Kaffee gegen Diabetes: Ein zweischneidiges Schwert
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund zum Thema Diabetes Mellitus
vom 21.09.2004 16:00 Uhr
GNL5356
Liebe Leserin, lieber Leser,
neulich erhielt ich eine sehr interessante Anfrage: Ein Leser hatte erfahren, dass Kaffee angeblich das Diabetes-Risiko senke, aber erst bei einer gewissen Menge pro Tag. Seine Frage war nun, ob es sinnvoll sei, täglich mehrere Tassen Kaffee zu trinken, wenn man damit der Zuckerkrankheit entgehen könne.
Mir selber sagte dieser Zusammenhang erst einmal gar nichts, ich konnte mir auch schwer vorstellen, dass an dieser Tatsache etwas dran sein solle. Denn Koffein erhöht die Insulinsensibilität des Körpers; die logische Folge wären erhöhte Blutzuckerwerte und ein Ansteigen des Diabetes-2-Risikos.
Aber ich habe gleich mehrere Studien gefunden, die das Gegenteil bestätigen. Wissenschaftler der Harvard School zum Beispiel fanden heraus, dass Männer, die jeden Tag mehr als sechs Tassen Kaffee tranken, zu 50 % seltener an Diabetes erkrankten als Männer, die weniger Kaffee zu sich nahmen. Frauen haben bei über 6 Tassen Kaffeekonsum pro Tag immer noch ein um 30 % geringeres Risiko.
In Holland gab es eine ähnliche Studie, bei der die Wissenschaftler zu annähernd dem selben Ergebnis kamen. Sie verglichen Menschen, die 2 Tassen und Menschen, die 7 Tassen Kaffee pro Tag tranken. Auch hier bedeutete der gesteigerte Kaffeekonsum ein halb so großes Diabetes-Risiko.
Bisher wissen die Forscher noch nicht, welche Inhaltsstoffe des Kaffees für die Schutzeffekte verantwortlich sind. Sie vermuten, dass es Kalium, Magnesium oder bestimmte Antioxidantien sein könnten. Trotz dieser Schutzwirkung, was sie auch auslösen möge, tue ich mich schwer, Kaffee als Diabetes-Vorbeuger zu empfehlen. Die Studien haben nämlich gezeigt, dass zwei oder drei Tassen am Tag nicht ausreichen. Vielmehr müssen Sie über 6 Tassen zu sich nehmen. Die dann zu erwartenden Nebenwirkungen sind aber nicht zu vernachlässigen. Kaffee entzieht dem Körper zu viel Wasser, er macht oft nervös und führt, in solchen hohen Dosen nicht nur zu Schlaflosigkeit, sondern bei vielen Menschen auch zu Herzrasen und Kreislaufproblemen.
Vor einer schweren Krankheit oder vor Unfallfolgen ist niemand gefeit. Wie Sie dennoch in so einem Fall über medizinische Maßnahmen entscheiden können, die bei Ihnen getroffen werden, darüber informiert Sie heute mein Kollege Dr. Dietmar Kowertz, Chefredakteur von "Benefit".
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