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Zöliakie: Symptome und Diagnostik bei Glutenunverträglichkeit

Inhaltsverzeichnis:

  1. Wie entsteht die Glutenunverträglichkeit?
  2. Der Eiweißstoff Gluten löst einen Krieg im Darm aus
  3. Bauchschmerzen und Durchfall: Nicht immer Zöliakie!
  4. Glutenfreie Produkte: Für Gesunde nicht empfehlenswert

Brot stellt für die meisten Menschen einen unverzichtbaren Teil ihres Speiseplans dar. Gerade die Deutschen sind bekannt für ihre Liebe zur „Stulle“, die es in dieser Form in keinem anderen Land gibt. Das ist auch gut so, denn Getreide ist normalerweise für eine gesunde Ernährung sehr bedeutend, weil es den Körper mit Kohlenhydraten, Vitaminen und jeder Menge Ballaststoffe versorgt. Doch mehr Menschen, als allgemein bekannt ist, vertragen Brot und Getreide gar nicht.

Zöliakie: Glutenunverträglichkeit© Adobe Stock – luciepeclova

Wie entsteht die Glutenunverträglichkeit?

Einer von 1.200 Bundesbürgern leidet der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE zufolge an einer Zöliakie, einer Überempfindlichkeit des Dünndarms gegen das Klebereiweiß Gluten aus Getreide. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Dunkelziffer ist hoch, da die Krankheit oft nicht oder erst spät erkannt wird. Symptome einer Zöliakie oder Sprue können Übelkeit, Durchfälle, Fettstühle und Bauchschmerzen sein. Die Krankheit wird selbst von den Betroffenen oft nicht wirklich registriert, denn anfangs plagt sie nur gelegentliches Unwohlsein, vielleicht sind sie auch nur ab und an appetitlos und müde.

Die Symptome der Zöliakie sind so vielfältig, dass es den meisten schwerfällt, sie mit einer Unverträglichskeitsreaktion ihres Körpers gegen das Klebereiweiß Gluten in Zusammenhang zu bringen, zumal vielen die Krankheit unbekannt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Zöliakie schätzt, dass 80 bis 90 Prozent aller Zöliakie-Betroffenen untypische, wenig oder keine Symptome haben.  Häufig tritt die Erkrankung bereits im Kindesalter auf, etwa wenn Eltern vor dem vierten Lebensmonat beginnen, ihrem Baby glutenhaltigen Brei zuzufüttern. Etwa zehn Prozent aller Kinder unter zwei Jahren leiden an einer vorübergehenden Zöliakie, die sich wieder „auswächst“.

Hinter diesen Symptomen kann sich bei Erwachsenen eine Zöliakie verstecken*

KörperbereichBeschwerden
Allgemeine SymptomeMüdigkeit, Schwäche, Gewichtsabnahme
Magen- und DarmbeschwerdenDurchfall, Blähungen, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Brechreiz, Appetitlosigkeit, Zungenbrennen
StoffwechselveränderungenEisenmangelanämie, Krämpfe, Hautblutungen, Kribbeln in den Beinen, manchmal Ödeme
Knochen- und MuskelbeschwerdenRückenschmerzen, Muskelschwäche, Osteoporose, Osteomalazie
Neurologische/psychiatrische BeschwerdenKribbelgefühle, Erschöpfungszustände mit depressivem Einschlag, Nervosität, Ängstlichkeit, Schlafstörungen, verminderte geistige Belastbarkeit
Störungen der SexualfunktionZyklusunregelmäßigkeiten, frühe Menopause, erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, verminderte Fruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern
HautveränderungenDermatitis, trockene Haut, Psoriasis, Ekzeme, schütteres Haar
ZähneZahnschmelzdefekte
* nach Professor Ottmar Leiß, Deutsche Klinik für Diagnostik, Wiesbaden

Der Eiweißstoff Gluten löst einen Krieg im Darm aus

Normalerweise verteidigt das Immunsystem den Körper gegen schädigende Einflüsse und Gefahren. Wenn Sie aber an Zöliakie (auch einheimische Sprue oder glutensensitive Enteropathie genannt) leiden, betrachtet Ihr Immunsystem Gluten als einen Feind. Jedes Mal, wenn Sie glutenhaltige Nahrungsmittel essen, wird Ihr Immunsystem aktiviert. Diese Aktivierung führt zu einer Schwellung und Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Wenn dies passiert, können die feinen, haarähnlichen Fortsätze auf der Darmwand (Darmzotten) schrumpfen oder sich ganz zurückbilden.

Gesunde Zotten nehmen Vitamine, Mineralien und andere Nährstoffe auf, die für Wachstum und Gesundheit notwendig sind. Aber wenn mehr und mehr Zotten durch die Zöliakie befallen sind, geht die Fähigkeit zur Verdauung und zur Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung verloren. Die Zotten entzünden sich, die Innenseite des Dünndarms flacht allmählich ab. Die Folge ist eine mangelhafte Ausnutzung der Nahrungsinhaltsstoffe. Daraus können schwere Mangelzustände resultieren, etwa Osteoporose, chronische Hepatitis und bei Kindern Wachstumsstörungen. Außerdem ist das Risiko für Darmkrebs erhöht.

Zöliakie erhöht Osteoporose-Risiko

Schon länger ist bekannt, dass die Glutenunverträglichkeit das Risiko für Osteoporose erhöht. Wissenschaftler sind davon ausgegangen, dass der Grund dafür ist, dass die Betroffenen sich nur schlecht mit den wichtigen Vitalstoffen Kalzium und Vitamin D versorgen können. Viel entscheidender aber ist, dass das Protein OPG nicht richtig arbeiten kann.

Normalerweise kontrolliert es im Körper, wie schnell Knochen abgebaut werden. Zöliakie-Kranke aber produzieren häufig Antikörper, die dieses Protein hemmen. Es kommt zu einem beschleunigten Knochenabbau und damit zu starker Osteoporose. Da Zöliakie-Patienten durch ihre Erkrankung nicht mit Kalzium und Vitamin D vorbeugen können, raten die Wissenschaftler, dass der Arzt Medikamente einsetzen soll, die den Knochenschwund verhindern.

Bauchschmerzen und Durchfall: Nicht immer Zöliakie!

Nudeln, Butterbrot, Kuchen: Es gibt Menschen, die nach dem Genuss dieser Speisen unter Bauchschmerzen und Durchfall leiden. Schnell wird dann auf eine Glutenunverträglichkeit getippt. Doch schuld sein kann eine ähnliche Erkrankung, die aber häufig übersehen wird: die sogenannte Weizensensitivität. Wie Menschen mit Zöliakie leiden Sie dann unter Blähungen und Durchfall. Doch es können auch Symptome wie Lethargie, Kopfschmerzen, Muskel-, Knochen- und Gelenkschmerzen oder Hyperaktivität hinzukommen.

Im Gegensatz zur Zöliakie sind es nicht die Gluten, die diese Erkrankung auslösen, sondern andere Eiweiße, die Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs). Sie regen bestimmte Immunzellen an, worauf der Körper mit der Produktion von Entzündungsstoffen reagiert. Da ATIs nicht nur in Weizen, sondern auch in anderen Getreiden enthalten ist, hilft auch hier eine glutenfreie Ernährung. Besonders häufig erkranken Menschen, die schon unter chronischen Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen leiden. Auch können sich Krankheitsverläufe wie der von Multipler Sklerose durch Weizensensitivität verschlimmern. Forscher empfehlen zwar auch bei dieser Erkrankung eine glutenfreie Ernährung, aber eine strenge Diät wie bei Zöliakie ist nicht angebracht. Die Beschwerden verschwinden, wenn die gluten- und ATI-haltigen Speisen zu rund 90 Prozent vom Speiseplan gestrichen werden. Ab und zu sündigen ist daher erlaubt.

Glutenfreie Produkte: Für Gesunde nicht empfehlenswert

Immer mehr Lebensmittel finden sich im Supermarkt, die keine Gluten mehr enthalten. Für Menschen, die diese nicht vertragen, sind sie eine echte Hilfe. Doch auch viele, die keine Probleme mit dem Klebereiweiß haben, greifen zu diesen Lebensmitteln: zu glutenfreiem Brot, Nudeln oder Keksen. Dabei lassen sie außer Acht, dass die Lebensmittel nicht nur teurer sind, sondern in der Regel auch weniger gesund als die herkömmlichen Varianten.

Enthaltene Fettsäuren sind oft ungesund

Forscher des Instituto de InverstigaciònSanitaria La Fe in Valencia haben sich mit den Inhaltsstoffen der glutenfreien Lebensmittel befasst. Sie untersuchten 654 glutenfreie Lebensmittel und verglichen diese mit 655 glutenhaltigen Produkten. Es zeigte sich: Die Lebensmittel, bei denen keine Gluten mehr enthalten waren, sind deutlich ärmer an Eiweiß als die glutenhaltigen Pendants. Andererseits sind sie aber deutlich fetthaltiger. Nur so ist es möglich, dass diese Lebensmittel eine ähnliche oder fast die gleiche Konsistenz bekommen wie die glutenhaltigen Lebensmittel.

Bei dieser größeren Fettmenge handelt es sich allerdings nicht um empfehlenswerte Fette, sondern um große Mengen gesättigte Fettsäuren, also um die weniger gesunden Fette. Die Forscher betonen, dass diese Lebensmittel in Zukunft deutlich gesünder werden müssen. Bis dahin sollten auch die Inhaltsstoffe deutlicher gekennzeichnet werden.

Häufig Arsen enthalten

Schon in vorhergehenden Untersuchungen hatte sich gezeigt: eine glutenfreie Ernährung ohne Not, also, wenn Sie völlig gesund sind, kann problematisch sein. Zum einen liefern Ihnen die glutenfreien Lebensmittel zu wenige Ballaststoffe. Verdauungsprobleme können die Folge sein. Aber noch ein anderer Aspekt ist nicht zu vernachlässigen: Weizen und andere Getreide, die Gluten enthalten, müssen ersetzt werden. Dazu wird in diesen Lebensmitteln sehr häufig Reis verwendet. Reis ist aber meistens mit Arsen belastet. Aus diesem Grund sollten Sie ihn möglichst vermeiden, wenn es auch anders geht.

Gehen Sie davon aus, sich mit glutenfreier Kost etwas Gutes zu tun, auch wenn diese eigentlich nicht nötig ist, belasten Sie Ihren Körper mehr, als Sie eigentlich denken. Lassen Sie als gesunder Mensch diese Ersatzprodukte am besten im Regal liegen. Sie haben für Sie keinerlei Sinn und Zweck. Anders sieht es natürlich aus, wenn Sie Gluten tatsächlich nicht vertragen. Für Sie sind die glutenfreien Produkte dann natürlich empfehlenswert, trotz ihrer Schattenseiten. Denn nur wenn Sie auf Gluten komplett verzichten, verschwinden auch Ihre Magen-Darm-Probleme wieder. Und verglichen mit diesen sind die negativen Seiten der glutenfreien Produkte zu vernachlässigen.

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