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Zöliakie: Was steckt hinter der Weizenangst?

Weizen macht dick, krank und dumm: Das behaupten mehrere Autoren von einschlägigen Gesundheitsratgebern.

Daraus hat sich ein regelrechter Trend entwickelt: Immer mehr Menschen meiden Weizen und das auch ohne diagnostizierte Unverträglichkeit gegen weizenhaltige Lebensmittel. Doch sind Brot, Pasta und Kuchen wirklich die Ursache für viele Beschwerden?

Wann und wie tritt die Zöliakie auf?

Die Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten. Meist kommt sie bei Menschen europäischer Abstammung, mit Diabetes mellitus Typ I (jugendlicher Diabetes), Osteoporose, Unfruchtbarkeit, rheumatoider Arthritis oder Schilddrüsenerkrankungen vor.

Zöliakie wird vererbt. Wenn Sie daran leiden, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre nahen Blutsverwandten auch daran erkrankt sind, bei 10 Prozent.

In vielen Fällen und aus unbekannten Gründen kann die Zöliakie durch ein einschneidendes Ereignis aktiviert werden, zum Beispiel nach einer Virusinfektion, schwerem Stress, Schwangerschaft oder körperlicher Verletzung.

Die Symptome variieren stark und die Erkrankung kann anderen Krankheiten ähneln, zum Beispiel dem Reizdarmsyndrom (Colon irritabile).

Einige Personen mit aktiver Zöliakie sind sich ihrer Symptome nicht bewusst. Bei anderen treten Müdigkeit, Bauchschmerzen, zeitweiser Durchfall, starke Blähungen und Windabgänge, Gewichtsverlust oder faul riechende, schaumige Stühle auf.

Weizen: Tatsächlich so ungesund?

Weizen gehört seit etwa zehntausend Jahren zur Ernährung der Menschen und ist weltweit eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel.

Doch in letzter Zeit steht Weizen immer öfter in schlechtem Licht: Verschiedene Autoren behaupten, Weizen sei gefährlich und für zahlreiche Krankheiten verantwortlich.

In seinem Buch „Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank macht“ behauptet der Kardiologe William Davis, dass Weizen Herz, Gehirn und Haut schädige und Übergewicht sowie Diabetes fördere.

Die Horrorbotschaften, Weizen mache dick und krank und verklebe den Körper, haben keine wissenschaftliche Grundlage.

Richtig ist: Wer zu viel Brot und Nudeln isst, kann übergewichtig werden und mit dem Übergewicht steigt das Risiko für Folgekrankheiten. Aber was steckt denn jetzt in Weizen, das ihn so ungesund für Ihre Ernährung machen soll?

Ist Gluten der Bösewicht im Weizen?

Natürlich gibt es anerkannte Krankheitsbilder, die durch den Getreidekonsum bei Ihnen ausgelöst werden können. Tatsächlich ist die Zahl der Menschen angestiegen, die an Zöliakie leiden.

Bei dieser Autoimmunerkrankung löst die Aufnahme von Gluten (Klebereiweiß) eine immunologisch vermittelte Entzündung aus. Als Folge bilden sich die Darmzotten zurück und die Nährstoffaufnahme wird gestört.

Von der Gluten-Unverträglichkeit sind in Deutschland derzeit etwa 0,3 bis 0,5 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft geht allerdings von einer hohen Anzahl aus, da viel Menschen nicht wissen, dass sie unter Zöliakie leiden.

Glutenfrei kochen

Als Alternative zu Weizen & Co. bietet Ihnen aber auch die Natur glutenfreie Produkte, mit deren Mehl Sie ohne Weiteres backen können:

  • Mais
  • Reis
  • Hirse
  • Amaranth
  • Quinoa
  • Kichererbse
  • Sojabohne
  • Esskastanie

Beim Einkauf von Lebensmitteln garantiert Ihnen das Symbol der durchgestrichenen Ähre Glutenfreiheit. Fehlt dieses Symbol auf der Verpackung von Lebensmitteln, hilft Ihnen nur der genaue Blick auf die Zutatenliste, auf der Gluten ausgewiesen werden muss.

Lebensmittel, die Sie im Restaurant, beim Bäcker oder Metzger erhalten, mussten bis Ende 2014 nicht auf glutenhaltige Inhaltsstoffe hinweisen.

Als Zöliakiepatient gingen Sie hier immer das Risiko ein, auf glutenhaltige Lebensmittel zu stoßen. Im Dezember 2014 änderte sich hier die Kennzeichnungsvorschrift. Jetzt müssen auch diese Betriebe über den Glutengehalt ihrer Lebensmittel informieren.

So können Sie sogar selbst backen

Als Alternativen zu Getreide bieten sich an:

  • Hirse
  • Buchweizen
  • Kastanienmehl
  • Johannisbrotmehl
  • Soja

Wenn Sie selbst backen wollen, verwenden Sie statt Hefe oder Backpulver diese Backtriebmittel aus Reformhaus oder Bioladen:

  • Johannisbrotkernmehl (E 410)
  • Guakernmehl  (E 412)
  • Pfeilwurzelstärke, -mehl
  • Gelatine
  • Agar-Agar
  • Pektin (E 440)

Glutenfreie Produkte aus Reformhaus und Bioladen

Die glutenfreien Nahrungsmittel sind mit einer durchgestrichenen Ähre oder dem Aufdruck „Glutenfrei“ gekennzeichnet. Auch einige Supermärkte bieten in ihren Bioabteilungen glutenfreie Nahrungsmittel an.

Dazu gehören:

  • Mehlmischungen
  • Brot, Brötchen, Knäckebrot
  • Zwieback
  • Gebäck, Kekse, Waffeln, Kuchen
  • Müsli, Teigwaren, Fertiggerichte
  • Bier
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