po ist bei allen Kindern unbeliebt, deshalb wurden neue Thermometer-Modelle entwickelt. Doch wie sinnvoll sind diese und wie wird korrekt gemessen?

Bei Kindern schwankt die Körpertemperatur stärker als bei Erwachsenen. Normal sind Werte zwischen 36,3 und 37,5 °C. Gegen Abend steigt die Temperatur etwas an. Warme Kleidung, anhaltendes Schreien oder Toben erhöhen die Temperatur.

Welches Thermometer eignet sich am besten?
Fieberthermometer© Thomas Jansa - Fotolia

Am genauesten ist die – leider unbeliebte – Messung im After (rektale Messung), am besten mit einem digitalen Thermometer, welches das Ende der Messung akustisch durch Piepsen anzeigt.

Ohrthermometer und Stirnthermometer messen zwar schneller und angenehmer für den kleinen Patienten, sind jedoch nicht so zuverlässig.

Nach einer Studie der Harvard-Universität an 300 Kindern wird Fieber knapp über 38 °C nur bei jedem zweiten Kind korrekt erkannt, bei Fieber über 39 °C irrte sich das Stirnthermometer in sechs Prozent, das Ohrthermometer gar in fast 25 Prozent der Fälle und zeigte Normaltemperatur an.

In einer kleineren deutschen Studie an 75 Kindern schnitt hingegen das Ohrthermometer besser ab.

Die Abweichung zur Rektaltemperatur betrug bei Ohrthermometern etwa 0,4 °C, während die Messungen mit dem Stirnthermometer im Schnitt um 1,33 °C zu niedrig waren.

Mein Tipp: Überprüfen Sie die Messgenauigkeit Ihres Stirn bzw. Ohrthermometers, indem Sie bei zwei oder drei fieberhaften Erkrankungen Ihres Kindes immer parallel auch im After messen. Gibt es eine konstante, nur geringe Temperaturdifferenz von nicht mehr als 0,5 °C, ist Ihre Messmethode durchaus zuverlässig und Sie können dabei bleiben.

Welches ist die richtige Messmethode für Ihr Kind?

Beachten Sie bitte grundsätzlich die in der Geräteanleitung vorgeschriebenen Gerätevorlauf- und Messzeiten, um ein korrektes Messergebnis zu erhalten!

Ihr Kind sollte vor der Messung mindestens 15 Minuten ruhig sitzen oder liegen. Bei Fieber über 39 °C sollten Sie etwa zwei- bis dreistündlich die Temperatur kontrollieren, ansonsten reicht dreimal täglich. Notieren Sie jeweils Datum, Uhrzeit und gemessene Temperatur.

Messung im After (rektale Messung): Die rektale Messung ist am zuverlässigsten, ab dem Säuglingsalter geeignet und für alle Kinder die Methode der Wahl, wenn ein genauer Messwert erforderlich ist.

Thermometerspitze immer leicht einfetten. In den ersten beiden Lebensjahren wird meist in Rückenlage gemessen, eine Hand hält dabei die Beine des Kindes an den Knöcheln nach oben.

Sie können Ihr Baby aber auch auf die Seite legen und mit seinem Rücken eng an Ihren Bauch schmiegen.

Greifen Sie seine beiden Fußgelenke mit einer Hand so, dass Ihr Mittelfinger zwischen den Knöcheln liegt, und beugen Sie die Beine Ihres Kleinen etwas, um die Thermometerspitze gut einen Zentimeter weit einzuführen.

Ist Ihr Kind älter als zwei Jahre, empfiehlt sich grundsätzlich die Messung in Seitenlage bei angewinkelten Beinen.

Halten Sie das Thermometer in jedem Fall die ganze Zeit über fest, damit Ihr Kind sich nicht verletzt, falls es sich gegen die Messung wehrt. Verletzungen sind nahezu ausgeschlossen, wenn Sie ein Thermometer mit flexibler Spitze verwenden.

Die Messdauer beträgt bei der rektalen Messung je nach verwendetem Thermometer 40 Sekunden bis mehrere Minuten. Messen Sie drei Minuten lang, sofern Ihr Thermometer das Ende der Messung nicht mit einem akustischen Signal anzeigt.

Mein Tipp: Fieber messen im Darm regt bei Babys oft die Darmtätigkeit an – Windel unterlegen nicht vergessen!

Verschiedene Methoden zum Fieber messen im Vergleich

Messung im Ohr: Hierbei wird die Temperatur des Trommelfells gemessen, welche etwa 0,5 °C unter der Rektaltemperatur liegt. Die Messung im Ohr ist bei Kindern beliebt, ist aber leider mit verschiedenen Fehlermöglichkeiten behaftet.

Bitte die Hinweise des Herstellers zur Handhabung hier genauestens beachten und am besten schon üben, bevor Ihr Kind krank geworden ist, damit Sie die Technik im Ernstfall beherrschen. Der Gehörgang muss durch leichtes Ziehen an der Ohrmuschel nach hinten oben gestreckt werden.

Dieser Handgriff erfordert einige Übung, ist bei unruhigen Kindern oft schwierig, und die korrekte Platzierung der Messsonde im Ohr gelingt bei Kindern unter zwei bis drei Jahren nicht zuverlässig.

Fieber messen an der Stirn/Schläfe: Gemessen wird die Temperatur über der Schläfenvene, die Messgenauigkeit ist geringer als bei rektaler Messung. Die Handhabung ist jedoch sehr einfach und für das Kind sehr angenehm (Messung im Schlaf möglich).

Je nach Gerät muss der Sensor an der Schläfe aufgesetzt oder auf der Haut über die Stirne geführt werden. Diese Messmethode ist ab dem Säuglingsalter geeignet.

Messung im Mund (orale Messung): Diese Messmethode ist frühestens ab vier Jahren geeignet, da Ihr Kind den Mund während der gesamten Messdauer geschlossen halten muss, ohne auf das Thermometer zu beißen. Bei Schnupfen mit stark behinderter Nasenatmung nicht geeignet! Bitte lassen Sie Ihr Kind in den 30 Minuten vor der Messung weder Kaltes noch Heißes essen oder trinken.

Das Thermometer wird für etwa drei Minuten unter die Zunge gesteckt. Die Mundmessung ist nach der rektalen Messung am genauesten und liefert um etwa 0,5 °C niedrigere Werte als diese.

Fieber messen unter dem Arm (axilläre Messung): Diese Messmethode ist sehr ungenau und erst für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Selbst bei korrekter Thermometer-Lage tief in der Achselhöhle können Temperaturabweichungen über 2 °C auftreten.

Wischen Sie die Achselhöhle vor der Messung aus und achten Sie darauf, dass kein Kleidungsstück zwischen Thermometer und Haut gerät. Ihr Kind sollte während der Messdauer von sieben bis neun Minuten ruhig auf dem Rücken liegen.

Fieber bei Kindern: Meist ein Freund, kein Gegner

Viele Eltern glauben, die gestiegene Temperatur sofort senken zu müssen. Die „Stiftung Kindergesundheit“ informiert über den Umgang mit einem häufigen und selten gefährlichen Symptom.

Fieber stellt keine Krankheit, sondern eine aktive Reaktion des Organismus dar, Krankheitserreger zu bekämpfen und so sich selbst zu heilen. So lange das Kind nicht merklich darunter leidet, muss man die überhöhte Temperatur nicht mit allen Mitteln senken.

In den letzten Jahrzehnten haben die Mediziner die heilsame Wirkung des Fiebers in der Bekämpfung von Bakterien und Viren schätzen gelernt.

Heute weiß man, dass Fieber die Immunkräfte zu Hochleistungen antreibt. Vor allem wirkt es gegen Virus-Infektionen. Temperaturen über 38,5 Grad bremsen die Vermehrung zahlreicher Viren.

Da Kinder noch für viele Viren anfällig sind, gegen die Erwachsene eine Immunität entwickelt haben, setzt ihr Körper das Abwehrmittel Fieber häufig ein.

So lange sich das Kind nicht zu krank fühlt und einen guten Allgemeineindruck macht, muss man gegen das Fieber nicht angehen. Die präzise Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin lautet:

„Bei Kindern, die trotz erhöhter Temperatur munter sind und normal essen und trinken, müssen keine Maßnahmen ergriffen werden. Steigt die Temperatur aber über 38,5 Grad an, kann der Allgemeinzustand eines Kindes beeinträchtigt werden: Es fühlt sich schlecht, hat Muskel- und Gliederschmerzen, ist appetitlos und quengelig. Wenn das Kind offensichtlich leidet, ist es sinnvoll, das Fieber zu senken“.

„Nicht das Thermometer behandeln“

Nicht das Fieber macht Ihr Kind krank, sondern der Erreger, der hinter der Infektion steckt. Die Suche nach der Ursache des Fiebers spielt deshalb eine wichtigere Rolle als seine Senkung“, sagt die Stiftung Kindergesundheit.

Das Fieber gilt als Warnzeichen, das an sich keine Gefahr darstellt. Die Regel der Kinder- und Jugendärzte lautet deshalb heute: „Die Krankheit behandeln, nicht das Thermometer“.

Studien ergaben, dass das Fieber eine der wichtigsten Abwehrreaktionen des Körpers ausdrückt. Aus vielen Untersuchungen geht hervor, dass eine erhöhte Temperatur das Wachstum von Viren und einigen Bakterienarten stark hemmen.

Die nützlichen Reaktionen des Organismus gegen eingedrungene Krankheitserreger laufen am besten bei einem Fieberzustand zwischen 39 und 40 Grad ab.

So arbeiten die so genannten Fresszellen, diePhagozyten, die die Eigenschaft innehaben, Bakterien unschädlich zu machen, bei einer Temperatur von 39 Grad optimal.

Kleine Kinder ertragen hohe Temperaturen in aller Regel viel besser als Jugendliche oder Erwachsene. Selbst hohes Fieber über 40 Grad macht ihnen oft nichts aus.

Nur dann, wenn das Kind durch das Fieber leidet und quengelt, Trinken und Essen verweigert, nicht schläft oder wenn es bereits an einem Fieberkrampf litt, sollten die Eltern Gegenmaßnahmen ergreifen.

Welche Fiebermittel?

Zäpfchen eignen sich ideal für kleine Kinder, weil sie sie nicht schlucken. Sie enthalten die mild schmerzlindernde und fiebersenkende SubstanzParacetamol. Sie gilt als das am besten verträgliche Schmerzmittel für Kinder.

Die Dosierungsvorschriften müssen eingehalten werden, betont die Stiftung. Bei Überdosierungen dieser Substanz besteht die Gefahr, schwere Leberschäden zu erleiden.

In der Wirksamkeit gegen Fieber gleicht die SubstanzIbuprofen dem Paracetamol und eignet sich zur gleichzeitigen Linderung von Schmerzen. Sie hat sich bei der Behandlung von Mittelohrentzündungen bewährt.

Acetylsalizylsäure (ASS, „Aspirin“), verwendet man wegen des sehr seltenen, gefährlichen Risikos eines „Reye-Syndroms“ (mit der Gefahr einer schweren Leber- und Gehirnschädigung) bei Kindern unter zwölf Jahren nicht.

Manche Kinder- und Jugendärzte verordnen „Viburcol“-Zäpfchen. Sie enthalten Wirkstoffe der Kamille und erleichtern dem Kind die lästigen Begleiterscheinungen des Fiebers.

Dazu gehören Unruhe, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Naturmediziner empfehlen zur Fiebersenkung kamillenhaltige Einläufe.

Welche Hausmittel?

Kinder mit Fieber brauchen viel Flüssigkeit, um das durch Schwitzen verlorene Wasser zu ersetzen. So lange das Kind zu Beginn des Fieberanstiegs fröstelt, sorgen Eltern mit einer Wolldecke oder Wärmflasche für Erwärmung.

Abkühlungsmaßnahmen empfehlen sich erst dann, wenn sich nicht nur Gesicht und Stirn, sondern auch die Beine und der übrige Körper des Kindes warm anfühlen.

Zu den „klassischen“ Hausmitteln zur Fiebersenkung gehören die Wadenwickel. Sie müssen nicht kalt sein, sagt die Stiftung Kindergesundheit. Es reicht, wenn der Temperaturunterschied zehn Grad beträgt.

Verwendet man zimmerwarmes oder bis zu 30 Grad warmes Wasser, vermeidet man das unnötige Erschrecken des Kindes. Beim Wickeln packt man beide Waden getrennt ein. Die Tücher reichen von den Fußgelenken bis kurz unter die Knie.

Wickel alle fünf bis 15 Minuten erneuern, bis das Fieber um ein bis zwei Grad gesunken ist. Wadenwickel machen nur dann Sinn, wenn die Beine und der restliche Körper warm sind.

Bei kalten Gliedern wendet man sie auf keinen Fall an.

Die meisten Kinder baden gern, deshalb empfinden sie ein fiebersenkendes Abkühlungsbad als angenehm. Zu Beginn liegt die Temperatur des Badewassers etwa zwei Grad Celsius über der Körpertemperatur.

Dann kaltes Wasser zulaufen lassen, sodass die Wassertemperatur innerhalb von zehn Minuten auf etwa 30 Grad sinkt. Der Patient bleibt etwa sieben Minuten im abgekühlten Wasser. Das Abwaschen des Kindes mit lauwarmem oder kühlem Wasser empfinden viele Kinder ebenfalls als angenehm.

Derartige Maßnahmen lindern nur die Beschwerden des fiebernden Kindes, bekämpfen nicht die eigentliche Ursache des Fiebers.

Es spielt keine Rolle, ob Sie das Fieber mit physikalischen Maßnahmen oder mit Medikamenten senken: Zur Diagnose und sachgerechten Behandlung der dahinter stehenden Infektion oder Erkrankung führt am Besuch beimKinderarzt kein Weg vorbei!

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten