Verdauungsprobleme: Kohlenhydratarme Diäten
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Aus historischer Sicht spielt Brot in der Ernährung in Deutschland eine wichtige Rolle. Aber in den letzten Jahren hat dieses Grundnahrungsmittel und andere kohlenhydratreiche Speisen (Kartoffeln, Nudeln, Reis, Mehlspeisen u. a.) mit dem Aufkommen von Diäten, die Kohlenhydrate einschränken, einen negativen Stempel aufgedrückt bekommen. Sind Kohlenhydrate etwa Gründe für Verdauungsprobleme?
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Lebensmittel mit wenigen Kohlenhydraten werden im Supermarkt und Reformhaus angeboten, manchmal auch auf Speisekarten im Restaurant hervorgehoben oder sogar im Schnellrestaurant angepriesen.
Obwohl einige Menschen mithilfe der kohlenhydratarmen Kost (Atkins-Diät, Ketogene Diät u. a.) abnehmen, bleiben Fragen nach dem Einfluss dieser Diäten auf die Gesundheit und eventuell auftretenden Verdauungsproblemen bestehen. Ernährungsexperten der Mayo Clinic beantworten hier einige Ihrer Fragen zu diesen Diäten.
Frage 1: Warum hilft eine kohlenhydratarme Diät beim Abnehmen?
Antwort: Nach dieser Theorie erhöhen Kohlenhydrate den Blutzuckerspiegel, wodurch wiederum die Insulinproduktion angekurbelt wird. Insulin sorgt dann dafür, dass der Zucker in die Zellen kommt, wodurch ein Abbau von körpereigenen Fettreserven verhindert wird. Dadurch wird überschüssiges Fett nicht abgebaut und Sie nehmen nicht ab.
Wenn dadurch eine Gewichtszunahme verursacht wird – so der Ansatz der Verfechter der kohlenhydratarmen Diäten – , ist auch der Umkehrschluss zulässig: Weniger Kohlenhydrate bedeuten niedrigere Blutzuckerwerte, was zu geringeren Insulinmengen und letztendlich zu Gewichtsverlust führt. Wenn Sie keine Kohlenhydrate zu sich nehmen, ist Ihr Körper gezwungen, seine Fettreserven aufzubrauchen, um genug Energie zu erhalten.
In der Tat trifft es zu, dass einige Menschen mit dieser Diät Gewicht verlieren, aber dieser Effekt basiert wahrscheinlich nicht auf Blutzuckerwerten und Insulinspiegeln.
Frage 2: Wie funktionieren diese Diäten?
Antwort: Verschiedene Faktoren spielen hier eine Rolle. Doch wahrscheinlich resultiert der Gewichtsverlust aus einer geringeren Aufnahme von Kohlenhydraten. Viele kohlenhydratarme Diäten reduzieren die gesamte Kalorienaufnahme, da eine ganze Gruppe von Nahrungsmitteln ausgeklammert wird. Wenn Sie weniger Kalorien aufnehmen als Sie brauchen, nehmen Sie ab.
Ein anderer Faktor ist die Entwässerung. Indem Sie weniger Kohlenhydrate essen, zwingen Sie ihren Körper zum Abbau seiner Kohlenhydratvorräte (Glykogen) und Fettreserven. Der Glykogenabbau setzt Wasser frei und Sie nehmen ab. Zusätzlich setzen sie eine Spirale mit abnehmendem Appetit in Gang. Wenn Fette statt Kohlenhydrate im Stoffwechsel verbrannt werden, können sich Nebenprodukte – die so genannten Ketone – im Blutkreislauf ansammeln (Ketose). Eine Ketose führt bei vielen Menschen zu einem verringerten Appetit.
Frage 3: Sind kohlenhydratarme Nahrungsmittel gesünder?
Antwort: Begriffe wie „kohlenhydratarm“ oder „kalorienarm“ sind Werbeaussagen, die den Verkauf fördern sollen. Bislang wurde noch nicht definiert, welche Mengen damit gemeint sind. Einige Menschen werden einwerfen, dass Nahrungsmittel mit der Bezeichnung „kohlenhydratarm“ gesünder sind, aber das muss nicht so sein. Beispielsweise kann entsprechend beworbenes Gebäck zwar weniger Kohlenhydrate aufweisen, aber gleichzeitig viel Fett und Kalorien enthalten. Denken Sie daran, dass 1 g Fett 9 Kalorien entspricht, aber 1 g Kohlenhydrate nur 4 Kalorien. Überschüssige Kalorien sind überschüssige Kalorien, egal in welcher Form sie gegessen werden.
Frage: 4: Sind einige Kohlen-hydrate besser als andere?
Antwort: Ernährungsberater vertreten die These, dass man fast alles essen kann, solange man Maß hält. Aber einige Nahrungsmittel bieten Ihnen nichts außer Zucker. Zucker bietet außer zusätzlichen Kalorien keinen besonderen Nährwert. Auf der anderen Seite gibt es gesunde Vollkornprodukte und Gemüse wie Müsli, brauner Reis, Vollkornbrot und Linsen, die neben komplexen Kohlenhydraten auch viele Vitamine, Spurenelemente und Faserstoffe enthalten.
Im Allgemeinen werden die komplexen Kohlenhydrate langsamer aufgenommen, sodass die Insulinwerte langsamer ansteigen als bei der Aufnahme von einfachen Kohlenhydraten. Ernährungspläne, die auf komplexen Kohlenhydraten basieren, gehen von einer Appetit mindernden Wirkung der langsameren Aufnahme von Kohlenhydraten aus. Außerdem trage der hohe Faseranteil zu einem schnellen Sättigungsgefühl bei.
Frage 5: Kann eine kohlen-hydratarme Ernährung auch zu Problemen führen?
Antwort: Es ist noch zu früh, um mögliche Risiken der kohlenhydratarmen Kost voraussehen zu können. Entsprechende Produkte können immer noch fett- und kalorienreich sein. Einige kohlenhydratarme Speisen – auch spezielle Schokoriegel – mit dem Süßstoff Sorbit oder Maltit als Ersatz für reguläre Zucker können Durchfall, Darmkrämpfe oder andere Verdauungsprobleme auslösen. Sorbit und Maltit wirken abführend, wenn sie in großen Mengen eingenommen werden.
Frage 6: Gibt es langfristige Risiken bei kohlenhydratarmer Ernährung?
Antwort: Bislang kann man das nicht abschätzen. Studien, die Vor- und Nachteile der kohlenhydratarmen Ernährung verglichen haben, dauerten nicht lange genug, um zu beurteilen, ob nach vielen Jahren Gesundheitsrisiken, zum Beispiel in Bezug auf Herzkrankheiten, Krebs, Nieren- oder Knochenleiden, entstehen können.
Fettreiche Kost gilt als Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen (Herz und Gefäße betreffend), und eiweißreiche Kost ist vor allem für Menschen mit Nieren- oder Leberleiden bedenklich. Fachgremien wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft empfehlen zur Gewichtsreduktion daher ausgewogene Kost und reduzierte Zufuhr an Kalorien, vor allem durch Einsparen von Nahrungsfetten.
Frage 7: Ermöglichen es die vielen kohlenhydratarmen Produkte eher, einer langfristigen Diät treu zu bleiben?
Antwort: Nicht unbedingt. Eine Studie, die im Mai 2003 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, zeigte, dass nach einem Jahr 40% der Teilnehmer einer kohlenhy-dratarmen Diät abgebrochen hatten und es ebenfalls 40% Abbrecher bei einer kalorienkontrollierten Diät gab.
Die Studie zeigte auch, dass eine kohlenhydratarme Diät in den ersten 6 Monaten für eine stärkere Gewichtsabnahme sorgte als eine traditionelle Diät. Aber gegen Jahresende war der Abnahmeerfolg wieder der gleiche.
Schneller Erfolg, aber am Ende bleibt alles beim Alten
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat eine Meta-Analyse zum Thema „Wirksamkeit und Sicherheit kohlenhydratarmer Diäten“ herausgegeben, die 2003 im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde: „Die Autoren kommen zu den Schlussfolgerungen, dass keine ausreichende Evidenz vorliegt, um Empfehlungen für oder gegen kohlenhydratarme Kostformen auszusprechen, insbesondere für Patienten, die älter sind als 50 Jahre oder für eine Zeitspanne von mehr als 90 Tagen.“
Bei Interesse kann die Studie im Internet heruntergeladen werden.