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Schwindel (Vertigo): Eine Zusammenfassung

Das Gefühl, dass sich alles dreht, der Boden schwankt und man nach Halt suchen möchte, ist mehr als unangenehm. Jeder zehnte Patient in einer deutschen Allgemeinarztpraxis klagt über derartige Probleme. Unter dem Begriff Vertigo versteht man diese Illusion einer Bewegung; häufig eines Drehens der Person oder der Umgebung.

Inhaltsverzeichnis:

  1. So funktioniert der Gleichgewichtssinn
  2. So entsteht das Karussell im Kopf
  3. Das hilft Ihnen natürlich gegen Schwindel
  4. Die Auswirkungen von Hitze auf Ihren Kreislauf

Schwindel© Adobe Stock – Statisque

So funktioniert der Gleichgewichtssinn

Ihr Gleichgewichtssinn wird unter normalen Umständen durch eine Reihe von Signalen kontrolliert, die von verschiedenen Stellen des Körpers an das Gehirn gesendet werden. Ihre Augen senden optische Signale. Diese helfen Ihnen, Ihre Lage im Raum zu bestimmen, ungeachtet der Körperposition, in der Sie sich befinden. Die sensorischen Nerven des Tastsinns befinden sich in der Haut, den Muskeln und den Gelenken. Sie melden dem Gehirn alle Körperbewegungen.

Und dann gibt es noch das Innenohr, das Signale zu dem Bereich des Gehirns sendet, der die Bewegung Ihrer Augen kontrolliert. Auf diese Weise bleibt das Bild, das Sie erhalten, im Mittelpunkt. Außerdem wird Ihrem Gehirn gemeldet, ob Sie sich bewegen.

Das vestibuläre Labyrinth

Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr ist das vestibuläre Labyrinth. Es besteht aus drei Bogengangsorganen. Verbunden mit ihnen ist eine schlauchförmige Struktur, der Utriculus, in der sich Flüssigkeit und feine, haarähnliche Sensoren befinden. Dabei handelt es sich um Sinneszellen mit feinen „Härchen“ (Zilien), die in eine gallertartige Haut (Membran) eintauchen. Es werden drei dieser Kanäle benötigt, um Drehbewegungen um alle möglichen Raumachsen zu registrieren. Die Haut enthält winzige Kalziumkarbonatkristalle (Statolithen).

Wird der Kopf bewegt, verschieben die kleinen Kristalle die Härchen der Sinneszellen. Die wechselnde Ausrichtung der Sinneszellen ermöglicht es dem Gehirn, die Richtung der Bewegung festzustellen. Der untere Teil des Innenohrs (Cochlealabyrinth) wird durch die schneckenförmige Cochlea gebildet, die im Wesentlichen das Hörorgan darstellt. Ihr Gleichgewichtssinn kann gestört sein, wenn Ihr Gehirn nicht in der Lage ist, ausreichend Signale von den Augen, den sensorischen Nerven oder vom Innenohr zu verarbeiten, die Nachrichten, die Sie von den Augen, den sensorischen Nerven oder vom Innenohr erhalten, im Widerspruch zueinander stehen oder wenn Ihr Zentralnervensystem nur unzureichend funktioniert.

So entsteht das Karussell im Kopf

Medizinisch gesehen ist Schwindel keine eigenständige Erkrankung, sondern der Ausdruck eines anderen Grundleidens. Generell wird zwischen einem Dreh- und Schwankschwindel unterschieden. Um ernste Erkrankungen wie etwa eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs auszuschließen, sollen Sie bei anhaltendem Schwindel einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen. Weit mehr als die Hälfte aller Schwindel-Beschwerden sind jedoch harmlos, wobei ein Schwankschwindel am häufigsten vorkommt, bei dem man das Gefühl hat, sich nicht mehr auf den Beinen halten zu können.

Eine häufige Schwindelform ist der Lagerungsschwindel. Wenn die winzigen Kalksteinchen im Innenohr aus ihrer Position geraten und sich ablösen, kann es zu anfallsartigem Drehschwindel kommen, den Ärzte gutartigen Lagerungsschwindel nennen. Ab dem 60. Lebensjahr kommt diese Schwindelform durch altersbedingte Abnutzung recht häufig vor. Schwanken ohne äußere Ursache ist oft psychisch bedingt und wird psychogener Schwankschwindel genannt. Er entsteht nach lange andauernder seelischer Belastung, Stress und auch im Rahmen einer Depression. Das unsichere Gefühl auf den Beinen ist hierbei von Herzrasen und Angst begleitet und kann zu einer Panikattacke führen.

Karussel im Kopf© Adobe Stock – Tom Bayer

Mögliche Auslöser für Schwankschwindel

  • niedriger und hoher Blutdruck
  • Verspannungen in der Nackenmuskulatur
  • Blockaden in der Halswirbelsäule
  • Sauerstoffmangel im Gehirn (z. B. durch Blutarmut, Durchblutungsstörungen, Arteriosklerose, Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, Herzrhythmusstörungen)
  • seelische Faktoren (z. B. Ängste, Stress)

Wenn der Schwindel durch eine seelische Belastung entsteht, ist das unsichere Gefühl auf den Beinen meistens von Herzrasen und Angst begleitet.

Sauerstoffmangel im Gehirn löst Benommenheitsschwindel aus

Diese „Schwindelei“ kennen Sie bestimmt auch: Wenn Sie nach langem Sitzen zu schnell aufstehen, wird Ihnen schwarz vor Augen oder Sie sehen in Ihren Augen Sternchen blitzen. Manchmal passiert das auch Morgens nach dem Aufstehen, wenn Sie länger krank waren oder wenn Sie sich zu lange nicht genügend bewegt haben. Benommenheitsschwindel entsteht durch eine Mangeldurchblutung des Gehirns und verschwindet deshalb meist sofort, wenn durch Bewegung und Aktivität wieder mehr Sauerstoff ins Gehirn gelangt.

Benommenheitsschwindel kann mehrere Ursachen haben:

  • zu niedriger Blutdruck
  • zu hoher Blutdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • Arteriosklerose in der Hirnregion
  • Linksherzschwäche
  • Lungenprobleme
  • Blockaden der Halswirbelsäule
  • bestimmte Hirnerkrankungen (z. B. Multiple Sklerose)
  • Hirnverletzungen
  • starke Erschöpfung

Gelegentlich kann auch ein plötzlicher Schreck oder Angst einen Benommenheitsschwindel auslösen.

Schonen Sie sich bloß nicht!

Die Tatsache, dass Ihnen immer wieder schwarz wird vor Augen und Sie sich der Ohnmacht nahe fühlen, obwohl Sie sich doch hinlegen und schonen, verstärkt die Angst, dass sie an einer undefinierbaren Herz-Kreislauferkrankung leiden könnten. Völlig falsch, sagen Schwindel-Experten: Die Lösung heißt bewegen, bewegen, bewegen. Am besten ist eine Mischung aus Gymnastik und Ausdauertraining wie Wandern, Radfahren, Laufen, Schwimmen, Skilanglauf, Rudern oder Bergwandern. Sportliche Betätigung verbessert ohnedies die depressive Grundhaltung vieler Schwindelgeplagter. Sie hören auf, ängstlich zu grübeln, was denn mit Ihnen los sein könnte und wenden sich automatisch mehr ihrer normalen Umwelt zu.

Beim Benommenheitsschwindel haben sich pflanzliche Mittel zur Durchblutungsförderung bewährt. Dazu gehören Heilpflanzen wie Ginkgo biloba, Knoblauch und Rosmarin. Aber auch homöopathische Mittel helfen hier zuverlässig. Außer Mitteln wie Tabacum, Conium und Petroleum, die Ihnen ein erfahrener Therapeut nach Ihren persönlichen Bedürfnisse auswählen sollte, hat sich das Kombinationspräparat Vertigoheel bewährt. Sie erhalten es rezeptfrei in der Apotheke. Generell empfehlenswert sind Morgenmassagen und Kneipp’sche Wasseranwendungen wie kalt-warme Wechselduschen. Sie bringen Ihr Abwehrsystem und Kreislauf auf Trab und sorgen auch für eine bessere Durchblutung Ihres Innenohrs.

Das hilft Ihnen natürlich gegen Schwindel

Die folgenden homöopathischen Mittel haben sich alle gegen Schwindel bewährt. Beobachten Sie sich genau und wählen Sie dann das am besten zu Ihren Beschwerden passende Mittel aus. Diese Mittel eignen sich zur Selbstbehandlung:

  • Argentum nitricum bei Schwankschwindel mit Höhenangst und großer Nervosität
  • Cocculus bei Schwindel mit Übelkeit beim Autofahren, Fliegen oder auch bei Seekrankheit. Das Mittel hilft bei Drehschwindel mit Übelkeit und taumeligem Gefühl beim Gehen. Der Schwindel ist besonders ausgeprägt beim Betrachten von Gegenständen, die sich bewegen und beim Aufrichten aus einer liegenden Position.
  • Conium bei Schwindel durch Lageänderung, besonders beim Seitwärtsdrehen des Kopfes. Der Schwindel ist besonders schlimm im Liegen, verstärkt sich bei der geringsten Bewegung und bessert sich nur durch absolute Ruhe.
  • Tabacum bei Schwindel mit Kollapsgefühl, kaltem Schweiß und Brechreiz; auch hilfreich bei der Menière-Krankheit
  • Veratrum album bei niedrigem Blutdruck mit taumeligem Schwindel, der sich beim Hinlegen bessert. Auch bei einer Minderdurchblutung, die charakteristischerweise mit einem Schwarzwerden vor Augen einhergeht, kann das Mittel das richtige sein.

Die beste Potenz für Ihre Selbstbehandlung ist die D6. Lassen Sie davon bei Bedarf drei Globuli langsam im Mund zergehen. Für die Behandlung in Eigenregie eignen sich auch Kombinationspräparate aus der Komplexhomöopathie. Bestens bewährt haben sich hier zum Beispiel Vertigoheel©, 100 Tbl. ab 12,50 € und Traumea©, 80 Tbl. ab 23,50 €. Bei akuten Schwindelanfällen können Sie in halbstündigen Abständen eine Tablette langsam im Mund zergehen lassen. Zur Langzeitbehandlung lutschen Sie dreimal täglich zwei Tabletten.

Trainieren Sie den Schwindel einfach weg

  • Fixations-Technik: Mit dieser Technik helfen sich Balletttänzer. Drehen Sie sich mehrfach um sich selbst und fixieren Sie dabei mit Ihren Augen ganz fest einen Punkt.
  • Balancieren: Legen Sie einen Schal auf den Boden und gehen Sie auf ihm auf und ab, ohne über seinen Rand zu treten.
  • Augenfolgeübungen: Sie erreichen eine bessere Verarbeitung von Bewegungsreizen, wenn Sie mit Ihren Augen so oft wie möglich sich bewegende Gegenstände verfolgen. Hierzu geeignet sind etwa ein vorbeifahrendes Auto oder ein fliegender Vogel.
  • Augentraining: Setzen Sie sich gerade auf einen Stuhl und bewegen Sie Ihre Augen nach rechts, nach links, nach oben und dann nach unten. Versuchen Sie, das Tempo zu steigern.

Machen Sie alle Übungen nur in schwindelfreien Intervallen und nur so lange, wie sie Ihnen Spaß machen. Auf diese Weise verbessern Sie spielerisch Ihren Gleichgewichtssinn und die Koordination von Augen, Muskulatur und Gehirn. Dadurch sind diese Übungen bei allen Schwindelformen hilfreich.

Zwei Gläser Wasser helfen gegen morgendliche Schwindelanfälle

In einer britischen Studie mit 14 Teilnehmern, die an Schwindelanfällen litten, ließ man diese jeweils 15 Minuten vor dem Aufstehen zwei Gläser (je 0,2 l) Wasser trinken. 11 der 14 Betroffenen hatten danach gar keine oder weniger Probleme mit Schwindelgefühlen. Auf bisher noch ungeklärte Weise hilft der morgendliche Betttrunk demnach, den Blutdruck zu stabilisieren und das Aufstehen zu erleichtern.

Wenn Sie unter orthostatischer Hypotonie leiden: Probieren Sie diese einfache und nebenwirkungsfreie Therapie aus. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie aber auch den Rat Ihres Arztes einholen.

Noch besser: Beugen Sie vor!

Jede körperliche Aktivität trainiert und stabilisiert den Gleichgewichtssinn. Mit gezielter Gymnastik und regelmäßigen Übungen können Sie sowohl Ihre Körperhaltung als auch Ihr Gleichgewicht verbessern.

Mit diesen Übungen stärken Sie Ihr Gleichgewicht:

  • Stehen Sie 30 Sekunden lang auf einem Bein. Wechseln Sie mehrmals die Seiten.
  • Gehen Sie über Hindernisse wie Kartons oder Bücher.
  • Gehen Sie und bewegen Sie dabei den Kopf nach rechts und nach links.
  • Heben Sie im Sitzen eine rechts vom Stuhl stehende Flasche auf und stellen Sie diese nach links. Heben Sie die Flasche wieder auf und stellen Sie sie wieder auf die rechte Seite. Wiederholen Sie den Zyklus zehnmal.

Krankengymnasten und Ergotherapeuten kennen Übungen, mit denen Schwindel und Gangunsicherheiten behandelt werden können. Fragen Sie Ihren Arzt danach und bitten Sie ihn um die Verordnung dieser Therapie.

Schwindelgefühl© ArTo – Fotolia

Die Auswirkungen von Hitze auf Ihren Kreislauf

Warum kippen wir bei Hitze nicht alle reihenweise um? Dafür sorgt unser Körper dies mit einem ausgeklügelten Programm, mit dem dies in der Regel zu verhindern weiß. Ihr Herz schlägt schneller, um den Sauerstoffmangel im Gehirn auszugleichen. Das Blut versackt in den Beinen, wo sich die Blutgefäße drastisch erweitern. Der Organismus bildet kalten Schweiß, um seine Temperatur zu regulieren. Erst wenn das nicht mehr ausreicht, kollabieren Sie. Das ist aber kein Drama, wenn Sie jung und gesund sind.

Menschen mit ausgeprägten Krampfadern sind davon besonders betroffen ebenso wie junge Mädchen mit niedrigem Blutdruck oder Sportler, die sich übernommen haben. Wenn jemand unter der Hitze zusammenbricht, sollten Sie ihn unbedingt liegen lassen und die Beine hochlagern, Kopf kühlen und Kleidung lockern. In der Waagerechten kommt er schneller wieder zu sich. Überprüfen Sie den Puls und rufen Sie gegebenenfalls den Notarzt.

Bananen und Cola schützen vor Hitzekollaps

Vorbeugen können Sie, indem Sie bei Hitze nicht allzu sparsam mit Kochsalz umgehen, insbesondere wenn Sie viel Flüssigkeit aufnehmen. Trinken Sie an heißen Tagen ein- bis dreimal täglich eine Tasse Gemüsebrühe. Essen Sie zwischendurch gesalzene Scheiben von Salatgurken, Bananen und getrocknete Aprikosen. An diesem Tagen dürfen Sie auch mal Colagetränke zu sich nehmen. Denn  sie enthalten Mineralstoffe, die Sie jetzt gut gebrauchen können.

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