Kinder-Turn- und Spielwoche: Spielen macht erfinderisch
Helmut Erb in Fit in 8 Minuten
vom 2. Dezember 2009, 05:00 Uhr
GNL5356
Kindern stoßen heute auf eine beengte Welt, die ihnen kaum noch Raum zum unbeschwerten und zweckfreien Toben bietet. Zu wenig und zu kleine Spielplätze, zu enge Wohnungen, Eltern, die keine Zeit haben, kaum noch bespielbare Grünflächen, keine Versteckmöglichkeiten - so sieht die Spielwelt der meisten Kinder heute aus. Viel zu oft hängen sie vor dem Fernsehgerät herum oder haben einen so vollen Terminplan, dass da für Spielen kein Platz mehr ist. Sie erfinden keine eigenen Spiele mehr und - auf sich allein gestellt - fällt ihnen nicht mehr ein, was sie spielen könnten.
Die meisten Kinder tun sich schwer, ohne vorgefertigte Materialien oder ohne Anweisungen zu spielen. Früher kannte jedes Kind Dutzende von Spielen, zu denen man so gut wie gar nichts braucht und die nichts kosten. Dazu gehörten vor allem die alten Straßenspiele wie Hinkepott, Gummitwist, Fangen, Bolzen, Ballschule, Tick, Verstecken, Seilspringen, Hüpfen, Bockspringen und Murmelspiele. Sie alle bringen neben Bewegung Spaß, fördern die Entwicklung, Geschicklichkeit und Gruppenfähigkeit.
Kinder, die sich normal entwickeln, nehmen in ihrem Umfeld alles als Lern- und Spielanreiz. Jede Alltagstätigkeit von Eltern und Erziehern ist für sie neu sowie immer ein Anlass auszuprobieren, ob sie das auch selbst können. Da ihr Blick noch nicht durch Blockaden verstellt ist, werden sie sich selbst überaus kreative, lustige, unorthodoxe Spiele erfinden. So lernen sie ihre Stärken und Schwächen kennen, können ihren Erfindungsgeist ausleben, ihre Leistungsfähigkeit austesten, sich an anderen Kindern messen.
Kinder, die zu selten spielen und sich zu wenig bewegen - etwa weil sie zu viel Fernsehen gucken, sind aggressiver als diejenigen, die sich regelmäßig austoben dürfen. Unter anderem deswegen, weil die Hormone, die unter Stress gebildet werden, allein durch Bewegung abgebaut und unschädlich gemacht werden. Kinder sollten deshalb jeden Tag bei Wind und Wetter zwei bis drei Stunden draußen toben. Denn das fördert nicht nur die körperliche und seelische Entwicklung, sondern steigert das Wohlbefinden und die Abwehrkräfte. Kinder, die viel draußen spielen, sind gesünder, ausgeglichener und schlafen besser.
Machen Sie es besser!
Ihr
Helmut Erb