Johanniskraut - eine echte Alternative zu synthetischen Pillen
Inga-Maria Richberg in Täglich Gesund zum Thema Johanniskraut
vom 24. September 2008, 16:00 Uhr
GNL5356
Stimmungstief im Herbst und Winter - nehmen Sie Johanniskraut!" In Apotheken, Supermärkten und Zeitschriften wird der Seelentröster aus der Natur" jetzt wieder kräftig beworben. Rund 600 verschiedene Johanniskraut-Präparate sind derzeit auf dem Markt. Wir sagen Ihnen, welche Mittel Ihnen wirklich helfen können und was Sie bei der Einnahme unbedingt beachten sollten. Denn diese Heilpflanze kann, wie neueste Forschungen belegen, tatsächlich die Wirkung bestimmter Medikamente, z. B. von Gerinnungshemmern, Asthma- und Herzmitteln, beeinträchtigen.
Die antidepressive Wirkung ist wissenschaftlich belegt
Dass hoch dosierte Extrakte aus Johanniskraut (Hypericum perforatum) bei leichten bis mittelschweren Depressionen den synthetischen Antidepressiva in der Wirkung ebenbürtig sind, ist durch zahlreiche Studien aus den 90er Jahren an mehreren tausend Probanden eindeutig bewiesen. Aber nicht nur das: Johanniskraut ist auch wesentlich verträglicher. So beeinträchtigt es im Gegensatz zu synthetischen Antidepressiva nicht Ihr Reaktionsvermögen und Ihre Fähigkeit, am Straßenverkehr teilzunehmen. Auch Störungen des Herzrhythmus treten nicht auf. Aus diesem Grund empfiehlt die Amerikanische Gesellschaft für innere Medizin seit Juni 2000 hoch dosiertes Johanniskraut als einziges Naturheilmittel zur Behandlung von Depressionen.
Bei diesen seelischen Beschwerden kann Johanniskraut helfen:
- leichte bis mittelschwere Depressionen, auch Winterdepressionen
- Schlafstörungen, besonders mit frühmorgendlichem Erwachen
- nervöse Angst-, Erregungs- und Spannungszustände
- nervöse Erschöpfung, z. B. durch Überarbeitung
- Die Volksmedizin verwendet das Öl aus Johanniskraut auch gegen Hautbeschwerden und Entzündungen der Magenschleimhaut.
Nur der Gesamtextrakt aus der Pflanze ist wirksam
Zwar ist das genaue Wirkprinzip von Johanniskraut noch nicht entschlüsselt. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass nur der Extrakt aus der gesamten Pflanze antidepressiv wirkt. Wie die Ärztezeitung im Herbst 2001 berichtete, spielt dabei der sekundäre Pflanzenstoff Rutin eine zentrale Rolle, der offenbar den Hauptwirkstoff Hyperforin erst aktiviert. Denn Johanniskraut-Zubereitungen ohne Rutin seien wirkungslos. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, müsse der Rutingehalt bei 2 % pro Tablette liegen.
Das sind die Wirkungen von Johanniskraut auf die Seele:
- Aufhellung der Stimmung
- Aktivierung des inneren Antriebs
- Abbau von inneren Spannungen und Ängsten
- Stärkung der seelischen Widerstandsfähigkeit"
Genauso wie bei synthetischen Antidepressiva wird die volle Wirksamkeit von Johanniskraut erst nach 2 bis 4 Wochen erreicht. Bei jährlich wiederkehrenden Winterdepressionen sollten Sie daher rechtzeitig im Spätsommer mit der Einnahme von Johanniskraut beginnen.
Viele Präparate aus der Drogerie sind zu gering dosiert
Die Tagesdosis bei leichten bis mittelschweren Depressionen liegt zwischen 900 und 1.300 mg Hyperforin mit 2 % Rutingehalt. Das entspricht 3 bis 4 Tabletten à 300 mg Hyperforin (z. B. Neuroplant 300, Jarsin 300, Kira 300 mg oder Sedovegan 300 aus der Apotheke). Zahlreiche Hersteller bieten auch die Tagesdosis in 1 bzw. 2 Tabletten an (z. B. Neuroplant 1x1, Laif 900, Jarsin 450 bzw. 750, Hewepsychon 425, Felis 425 bzw. 650). Bei Laif 900 kam es zwar vor zwei Jahren zu starken Schwankungen im Wirkstoffgehalt, die nach Auskunft des Herstellers inzwischen jedoch behoben sind. Alle diese hoch dosierten Mittel können bei einer manifesten Depression nach wie vor auf Kassenrezept verordnet werden. Präparate aus dem Supermarkt oder der Drogerie sind dagegen meist zu gering dosiert bzw. enthalten zu wenig Rutin. Johanniskrautextrakte gelten als gut verträglich. Sie können jedoch die Wirkung einiger u. U. lebenswichtiger Medikamente stark abschwächen. Außerdem führen hohe Dosen zu einer erhöhten UV-Lichtempfindlichkeit der Haut, sodass Sie sich sorgfältig vor der Sonne schützen und auf Solariumbesuche verzichten sollten.
Zwar können Sie Johanniskraut grundsätzlich unbeschränkt einnehmen. Aus Sicherheitsgründen sollten Sie jedoch nach 6 bis 8 Wochen Ihre Leberwerte vom Arzt kontrollieren lassen.
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