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Zeckenbiss-Therapie: Je früher, desto wirksamer

Vor allem im Frühstadium findet die Behandlung von Borreliose-Patienten mit Antibiotika statt. Die Therapie später auftretender und chronischer Symptome erweist sich als schwieriger. Dazu kommen verschiedene Antibiotika in Frage.

Eine prophylaktische Antibiotikagabe unmittelbar nach einem Stich empfiehlt sich nicht.

Gel gegen die Infektion

Künftig soll ein neuartiges Gel die Infektion im Keim ersticken. Betroffene müssen es sofort nach dem Zeckenstich lokal auftragen.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Leipzig entwickeln das Medikament in enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Ixodes AG. Des Weiteren war das Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der LMU München beteiligt.

„Trägt man das Gel gleich nach dem Entfernen der Zecke an der Stichstelle auf und wartet gar nicht erst eventuelle Symptome ab, könnte die Lyme-Borreliose verhindert werden.

Denn die Bakterien halten sich die ersten Tage um die Zeckenstichstelle auf und breiten sich erst dann aus. Der aktive Wirkstoff des Gels ist Azithromyzin, das sehr effektiv gegen Borrelien wirkt und diese lokal in der Haut abtötet“, sagt Dr. Jens Knauer, Projektleiter am IZI.

Im Gegensatz zu anderen Antibiotika sind keine Resistenzen von Borrelienstämmen gegen Azithromyzin bekannt.

Als weiterer Vorteil des Wirkstoffs gelten die geringen Nebenwirkungen, daher belastet er den Körper nicht. Er zeichnet sich durch seine gute Depotwirkung von bis zu fünf Tagen im Gewebe aus.

Die Behandlung erweist sich nur dann als erfolgreich, wenn der Patient das Arzneimittel innerhalb der ersten fünf Tage nach dem Zeckenstich aufträgt.

„Eine etablierte Infektion lässt sich mit dem Gel jedoch nicht therapieren, es eignet sich ausschließlich zur Prophylaxe“, betont Knauer.

Nachdem die präklinischen Studien einen erfolgreichen Abschluss erlebten, testen die Forscher das Medikament seit Mitte 2011 an Personen mit nachgewiesenen Zeckenstichen. Dies geschieht in einer klinischen Phase-III-Studie (www.zeckenstudie.com), die noch die Unterstützung von Teilnehmern benötigt.

Besser als jede Therapie ist das Vermeiden von Zeckenstichen. Es empfiehlt sich daher, zeckendurchseuchte Gebiete zu umgehen.

Als weiterer Tipp gilt es, geschlossene und helle Kleidung zu tragen sowie sich selbst und Kinder nach Zecken abzusuchen. Nach dem Aufenthalt im Freien wäscht man die behandelte Haut. Nach einem Stich sollte der Betroffene die Zecke so schnell wie möglich entfernen.

Die Wahrscheinlichkeit für die Erreger-Übertragung nimmt mit der Dauer des Saugaktes zu. Abschließend findet eine Desinfektion der Wunde statt. Als ratsam erweist sich die Impfung gegen FSME.

Impfung schützt vor Hirnhautentzündung

Für die zweite Erkrankung, deren Erreger Zecken übertragen, existiert keine spezifischer Therapie gibt.

Stattdessen gibt es eine Impfung. Diese so genannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird nicht durch Bakterien, sondern durch Viren auf den Menschen übertragen.

Das Infektions-Risiko bei einem Zeckenstich fällt gering aus, da die meisten der Spinnentierchen keine Viren in sich tragen. Selbst in Risikogebieten besitzen nur 0,1 bis 5 Prozent der Zecken das Virus.

Eine Infektion mit dem FSME-Virus führt zu einer Immunität und schützt vor weiteren Infektionen mit dem Virus. In über 70 Prozent der Fällen bleibt die Erkrankung klinisch unauffällig.

Zu Beginn treten Symptome auf wie bei einer schweren Grippe. Bei fast 30 Prozent der Patienten finden sich lang anhaltende neuropsychologische oder neurologische Defizite.

Da sich die FSME-Viren im Speichel der Zecke befinden, können sie nach dem Stich sofort in die Wunde gelangen. Grundsätzlich gilt, je länger das Tier saugt, um so höher fällt das Infektionsrisiko aus.

Die Zeckensaison

Kaum scheint die Sonne, werden die Zecken aktiv. Schon bei Temperaturen um die acht Grad machen sich die Blutsauger im hohen Gras und auf Sträuchern auf die Suche nach Wirten, die sie aussaugen können.

Vor allem Hunde und Katzen, aber auch Jogger, Spaziergänger, Hobbygärtner und Arbeiter im Grünen sind gefährdet. Vor allem weil die Zecken Krankheiten wie FSME oder Borreliose übertragen.

Deshalb sollten Sie sich nach Aufenthalten im Freien sich selbst und Ihre Haustiere nach Zecken absuchen.

Wurden Sie von einer Zecke befallen, ist es wichtig, das Tier möglichst schnell und schonend zu entfernen. Statt zu zweifelhaften Hausmitteln wie Kleber oder Rasierklinge sollten Sie lieber zu einer speziellen Zeckenzangen greifen, die den verschiedenen Entwicklungsstadien der Zecke angepasst sind.

Wichtig ist, dass die Zange eine feine Spitze besitzt, mit der auch die nur wenige Millimeter großen Zeckenlarven erfasst werden können.

Gleichzeitig muss sie sich aber weit genug öffnen lassen, um erwachsene oder vollgesogene Tiere zu entfernen. Der Druck der Greifer sollte nicht zu stark sein, sonst besteht die Gefahr, die Zecke zu zerreißen.

Studien haben nachgewiesen, dass beim vorsichtigen Herausdrehen weniger Zeckenteile in der Wunde bleiben als beim Herausziehen. Letzteres ist hauptsächlich bei vollen Zecken sinnvoll, da diese meist nur noch lose verankert sind.

Dafür gibt es inzwischen auch kombinierte Zeckenzangen aus Kunststoff oder Chirurgenstahl: Präzise Greifer an der Spitze für die kleineren Exemplare und am anderen Ende eine Ausbuchtung mit einem Spalt, der unter volle Zecken geschoben wird, um sie herauszuziehen und aufzufangen.

Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach den neuesten Modellen.

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